Die Rudelchroniken

Ritter des Meeres
(aus Hinnerks Klamaukkiste, erzählt in ner LandeierKneipe)

“Hah, eure Ritter sind ja schön und gut, aber haben sie schon jemals gegen einen Ritter der Meere gekämpft? Wie, ihr wisst nicht was die Ritter der Meere sind? Vermaledeite Landeier. Wahrscheinlich wisst ihr nichmal was Krabben sind. Findste an jedem Strand der Westküste die Dinger. Kleine Tierchen sind das, passen so in meine Hand. Haben so nen Runden Körper, so 6 Beinchen und vorn zwei Klauenhände mit denen sie dich in den Allerwertesten zwicken wenn du nicht aufpasst, haha. Und komplett in harter Schale sind die gekleidet, kannste nichtmal ausversehen kaputttreten.
Auf jeden Fall, wir warn damals mit ner Händlerkarracke unterwegs nach Kuslik und hatten vor ner Insel geankert, weil die Bilgepumpe hinüber war und der Knauser von Käpt’n kein Reperaturholz geladen hatte. Mussten wir also auf der Insel n paar Bäume fällen. Ich hatt mich am Strand auf nen Felsen gesetzt um mir mit meiner Ration ne wohlverdiente Pause zu gönnen. Und wie ich da so saß fing der Stein unter mir plötzlich an sich zu bewegen! Ich natürlich sofort runter da und Säbel gezückt. Der Fels weiter am Rumoren, und dann fängt der doch tatsächlich an sich selbst auszubuddeln! Genau, ne Krabbe wars, aber was ein Riesending. Bestimmt drei Schritt groß und etliche breiter. Allein mit den Beinen hätt die dich aufspießen können! Und die Klauen erst, richtige Riesenscheren waren das! Könnten dir glatt den Kopf vom Rumpf trennen sag ich dir. Und das Ungetüm schien garnicht gut aufgelegt zu sein. Vielleicht hatte ich seinen Schönheitsschlaf gestört oder so. Auf mich losgegangen ists und hat mit seinen Scheren bedrohlich geschnappt, so ungefähr, schnappschnapp. Wollt mir wohl Angst einjagen, aber da hatte es sich gewaltig vertan. Ich hab garnicht lang gewartet und direkt nen Angriff gestartet. Nur hat mein guter Säbel auf dem Panzer nichtmal ne Delle hinterlassen. Das Ding war härter als Efferds Dickschädel, ich sags dir! Heißen nicht umsonst Ritter der Meere, da geht nix durch. Und da steckt ich nun inner Klemme, denn jetzt musste ich mich mit nur einem Säbel gegen zwei riesige Klauen erwehren. Mit ner Wucht hat das Monstrum seine Schwerthände geschwungen, ich konntse kaum abwehren. Eins, zwei, eins, zwei, so ging das. Aber das Vieh hatte mich unterschätzt. Beim nächsten Hieb hab ich die Lücke in seinen Angriffen gefunden und zack! Eine der Scheren am Gelenk abgehackt. Die Gelenke sind nämlich die Schwachpunkte in der Panzerung, ist ja klar. Hab mir die dann direkt geschnappt, die Scherenhand. So standen wir uns dann gegenüber, jeder ein Schwert in der Hand quasi. “Wie wärs jetzt mit nem fairen Kampf?!” hab ich gebrüllt, aber da hat die Angstkrabbe schon abgedreht und ist ins Meer gerannt. War auch besser so für sie. Mit Hinnerk Sandström legt man sich eben nich an, auch nicht als Ritter der Meere.
Wie, was ich mit der Klaue gemacht hab? Na geknackt und gegessen natürlich. Krabbenfleisch ist richtig zubereitet ein echter Geheimtipp."

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Von Sieg, Sand und Blut

Musik!

Ich versuche aufzustehen, benommen von dem Schlag an unserem Kopf. Die Sonne steht tief, und der Sand unter unseren Füßen ist rot und feucht von dem Blut der Kämpfer vor uns, gibt kaum halt. Ehe wir es schaffen uns aufzurichten, wirft ein Triff uns wieder um.
„Maqatl? Aldhib? Ha!” Der Kämpfer dreht sich zum Publikum, fordert. Die Leute johlen und brüllen, zollen ihn mit ihren Schreien und Geifer Tribut. Die Arena ist voll mit ihnen, mehr Menschen als ich jemals in meinem Leben sah. Ihr Gestank verpestet die Luft, quält meine Lunge. Die Hitze macht es noch unerträglicher, raubt mir Kraft und Atem. Kaum das ich nur ein Fetzen meiner Kräfte gesammelt habe, ist meine Gnadenpause vorbei. Der Kämpfer dreht sich wieder zu uns – Nein, zu MIR – und höhnt. „Alhusul ealaa ma yasla! Walkafaha!“
Ich verstehen die Sprache nicht, aber was er sagt ist klar. „Schwächling. Steh auf und kämpfe.“ Ich stehe auf, und kämpfe. Und verliere.

Er verliert.
Der Schwächling verliert und ich übernehme, schiebe ihn in die Schwärze. Der andere lässt sich feiern, glaubt schon gewonnen zu haben. Ich richte mich auf. Die Vielen jubeln, und halten inne. Stille breitet sich aus. Alle Augen ruhen auf uns, unserer Verwandlung. Ich lasse mir Zeit, genieße die Angst in ihren Augen. Mein Fell sprießt, seine Knochen knacken, brechen sich damit meine Platz haben. Ich grinse, zeige meine Fänge. Unsere Gestalt thront über dem Kämpfer, halb Wolf und halb Mensch. Der Gestank von Angstschweiß vermischt sich mit dem süßen Geruch des Blutes, lockt mich. Ich schaffe es noch einen Moment mich zurück zu halten, einen Moment zu genießen, dann stürze ich mich auf ihn.
Der Kampf dauert nicht lange, länger als er eigentlich sollte, aber ich kann es nicht lassen mit meiner Beute zu spielen. Wieder und wieder reiß ich in um, und lass ihn mit ein paar blutigen Wunden mehr laufen. Die Vielen jubeln jetzt für mich, feiern meine Aufführung. Ich bin hin und her gerissen, ob es mich nervt, mein Spiel teilen zu müssen, oder ob ich es genieße, nach Monaten der Stille wieder gesehen, gehört zu werden. Doch als das Knacken eines gebrochenen Knochen vom der Begeisterung des Publikums fast übertönt wird, entschiede ich mich. Als ich den nächsten Knochen breche, ertönt mit ihrem Geschrei mein Siegesgeheul.

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Wir wachen auf, schweißgebadet, mit Fängen statt Zähnen. Alles drängt, aufzuspringen, zu kämpfen, doch Stille umgibt uns. Langsam, beruhigen wir uns, lauschen dem Atem der unseren. Es ist ruhig, alle schlafen, nur Hinnerk hält Wache und Irion wälzt sich unruhig umher. Seitdem er verletzt ist, träumen wir gemeinsame Träume von den Tagen als wir Einer-und-Ein-Anderer waren. Ob Bren sie mir zeigt um sich zu erklären? Ob es Alpträume sind, die ihn verfolgen, weil ich uns schuldig fühle? Ob ich sie ihm zeige, damit er sich mir erklärt? Ich weiß es nicht, wir schweigen uns an.
Irion ächzt und wimmert im Schlaf, und sein Leiden folgt uns in den nächsten Traum.
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Wir träumen von Fieber, von Krankheit. Mein Bruder wird vom Traum verschlungen, vergisst das er schläft. Ich sehe zu wie er wimmert und winselt, doch wir wachen nicht auf. Ist es sein Mitleid das uns diese Tage noch einmal durchleiden lässt?

Sie bewarfen uns mit Pulvern um mich zu rufen, und mit Pulvern um mich zu vertreiben. Zu oft in zu kurzer Zeit, und unser Körper wurde schwach und heiß, hielt meinen Bruder in Fieberträumen gefangen. Ich half ihm nicht, ließ ihn einsam leiden, genoss „meine Rache“. Er hatte mich, kaum dass ich ihn fand, in seinem Geist allein gelassen, hörte meine Rufe nicht, hatte sich in seinem Verlust verloren und mich verdrängt. Und jetzt konnte ich ihn alleine lassen, sein Betteln ignorieren.
Ich beobachte meinen Bruder gefangen in Träumen, beobachte mein vergangenes Ich, und… schäme mich? Ja, tatsächlich, Scham breitet sich in mir aus, Reue, dass ich meinen Engsten so alleine gelassen hatte. Während ich die Tage in Kampf und Schlacht, in Blut und Mord feierte, jagten ihn nachts die Geister seines Rudels, hielten ihn in Ketten gefangen wo ich frei zum toben und töten war. Tag um Tag brach ich Knochen die er heilen musste, zerfleischte Körper die er wieder ausspuckte, Jahr um Jahr wuchs ich während er verkümmerte, wurde es immer mehr mein Körper, den ich ihm lieh damit er sich darum kümmerte.
Der Traum ließ die Jahre verfließen, schwemmte uns durch die alten Leiden, den alten Hass. Ich sah mir zu wie ich meine Hälfte mehr und mehr vernichtete, wie immer er immer weniger präsent wurde. Ich musste erleben wie meine Rache ihn schließlich eines Tages gänzlich aus unserem Geist vertrieb, ihn endgültig in die Schwärze band, die mich einst gefangen hielt. Ich spürte noch einmal die Einsamkeit, die ich damals für Sieg hielt, beobachte meinen Hochmut, und begann mich auf meinen Fall zu freuen.

Die letzten Tage unserer Gefangenschaft verbrachte ich als Zwischenwesen, halb und halb, genoss den Körper den ich als „Beute“ ihm abgerungen hatte. Ihre Pulver konnten mich nicht mehr vertreiben, zu fest war mein Griff. Ich feierte die Schlachtfeste, die Ekstase des Blutes, zerfleischte alle die sie mir zum Fraß vorwarfen. Mein Fell wurde rot, das Blut das ich Tag um Tag vergoss wurde Teil von mir.

Der letzten Tag selbst war fast wie jeder andere Tag, aber mit kleinen Unterschieden die alles veränderten. Wie jeden Tag bewarfen sie mich mit Pulver ehe sie mich zum Kampf brachten, aber anders als sonst brachte es mein Blut nicht in Wallung, sondern machte mich schwach, müde, wie jeden Tag brachten sie mich in Ketten in die Arena, aber dieses Mal lösten sie sie nicht, sondern hielten sie fest, zwangen mich in die Knie als der Kämpfer die Arena betrat. Ein Kämpfer, anders als alle zuvor. Kein Mensch stand vor mir, sondern ein Wesen aus Metall. Kein Stück Fleisch war zu sehen, eine umschließende Maske verbarg sein Gesicht, zeigte nur die Fratze eines Löwen in Gold, sein Körper war in weißen Stahl gehüllt, verziert mit noch mehr Gold, seine Arme in geschmiedete Pranken mit Klauen aus Eisen. Die Sonne ließ es erstrahlen, machte es fast unmöglich es anzusehen.
Das Publikum jubelte, nicht für mich, sondern für dieses fast göttliche Wesen. Damals war ich blind und taub für das Schauspiel, aber heute, nach Jahren unter Menschen, wenn ich noch einmal die Szene erlebe, mich gebeugt, wild, Fangzähne bleckend und noch mit getrockneten Blut beschmutzt sehe, und daneben die Statue aus Gold und Stahl, glänzen in der Sonne, und unmenschlich starr, verstehe ich warum ich diesen Kampf nicht gewinne durfte.
„Seht her“, schien die Szene zu sagen. „Seht her und staunt. Es ist ein Übel in dieser Welt, eine Bestie in Menschengestalt, ein Schandfleck auf unserer Herrlichkeit. Es hat alle die sich ihm entgegengestellt haben vernichtet, alle menschlichen Kämpfer zerfleischt, hat in Blut gefeiert und in Hass getanzt. Aber wo ihr schwach sind, gibt es die Starken, die aus Gold und Stahl einen prachtvollen Gott geschmiedet haben, die das Übel zerschlagen werden, die euch schützen, und denen ihr dienen sollt, weil sie besser sind.“

Wie furchtbar es für sie gewesen sein muss, als mein Bruder ihren Gott in Stücke riss.

Mein Anteil an Kampf war kurz und erbärmlich. Ihr Pulver machte mich träge, mein Körper schwach und kalt, die Ketten unendlich schwer. Ich taumelte mehr als dass ich tanzte, und obwohl das Wesen sich nur langsam bewegte, konnte ich mich kaum wehren, oder auch nur ausweichen. Der Kampf hätte nicht lange dauern sollen, doch es ließ sich Zeit, verpasste mir nur leichte Schnitte ehe es mich wieder fliehen ließ, macht aus meinem Tod eine Aufführung, ein Ritual. Mein Blut wurde über die Arena verteilt, benetzte den Sand und Staub, ließ meinen Stand noch unsicherer werden. Ein Hieb, ich gehe zu Boden, schaffe es nicht mich aufzurappeln. Das Wesen thront über mir, seine Maske kalt, und mir wird immer kälter und das Meer ruft. Ich spüre noch wie es seinen Fuß auf meine Brust presst, wie meine Knochen langsam nachgeben, und ich sehe schwarz.
Und dann rot.

Was folgt sind Fetzten. Pranken, die stählerne Arme biegen. Jubel, der zu Stille wird. Stille, die Schreien platzt macht. Ein Sprung, der eine eiserne Mauer umreißt. Ein Gott aus Stahl der unter uns liegt. Eine Löwenmaske, die Augen voller Angst verbirgt. Fänge, die sich erst in hartes Gold, und dann in weiches Fleisch bohren. Blinde Wut, die Wahrheit zeigt. Ein Mensch, der sich als Gott verkleidet. Ein Gott, mit Blut besudelt, zerbrochen. Ein Übel in der Welt, das Götter frisst. Sieg. Sand und Blut. Ketten und Kämpfen. Feinde um uns, Feinde in uns. Niederlage. Schwarz das das Rot verschlingt.
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Als wir aufwachen, sind wir wieder in unserem Lager. Wir hören wie Hinnerk Vivi weckt, sie leise Worte wechseln. Irion wälzt sich weiter umher, Amariel atmet fast unhörbar.
„Bruder.“ Wir müssen reden. Das Schweigen macht uns nur schwächer. Wir müssen uns wieder zuhören. Erneut rufe ich. „Bruder.“ Ich lasse Bren zu mir, wir sehen uns an. „Was geschehen ist…“ „ ist geschehen. Was ich damals getan habe, war Strafe für was ich damals tat. Aber was jetzt passiert ist, war anders.“ Wir schweigen einen Moment, geben mir Zeit mich zu sammeln. Ich spüre wie Bren anhebt, gebe ihm unsere Lungen damit er Seufzen kann. „Als ich merkte wie du die Sinne verlorst, übernahm ich. Doch als ich in unserem Körper war, waren die unseren nicht da. Um ums waren nur Feinde, und der Geruch von Sand und Blut lag ihn der Luft. Ich riss den ersten und begann…
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(Tayrach ist der blinde Gott der Wut und der Wahrheit. Er war der einzige, der als die nachtschwarze Spinne die Götter blendete, ihr wahres Übel erkannte. Er zerschlug ihre Fäden, und verbannte sie in die Tiefen, zusammen mit ihrer Brut, den Mochûla, die sie in den warmen Ländern als Dämonen kennen. Sein Geschenk ist der Blutrausch, der uns die Kraft gibt, alles verblendente zu zerschmettern, und alle Mochûla zu vernichten, vor allem aber alle Lügen zu offenbaren. Was heißt es nun, dass wir im Rausch fast die unseren erschlagen haben? Ist es Strafe, das wir von dem Mochûla in dem Tempel der Baronin flohen? Ist es die Wahrheit, das wir nichtmehr für ein Rudel geschaffen sind? Wir sind schwach, haben lange unseren Auftrag vergessen, verdrängt. Wir kämpften nicht für die Götter oder die Welt, nicht einmal für unsere Brüder Wölfe, sondern nur für die unseren. Wir hoffen das es nur eine Warnung war, werden uns dieses mal nicht vom Kampf gegen das Übel ablenken lassen. Wir werden weitere Kämpfer suchen, weitere Rudel die gegen das Übel vorziehen. Den Alpha der Kämpfer, Vivi’s Mantler, den Brenchi der Schlange, Minathriel, den Hüter des Waldes, die Kinder des Barons, alle die willig sind zu hören. Wir haben uns viel von den Göttern hier erzählen lassen, es ist Zeit das wir ihnen von unseren Dämonen erzählen. Vielleicht vergibt Tayrach uns, wenn wir mit unseren Rudel gegen das Übel selbst kämpfen, vielleicht wenn wir mehr Kämpfer auf seine Seite ziehen. Vielleicht müssen wir nicht auch dieses Rudel verlieren.

Aber vielleicht haben wir unsere Chance verloren, als wir unser erstes Rudel verloren, ohne mit ihm zu kämpfen. Vielleicht ist alles was uns bleibt, der Kampf gegen das Übel, und Tod im Nebel. Denn im Traum war unser Name Nebelzunge, und an unseren Händen klebt das Blut unseres Rudels.)

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Der Schlangenberg - In Charyptoroth's Schoss

Die Helden konnten es immer noch nicht glauben – sie hatten tatsächlich etwas brauchbares in den Höhlen, verborgen mitten im Herzwald, gefunden. Einen Geist! Torkin schaute an sich hinunter, die Rüstung passte. Er war es gewohnt zwei Seelen in einem Körper zu beherbergen, doch zu dritt wurde es zugegebenermaßen ein wenig eng. Der Geliebte Argelias hatte ihnen einen Pakt angeboten – er wollte sie begleiten und Ihnen helfen, bei was auch immer da kommen mochte, und dafür sollten die Helden ihn zu seiner Geliebten bringen, damit er Erlösung finden könnte. Dafür war es allerdings unabdinglich gewesen die Rüstung mit zu nehmen, an die er gebunden war. Die Helden hatten die Rüstungsteile Stück für Stück durch den Tümpel gezogen und schließlich tatsächlich genug beisammen gehabt, damit der Geist darin mitkommen konnte, sie waren den sandigen Gang bis zu den Ruinen zurück gegangen und stritten sich grade an einer Biegung über den richtigen Rückweg.

“Ihr Holzköpfe! Natürlich geht es hier lang zurück – seht ihr nicht unsere Spuren im Sand!?” postulierte Vivi.

“Das sind Orkspuren” stellte Torkin sachlich fest.

“Wir gehen jetzt hier lang”, verlangte Hinnerk, “ich habe ein gutes Gefühl bei diesem Gang.”

Andrasch lachte:
“Wenn ihr in diesen Gang wollt, dann sollten wir in die entgegengesetzte Richtung gehen! Wart ihr nicht derjenige, der sich über 200 Meilen weit ‘verlaufen’ hat?”

Hinnerk wollte grade zu einer schlagkräftigen Erwiderung ansetzen da brummte Torkin:
“Hier. Das sind unsere Spuren” und er ging in den Gang, auf den Niemand von Ihnen gezeigt hatte.
Es dauerte nicht lange bis die Helden wieder an den See kamen, der die erste Höhle ausgefüllt hatte. Ihre Fackeln waren fast niedergebrannt, und sie waren sich nicht sicher ob es nur daran lag, aber irgendwie schien das Wasser dunkler geworden zu sein. Hinnerk zurrte das Seil los, mit dem die Acht das Boot befestigt hatten.
Darf ich die Herrschaften zu einer Fahrt in unser Luxusklasse einladen?
Amariell und Martellus stiegen ein. Andrasch guckte leidend: “Wenn ich das meinem alten Ohm erzähle.”
Hinnerk rollte mit den Augen: “Du hast Drachen und Erzdämonen besiegt, da wirst du jetzt doch nicht vor einer kleinen Bootsfahrt Angst haben, oder?
Natürlich nicht.”, Andrasch kletterte vorsichtig ins Boot. “Ich sag ja nur: Wasser ist böse – ich hab das im Urin!

Athovar, der stets schweigsame Begleiter Martellus’, wollte auch dazu steigen, doch Hinnerk hielt in zurück. “Mehr Leute passen nichts ins Boot. Ich muss ohnehin mehrmals fahren.
Ist schon okay Athovar, ist ja nicht weit.”, beruhigte Martelus seinen stets besorgten Freund.
Hrmpf.” Athovar nickte und setzte sich im Schneidersitz an den Strand. “Beeilt euch.

Hinnerk schnappte sich die Ruder und setze sich an die Spitze. “Keine Sorge, es dauert nicht lange.
Er drückte sich vom Ufer ab. Und mit zwei kräftigten Ruderschlägen begann die Überfahrt. Plötzlich hielt er inne. Ungläubig blickte er auf die Wasseroberfläche, die nur unzureichend von ihren Fackeln beschienen wurde. Das Wasser hatte begonnen sich zu kräuseln. Nur ganz sanft, doch Hinnerk wusste die Zeichen Efferds zu deuten, und obwohl er nicht wusste was passieren würde, er war sich sicher es würde bald passieren. Er ruderte was das Zeug hielt.
He! He langsamer!” protestierte Andrasch. Doch Hinnerk beschleunigte weiter. Auch Amariel schien bemerkt zu haben, dass etwas nicht stimmte und Martellus hatte bemerkt, dass die anderen etwas bemerkt hatten. “Welche Maus ist euch denn über die Leber gelaufen?” wollte Andrasch wissen.

Eine Korrektur seitens Martellus blieb aus, stattdessen antwortete Hinnerk: “Etwas kommt und ich hoffe es ist nur ein unterirdischer Strudel
Es war kein unterirdischer Strudel. Nachdem Hinnerk die erste Fuhre abgesetzt hatte schaute er prüfend aufs Wasser. Vom Ufer aus war kaum ein Unterschied zu erkennen, doch für Hinnerk reichte es aus: Der un-rhythmische Wellenschlag störte ihn. Etwas war ganz und gar nicht wie es sein sollte. Übel-ahnend richtete er seinen Blick auf die Mitte des Sees, wo sich, wie sie wussten, drei Inseln mit riesigen Glocken befanden. Es half nichts. Er sprang erneut in die Nussschale, die ihm als Boot diente, und machte sich auf den Weg zurück zur anderen Seite.

Torkins Nackenhaare hatte sich aufgestellt. Er konnte es wittern, wenn Gefahr drohte. Der See führte Totenwasser, er hat es am Anfang nicht bemerkt, doch nun schien der salzige Geschmack nicht mehr von seiner Zunge zu weichen. Ihm wurde Übel bei der Vorstellung über seine Ahnen hinweg zu schiffen, doch was sollte er tun? Schließlich war er auch über das Wasser hier hin gekommen. Der Ort war ihm von Anfang an nicht geheuer gewesen, doch jetzt konnte er die Gefahr förmlich spüren. Doch er sagte nichts, denn er konnte sehen wie Athovar unwohl dabei war, seinen Freund auch nur für kurze Zeit alleine zu lassen, und er wollte ihm nicht noch mehr Grund zur Sorge geben.
Schließlich tauchte Hinnerks Sturmlaterne aus dem dunkel auf und das Boot nährte sich wieder Wartenden.
Beeilt euch” bellte Hinnerk, “Los doch, schnell kommt ins Boot!
Torkin überwand sich schnell, und bestieg das Gefährt. Irion ging als nächster. Athovar guckte zu Vivi rüber. Keiner wollte den anderen alleine zurück lassen und mehr als vier Leute passten nicht in das Boot, also musste Hinnerk noch mal fahren.
Plötzlich erfüllte ein Beben die Höhle. pochend, wie ein Herzschlag, der tief, tief aus der Erde zu kommen schien. Hinnerk stieß sich erneut ab, mit zwei schnellen Ruderschlägen nahm er an Fahrt auf.

// Kommentar des Chronisten – an dieser Stelle “Leviathan” aus dem Album Into the Blue von Erdenstern anmachen für maximale Epicness!!

Fortsetzung folgt…

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Nebel
6. Tag im Faramond (Ingerimm)

Der Nebel schien in breiten Schwaden über den Boden zu gleiten und sogar durch ihre Kleidung zu dringen. Die Thorwalerin fröstelte. Der Schein ihrer Laterne erhellte nur einen begrenzten Teil des unebenen Trampelpfades vor ihr. Kurz warf sie einen Blick gen Himmel, um ihre Laufrichtung zu überprüfen, doch kein Stern war auszumachen. Lediglich schwaches Mondlicht erhellte eine dunstige Fläche dort oben, hin und wieder von schwarzen, krallenartigen Ästen von einigen noch laublosen Bäume umrahmt. Sie hatte gedacht, dass es bald wärmer werden würde, immerhin war der Faramond schon angebrochen.
Plötzlich strauchelte sie. Ein zischender Fluch entwich ihr, der irgendetwas im Gebüsch neben ihr aufschrecken ließ. Verärgert musterte sie den Boden. Der Nebel musste eine Wurzel verdeckt haben. Sofort stieg ihr Zorneshitze wieder zu Kopf. Die Götter mussten sich über sie lustig machen. Wie hatte sie nur so dumm sein können! Wie! Schon blieb ihre Stiefelspitze erneut hängen, um ein Haar hätte sie die Laterne fallen lassen. Mit einem im Hals steckengebliebenem Brüllen trat sie auf die Stelle ein, wohl wissend, dass es ihr nicht im geringsten helfen würde.
Ihr Atem bildete kleine Wölkchen. Die Lichter des Hofes hinter ihr waren entweder nicht mehr zu erkennen oder gelöscht worden. Eine Weile suchte sie die Dunkelheit danach ab, wandte sich dann aber wieder Richtung Helmark. Grimmig zog sie ihren Schal zurecht und den oberen Teil bis über den Mund. Auch ihren Umhang zog sie fester zusammen und berührte dabei die verschiedenen Ketten darunter. Beide hatten hölzerne Anhänger und hingen ihr etwa bis zur Brust. Sie hielt inne. Schließlich befestigte sie die Laterne mit dem metallenen Ring an ihrem Gürtel und nahm in jede Hand einen der Anhänger.
Der eine zeigte das Profil eines Wals, dessen Rücken so gekrümmt war, dass er sich beinahe komplett um seine eigene Fluke wand. Er war grob geschnitzt und bis auf einen dunklen, eingebrannten Punkt, der das Auge erahnen ließ, war keinerlei Filigrantität auszumachen. Er gefiel Viriea sehr gut. Sie hatte sich gefreut, in Grautann, fernab der Küste, eine Figur des Gottwals gefunden zu haben. Zumindest redete sie sich das ein. Egal, wie lange sie schon von ihrer Heimat getrennt war und durch die Ländereien irrte, nie würde sie die Geschichten um Swafnir vergessen. Sie ermahnten sie immer wieder, zu kämpfen. Der große, weise Weiße würde es schon sehen! Vermutlich waren diese Geschichten ohnehin das einzige, was von ihrer Heimat übriggeblieben war. Viriea seufzte in die Stille der Nacht. Sie ließ den Anhänger wieder sinken, sodass er zurück an seinem Platz an ihrer Brust hing.
Mit der freien Hand umfasste sie nun zusätzlich den anderen hölzernen Anhänger an der zweiten Kette. Im Gegensatz zum Wal war dieser eher flach. Ein Pfotenabdruck war ins Holz gebrannt worden, von vielen weiteren Linien ausgefüllt und umgeben, die in dem Dämmerlicht ihrer Laterne kaum zu erkennen waren. Doch Viriea hatte sie sich oft genug angeschaut. Auch wenn sie genau wusste, wo sich welche Linie befand, selbst bei Tageslicht konnte sie nicht erkennen, was sie darstellen mochten. Ob in ihnen noch mehr als das bloße Symbol der Pfote zu erkennen war oder nicht. Sie fuhr mit den Fingern, die schnell ausgekühlt waren, vorsichtig das Relief nach. Eine Fuchspfote, hatte Amariel ihr bestätigt. Die Fuchspfote, wie Juna ihr gesagt hatte. Dem Namen nach hatte sie sicher irgendetwas mit dem Gott Phex zu tun. Ein Schatz, der irgendeinem Verwandten des Wirts der Grube gehört haben soll. Aus dem Hort eines Drachen, wenn sie sich recht erinnerte. Die Thorwalerin konnte ein bitteres Lachen nicht zurückhalten. Vor sich sah sie lediglich ein Stück Holz.
Der mit den vielen Namen hatte sie vor allem begeistert, als sie Fastalophs meisterliches Gemälde vor sich gesehen hatte. Verschiedene Symbole seien ihm zugeschrieben, viele in diesem einen Bild zu finden. Das große, bleiche Rund des Mondes, eine Goldmünze, Schatten, ein Mantel, um sich zu verhüllen, ein Fuchs. Eben jenes Bild wurde sogar gestohlen, von den Fuchskinder. Natürlich. Amariel und sie hatten es ausfindig gemacht und viele weitere rätselhafte und vor allem geheimnisvolle Dinge sehen und erfahren dürfen. Alles heimlich, alles unter Schweigepflicht. Immer spielten Schätze eine Rolle. Wert, den Gold nicht aufwiegen konnte. Immer das, was zwischen den Worten schwang, die gesagt, aber nicht gemeint wurden.
Viriea hatte begonnen, sich in den Schatten nicht nur zurechtzufinden, sondern tatsächlich auch auf gewisse Weise wohl zu fühlen. Sie war nicht stolz auf die Talente, die sie besaß, die sie aber zwangsläufig erlernt hatte. Dort hatten sie ihren Platz. Dieses mal war sie vor die Wahl gestellt worden. Und sie hatte sich bewusst für den Pfad im Verborgenen entschieden. Der blaugefiederte Pfeil hatte sie auserwählt und sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie vorher das letzte mal so etwas wie Stolz empfunden hatte. Dort hatte sie ihren Platz. Sie zog ihre Kapuze weiter ins Gesicht.
Langsam setzte die Thorwalerin sich wieder in Bewegung, die Laterne nun wieder in der rechten Hand, die Fuchspfote noch immer mit der linken vor ihrem Brustkorb umschlossen.
Sie sollte Irion bei Gelegenheit fragen, ob er sich die Kette ein mal anschauen könnte. Vielleicht war er in der Lage, mehr in ihr zu sehen, als sie es konnte. Ein Stich durchfuhr Viriea. Ihr Blick sank zu ihren Füßen, die abwechselnd den knöchelhohen Nebel leicht aufwirbelten. Der Magier lag, immer noch stark geschwächt, im Gasthof zum Kupferschlüssel. Seit Torkin die Kontrolle über sein Swafskari verloren und ihn schwer verletzt hatte, ist er trotz Amariels Heilzauber mit jedem Tag schwächer geworden. Zum Glück hatte Salia ihm helfen können. Sie selbst hatte versucht, ihn so gut es ging mit Wasser, Tee und ein wenig zu Essen zu versorgen. In seinem Zustand hatte er vermutlich nicht ein mal mitbekommen, was geschah. Ob er ihre Hilfe sonst abgelehnt hätte?
Eine ihrer weißen Strähnen wurde vom leichten, aber beißenden Wind in ihre Augen getrieben, sodass sie die Fuchspfote losließ und sie zurück unter ihre Kapuze strich. Irion hatte aus seiner Verachtung vor ihren heimlichen Erkundungsgängen und Aufträgen keinen Hehl gemacht. Kein Wunder, nach allem was geschehen war. Er sollte Recht behalten mit seiner Skepsis, waren Wachen, die sie bei ihrem Einbruch in die Villa entdeckt haben könnten doch ihr kleinstes Problem gewesen. Sie hatte doch auch nicht ahnen können, was für Gefahren dort lauerten.. Alle Informationen sollten offen liegen, hatte er gefordert. Keine ominösen Aufträge von Fremden. Aber sie war überzeugt gewesen, dass sie das richtige tat. Erst hatte sie eine versteckte Kiste unter den Dielen des Basiliskenschädels aufspüren und das Rätsel des Orkbuches ergründen müssen, um eine geheime Losung herauszufinden, die sie in die Grube führte, nur um weitere Informationen von Juna zu erhalten, die sich mit einer ganzen Bande außerhalb der Stadtmauern organisiert hatte. Sie hatte direkten Kontakt zum Mantler und sie, Viriea, sollte sich nun beweisen und die wertvolle Fuchspfote, die von der Baronin gestohlen worden war, aus der Villa herausholen. Völlig einleuchtend, wie ihr schien. ‘Die Fuchspfote verkehrt neuerdings wieder zu Hofe’, ein Schatz aus einem Drachenhort, von seinem eigentlichen, rechtmäßigen Besitzer entwendet. Von der Baronin, die laut des Blinden den Bettlern sogar die Schalen nehmen würde. Ein Unrecht, das aus der Welt geschafft werden musste.
Die Schritte der Thorwalerin wurden langsamer bis sie schließlich stand.
Dämonen und Untote hatte niemand erwähnt. Zaubergeschützte, fallengespickte Kammern ebensowenig. Gedankenverloren tastete sie nach dem Metall ihres Dolches am Gürtel, eine alte Gewohnheit, um Unheil abzuwenden. Nur mit Hilfe von Hinnerk und Andrasch, die sie bereitwillig begleitet hatten, und Torkin, Amariel und Irion, die sie nur in der Villa aufgesucht hatten, um sie dort wieder herauszuholen, war es ihr gelungen, die Fuchspfote zu finden. Sie hätte ebenso gut sterben können. Und alle anderen auch.
Aber wofür?
Der Mantler, der aus Grautann fliehen musste und dessen verworrene Botschaften ausschließlich über Dritte und Verschlüsselungen weitergetragen wurden, hüllte sich mehr und mehr in Mysterien. Er hatte den Auftrag erteilt. Sie hatte ihn unter allen Umständen ausführen wollen. Sie blickte erneut in die Richtung, aus der sie gekommen war. Dort hinten, in einem Zimmer eines Hofes von Bauern, war er. Das geheimnisvolle Oberhaupt der dritten der sogenannten Diebesgilden in Grautann. Kein mit Gänsefedern symbolisiertes, stummes Einverständnis über ein nächtliches Treffen auf dem Dach eines Heiligtums. Kein Mantel mehr, der ihn in den Schatten beinahe verschwinden ließ. In dem wohnlichen, mit Kerzen ausgeleuchteten Zimmer hatte lediglich ein junger Mann mit Maske gestanden, nicht viel älter als sie selbst, der Berichte von außerhalb empfangen hatte. Endlich hatten sie sein Versteck ausfindig gemacht, hatte sie sich gedacht. Endlich würden sie erfahren, worum es eigentlich geht! Der Mantler wusste sicher, was zu tun war. Langsam schüttelte Viriea den Kopf.
Wie hatte sie so dumm sein können. Nach Flunker hatte sie Fragen sollen. Sie hätte es wissen müssen. Niemand hatte sich so tief in die Abgründe der Stadt gewagt wie sie und alle anderen, die sie mit sich gezogen hatte. Niemand, offenbar nicht ein mal der Mantler selbst. Aber beachtlich, dass die Fuchspfote in ihrem Besitz war. Ein Krieg stünde an. Ob sie ihren Weggefährten vertrauen würde, wollte er wissen. Sie hätte ihm am liebsten vor die Stiefel gespuckt …
Enttäuschung, so groß, dass sie nicht einmal in Zorn Ausdruck finden konnte, hatte sie überwältigt und sprachlos gemacht. Aber was hatte sie erwartet? Von „Flunker“?
Mit festeren Schritten führte sie ihren Weg nach Helmark fort, in der linken Hand wieder die Fuchspfote gepackt. Sie zitterte. Mit Mühe ermahnte sie sich, das Stück Holz nicht einfach von ihrem Hals zu reißen und fortzuwerfen. Der Mantler wusste nicht annähernd so viel, wie er ihr hatte weismachen wollen. Nein. Wie sie sich eingeredet hatte. Sie war selbst Schuld. Wie konnte sie sich nur so auf jemanden verlassen wollen. Jemand der stets in den Schatten wanderte und sich auch vor ihr versteckt hielt. Und was wusste er schon über sie und ihre Gefährten! Ein Krieg zieht herauf? Sie waren dem letzten erst vor einiger Zeit entkommen. Nein, nicht entkommen. Sie hatten gekämpft und nicht nur das, sie hatten gesiegt!
Hinnerk war beinahe den Orks zum Opfer gefallen, aber er hatte zur Gruppe zurückgefunden und sich entschlossen, auch weiterhin die Reise nach Westen aufzuschieben. Was er wohl suchte? Einen sicheren Hafen offenbar nicht. Er sollte mittlerweile wissen, dass ihr Weg bisher nur in Schwierigkeiten geendet hatte. Amariel sang von Harmonie, die der Thorwalerin völlig fremd war. Die Elfe hätte schon lange zu ihrer Sippe zurückkehren, sich von aller Falschheit der Menschen zurückziehen können, doch das hatte sie nicht getan. Wieder und wieder nutzte sie sogar ihre magische Kraft, um Menschen zu heilen. Um sie, Viriea, zu heilen. So auch Irion, der sich zwar zu seiner Akademie und ihren sicheren Mauern zurücksehnte, zumindest sprach er oft davon, wieder dorthin zu reisen, doch auch er hatte sich bislang nicht verabschiedet. Seine Zauber waren zwar machtvoll, aber seinem Körper fehlte es an Zähigkeit. Dafür war sein Wirken unverzichtbar, wenn die Kämpfenden erschöpft waren. Die Welt, die ihm und Amariel offenbar beiden recht fremd zu sein schien, war finsterer, als sie es geahnt hatten. Und doch setzen sie ihren Weg fort. Torkin, der seiner ganz eigenen Finsternis entkommen war, bemüht sich sichtlich, alle zusammenzuhalten. Es ist merkwürdig, da gerade er und sein innerer Bruder, Brenn, in sich hin und wieder zerrissen schienen. Allein die Reise nach Helmark. Er wird sich nie verzeihen, dass er Irion eigenhändig verletzt hatte. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wäre der Magier an seinen Verletzung zu Grunde gegangen. Sie hatte es sicher nicht böse gemeint, ihm zu raten, bei Gelegenheit einen Swafnirgeweihten aufzusuchen. Er würde ihm helfen, mit seiner Walwut umgehen zu lernen, da war sie sich sicher. Schnell schweiften ihre Gedanken bei jedem ihrer Gefährten in gefährliche Richtungen. Ängste, Zweifel. Sie zwang sie sich, den Fokus auf das zu lenken, was sie verband. Sie war nicht sonderlich geübt darin, hatte sie sonst nur auf schnellstem Wege erkannt, was sie von allen anderen unterschied.
Sie selbst hatte sich der Gruppe angeschlossen, nachdem Irion ihr Leben gerettet hatte. In der Schenke zum Singenden Schwert. Der Ghul hatte sie direkt attackiert. Und schon war ein gemeinsamer Feind ausreichend, um völlig Fremde ein Band flechten zu lassen, dass sie gemeinsam gegen finstere Mächte hatte antreten lassen. Wie eines ihrer Hautbilder schlungen sich Knoten umeinander, immer weiter, nur um letztendlich unmerklich dort anzuschließen, wo sie begonnen hatten. Wie oft wäre es schon um sie geschehen gewesen. Was wäre aus Martellus geworden, wenn er und Atovar allein zum Schlangenberg gereist wären? Was wäre aus Andrasch geworden? Was aus dem Kloster? Alles hing irgendwie zusammen. Wo ein Pfad Endete, begannen zwei neue. Sie erinnerte sich an die Schwüre, die sie vor dem Drachenführer hatte ablegen müssen, um sich einer Ottajasko anzuschließen. Auf einem Schiff musste man zusammenhalten oder alle waren verloren, wenn es darauf ankam. Und das Meer war fordernd.
Allmählich wurden zwei Lichtflecken durch den Nebel erkennbar. Die Fackeln des Tores von Helmark. Die Feuchtigkeit und mit ihr die Kälte hatten ihre Kleider und Glieder nahezu durchdrungen. Sie würde sich gleich an einer Suppe im Kupferschlüssel wärmen und ihrem Frust in guter Thorwalermanier entgegenwirken. Aber vorher sollte sie noch einmal nach Irion schauen.
Keiner von ihnen hatte einen Schwur geleistet. Und dennoch …
Sie traute ihren Gefährten. Mittlerweile. Mehr als sie dem Mantler vertraute. Mehr, als sie auf ihn vertraute. Sie mussten Martellus warnen. Ihm irgendwie beistehen.
Die Wachen musterten sie aufmerksam, fragten aber nicht weiter, da sie sie vor einiger Zeit durch dieses Tor hatten gehen sehen, durch das sie nun wieder das Dorf betrat. Viriea löschte ihre Laterne. Auf den kaum beleuchtetenWegen vor den Häusern war niemand zu sehen. Es war spät. Frierend betrat sie den Kupferschlüssel, wo ihr der Geruch von Holz, verbrauchter Luft und ein Gemisch aus Braten und schalem Bier entgegenwehte. Als die Wärme des Kaminfeuers auf ihr Gesicht traf, entspannten sich ihre steifen Muskeln sofort. Sie zog die Kapuze vom Kopf und setzte sich an den Tresen. Die Wirtin kam heran und sie fragte nach zwei Portionen Suppe und einem Bier und kramte ihren Geldbeutel hervor. Dabei sah sie, tief versteckt auf der Innenseite ihres Mantels, die beiden metallenen Broschen, Sonne und Mond, aufblitzen. Bevor sich ein Schwall aus Gedanken auch über dieses ungleiche Paar in ihrem Kopf ausbreiten konnte, stürzte sie einen großen Schluck des Bieres sofort hinunter, das die Wirtin gerade erst auf den Tresen gestellt hatte. Die kräftige Frau hob lediglich eine Braue, kommentierte das ganze jedoch nicht weiter. Die Heller verschwanden in ihrer Schürze und sie machte sich auf in die Küche.
Auf der Suche nach ablenkenden Bildern in ihrem Gedächtnis tauchte der Saal in Grautann vor ihrem inneren Auge auf. Das Fest zu Ehren derjenigen, die am Kloster von Logar gekämpft hatten. Der Baron hatte noch gelebt. Man hatte seinen Sohn erwähnt. Er war noch nicht zurückgekehrt. Wäre er wieder in Grautann, so würde ihm die Nachfolge zustehen … Dieser Rat. Die Baronin. Der Vogt, den sie selbst nach Grautann begleitet hatten. Nackt und wirr. Er wollte alles über das Kloster Wissen, über die Schlacht. Oder war es über das Verschwinden der Praiotin und der verurteilten Frau? Viriea rieb sich die Schläfe, in der anderen Hand hatte sie den Bierkrug fest umklammert. Sie erinnerte sich nicht mehr genau. Plötzlich war ihr sehr unwohl dabei, dass ihrer aller Namen festgehalten worden waren. Dass sie selbst bei den hohen Leuten in Grautann vorstellig geworden waren. Sogar die Elfen tief im Herzwald waren jetzt von allem betroffen. Mit wenigen weiteren Zügen war ihr Krug geleert.
Als Viriea sich gerade die Haare raufte, stieß jemand mit einem weiteren Krug gegen ihren. Sie sah in das Gesicht Hinnerks. Der blonde Seemann lächelte schief als er ihr zuprostete. Sie hatte ihn wohl übersehen, als sie die Schenke betreten hatte. So weit ging das schon mit der Grübelei! Das sollte sie dem Magier überlassen. Sie durfte ihr Umfeld deswegen nicht aus den Augen verlieren. Sie bemühte sich um ein nicht allzu grimmiges Nicken in seine Richtung. Kurz darauf wurden zwei dampfende Schüsseln vor ihr abgestellt. Sie bat Hinnerk, sie mit nach oben zu begleiten, wo Torkin vor Irions Bett kauerte. Er streckte sein breites, vernarbtes Kreuz, als er aufsah und die beiden leise grüßte. Sein Fellmantel lag über Irions Decke und war auch beinahe ebenso groß. Das Bett stand an der Wand, ein einzelnes Fenster zeigte den sternlosen, dunklen Himmel. Der Magier war noch immer bleich, seine braunen Augen dunkel unterlaufen. Seine Arme lagen kraftlos auf der Decke, neben ihm ein leerer Becher Tee und ein Kerzenleuchter, der den kleinen Raum in schwaches, aber warmes Licht tauchte. Viriea wartete an der Tür, bis er leicht nickte und sie so hereinbat. Als Hinnerk gerade herauszufinden versuchte, wie es um Irion stand – immerhin redete er schon wieder, auch sein Fieber schien abgeklungen zu sein – betrat auch Amariel das Zimmer. Man bedeutete ihr, die Tür zu schließen. Ihr schwarzes Haar schwang in der Drehung zur Tür elegant um sie herum. Selbst eine solche einfache Tätigkeit verlieh ihr Anmut. Viriea würde sich wohl nie an ihren Anblick gewöhnen. Dann blickte die Elfe mit ihren strahlend blauen Augen erwartungsvoll in die Runde. Alle setzten sich, nur Hinnerk blieb an der Wand angelehnt stehen. Eine Laterne wurde noch zusätzlich angezündet. Dicht an dicht, damit niemand ihr Gespräch belauschen konnte, aber auch der Enge des Raumes geschuldet, warteten alle auf hilfreiche Neuigkeiten.
Viriea berichtete von ihrem Treffen mit dem Mantler, allen Informationen, die er an sie weitergegeben hatte und allen Informationen, die sie ihm mitgeteilt hatte. Nun lag es an ihnen zu besprechen, wie es weitergehen sollte. Ein Krieg stand bevor. Sie wussten nicht, warum oder wer überhaupt gegen wen kämpfen wollte, aber niemand machte auch nur Andeutungen, sich aus allem heraushalten zu wollen. Sie überlegten, wie sie Martellus benachrichtigen oder wie sie möglicherweise von der Akademie in Donnerbach Hilfe anfordern konnten. Eine weitere Reise in den Herzwald wurde diskutiert, auch wenn der raue Seemann an der Wand gar nicht glücklich dabei aussah. Amariel erklärte, was Karbon ihnen noch hatte mitteilen wollen und es wurde gemeinschaftlich durchdacht, wie alles zusammenpasste. Abwesend umfasste Viriea ihre Walhaskette, als die anderen lebhaft begannen, Gedanken zu formen und wieder zu verwerfen, diskutierten und sich einigten. Sie hatte in Grautann selbst daran gezweifelt, ob sie noch viel länger mit diesen Leuten reisen würde.
Flackernder Kerzen- und Laternenschein malte Muster auf die Dielen. Er umfasste jeden von ihnen. Der Nebel war in der Dunkelheit kaum noch zu erkennen. Innerhalb der Palisaden des Dorfes schien er sich ohnehin verflüchtigt zu haben. Für den Abend hatte Viriea ihn vollkommen vergessen.

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Was ist ein Seemann

Es ist eine Nacht wie jede andere Nacht in Grautann auch. In den Tavernen wird gezecht und gezockt, in den Freudenhäusern wird sich ausgelassen vergnügt und in schattigen Ecken werden Unvorsichtige um ihr Hab und Gut erleichtert. Im Garten des örtlichen Hesindetempels ist es hingegen vergleichsweise still und dunkel, doch ganz verlassen ist auch dieser Ort nicht. Eine einsame Gestalt sitzt auf einer Schaukel, die vom größten Baum des Tempelgartens baumelt. Obwohl die Schaukel offensichtlich für Kinder gedacht ist, scheint die Gestalt keine Sorge zu haben dass sie zusammenbrechen könnte. Schließlich hat sie sie selbst konzipiert. Die Gestalt wippt ein wenig vor und zurück, folgt mit ihrem Blick dem Lauf des Mondrads über den Sternenhimmel. Selbst einem geübten Auge könnte es schwerfallen zu erkennen, dass eigentlich bereits der Helm statt des Rades am Himmel steht. Doch der Gestalt ist es ohne weiteres bewusst. Das Rad dieses Monats war ein wichtiger Tag für sie. Für sie alle. Allerdings gibt es etwas was der Gestalt in dieser Nacht noch wichtiger ist, eine Frage eines Freundes, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt.
„Was hast du jetzt vor, Hinnerk?“
Überraschend war nicht die Frage, überraschend war das Fehlen einer Antwort. Die Antwort war der Gestalt so offensichtlich erschienen. Es war eine Antwort so einfach, dass man keinen zweiten Gedanken an sie verschwenden musste. Und doch hatte eben diese Antwort heute Abend gefehlt. Stattdessen war die Gestalt der Frage ausgewichen, etwas was ihr absolut nicht lag. Glücklicherweise war das bei der Menge an Alkohol scheinbar niemandem aufgefallen. Doch der Schatten auf der Schaukel kann der Frage nicht ausweichen. Nicht mehr.
Die Gestalt erinnert sich:

„He Wirt, noch eine Runde!“
In der Taverne hätte es lebhafter nicht sein können. Das Bier floß in Strömen und Gespräche waren generell nur schreiend möglich. Hinnerk saß mit einigen seiner Kumpel von den Hafenhunden an einem der Tische. Heute Nacht wollten sie dreizehn gerade sein lassen und mit alten Freunden und einer guten Menge Alkohol die Sorgen auf Morgen verschieben. Ohne sich von dem Lärm irgendwie stören zu lassen betrieben sie ihren Lieblingssport: Sich gegenseitig mit ihren absolut wahren Erlebnissen von ihren Seereisen zu übertrumpfen.
„… und dann grinste dieser Typ auch noch selbstsicher. Hatte gedacht seine kleine Finte würde mich aus dem Gleichgewicht bringen und über den Rand ins Eiswasser trudeln lassen, wo ich ja schon von dem Kampf gegen die beiden andern Muskelprotze so geschwächt sein sollte. Na, was soll ich sagen, der miese kleine Trickser hatte sich selbst ausgetrickst. Statt mich gegen seine Beinfalle zu wehren und so rücklings hintenüber zu kippen, bin ich mit seiner Bewegung mitgegangen, hab den Sack an den Schultern gepackt und über mich rüber ins Wasser geworfen!“
Gerade hatte Yost mit seiner üblichen breiten Stimme eine Geschichte darüber zum besten gegeben, wie er es beim jährlichen thorwaler Eisschollenringen mit drei Thorwalern gleichzeitig aufgenommen und sie alle besiegt hatte. Der Schrank von einem Mann begleitete seine Geschichte mit aushohlenden Gesten, die nicht nur überhaupt nicht dabei halfen die Geschehnisse darzustellen, sondern auch dem Mann neben ihm den Inhalt seines Bierkrug ins Gesicht fegten. Prustende Geräusche waren zu hören
„Pfff, puhaaa. Was in Praios Namen sollte das denn Yost?!“
„Aaaach stell dich nich so an Ardis. So n bisschen Bier hat noch keinem geschadet.“
„Bwahaha, Recht hat er, haha.“
Einer der anderen Männer hob dazu seinen Humpen, fing an sich beim Trinken hintenüberzulehnen und kippte schließlich mitsamt seinem Stuhl um. Er stand nicht wieder auf. Der Mann namens Ardis machte ein deutlich angewidertes Gesicht.
„So geht das also immer zu bei dir und deinen … „Kumpeln“, Yost?“
„Jetzt ziiiier dich nich so Ardis. Du wolltest doch unbedingt mal meine Jungs treffen, oder nich?“
„Das hatte meine Wenigkeit gesagt, aber…“
„Ach halt die Klappe. Ich will jetzt was von Hinnerk hören.“
„Ha, da lass ich mich nicht zweimal bitten. Aber ich kenne doch diesen Tonfall. Du willst was bestimmtes Hören, hab ich Recht? Vielleicht wie ich den Riesenkraken vor Grangor in die Flucht geschlagen habe? Oder wie ich mit einem von Rondrikans Donnerstürmen um die Wette getrommelt habe und zwar so gut, dass Rondrikan den Rückzug antreten und unser Schiff in Frieden lassen musste? Oder…“
„Lass stecken, die hast du ja schon mindestens tausendmal erzählt. Und dabei ändert sich immer was du als Schlagzeug benutzt. Nee, erzähl doch mal warum du Seemann geworden bist.“
Zum ersten Mal an diesem Abend zeigte sich auf Hinnerks Gesicht Verblüffung. Bevor er in Gelächter ausbrach.
„Hahahaha, was für ne sentimentale Frage is dat denn? Bist du heut zuviel mit Hai-Kai rumgehangen oder was? Hahaha.“
„Das würde mich aber auch durchaus interessieren.“
Ungefragt schaltete sich Ardis wieder ins Gespräch ein.
„Ich frage mich ja schon die ganze Zeit was Euereins eigentlich auf den Wassern zu suchen hat…“
„Jetzt stink hier nicht so rum Ardis, das ist doch klar. Weil wir Geld brauchen und sonst nichts können. Versuch mal als Matrose ne andere Anstellung zu finden, harhar. Aber solange ich mein Geld krieg isses mir eigentlich egal was ich mache. Aber dem da,“
An dieser Stelle schob sich Yosts wuchtiger Arm vor und zeigte auf Hinnerk, wodurch dieser samt seinem Stuhl leicht vom Tisch weggeschoben wurde.
„Der da, der wollt unbedingt Seefahrer werden, von Anfang an schon. Der einzige von uns Hunden der nicht von seinen Eltern ausgesetzt wurde oder sonstwie plötzlich ohne Mittel auf der Straße stand. Hat sich extra auf ner Karracke eingeschlichen um hier Seemann zu werden, behauptet er zumindest. Später hat er sogar seine Stelle in der Seilerei an den Nagel gehängt, nur um wieder raus aufs Meer zu kommen. Und ich findeee, es ist Zeiiiit, dass er endlich mal damit rausrückt wieso er son Verrückter ist. Obwohl Verrückte sind wir Hafenhunde eigentlich alle, harhar. Aber der da ganz besonders… Was ist, hast du nen Aal verschluckt Hinnerk?“
Hinnerk hatte nicht sofort geantwortet. Wer ihn besser kannte wäre sofort stutzig geworden, denn er ließ selten die Gelegenheit verstreichen eine gute Geschichte zu erzählen, vor allem wenn er darin vorkam. Jetzt schob er seinen Stuhl zurück an den Tisch und fing langsam wieder an zu sprechen.
„Ach, da gibt’s eigentlich garkeine große Geschichte. Ich wollt nur was jeder andere Junge in meinem Alter auch will wenn er in so nem Kaff aufwächst wie ich: Weg da und was erleben. Großpapa und Großmama haben eben die tollsten Geschichten erzählt, über Phileasson und Beorn, Ruban und Siberius und die ganze Mannschaft. Und da wollte ich eben auch solche Abenteuer bestehen. Wenn ich dann schließlich einmal um Aventurien gereist wär, dann wär ich zurückgekommen und hätte den beiden was zu erzählen gehabt. Tja, hat wohl nicht sollen sein. Aber Yost, willst du mir wirklich weißmachen du würdest genauso gern Kisten in Lagerhäuser schleppen wie auf einer Kogge in der Takelage hängen und dein Gesicht in den Wind halten? Das glaubt dir doch kein Dummbarsch!“
„Bwaharhar, zur Abwechslung mal nicht nur durch ein paar dünne Bretter vom sicheren Tod getrennt zu sein hat auch seine Vorzüge Hinnerk. Du bist und bleibst eben ein Verrückter, harar“
„Also falls es jemanden interessiert, ICH bin ja Matrose geworden weil dass ein Beruf ist den die Frauen besonders schätzen und…“
„Und lässt trotzdem dein ganzes Geld im Puff Ardis. Scheint so als hätte es sich von uns dreien für dich am wenigsten gelohnt Seemann zu werden.“
„Ich verbitte mir…“
Ardis empörte Erwiederung ging im Gelächter der anderen unter und das Gespräch wandte sich anderen Themen zu. Doch Hinnerk war nicht mehr richtig bei der Sache.

„Na du alter Haudegen?“
„Huaah, Sonya! Bei allen Höllenhunden, was machst du denn hier?“
Auf einem Dach eines alten Lagerhauses an einer verlassenen Stelle des Kais wäre Hinnerk fast vom Dach gekippt. Er hatte an der Dachkante des für Lagerhäuser typischen Flachdachs gesessen und die Spiegelung des Mondes im Wasser betrachtet, als Sonya ihn mit einem Knuff in den Arm fast aufs acht Meter tiefer liegende Pflaster befördert hätte. Wieder einmal hatte er sie nicht kommen gehört. Diese Frau stand ihm zwar in Statur in nichts nach, konnte sich aber trotzdem lautlos wie eine Katze bewegen, wenn sie denn wollte. Nun ließ sie sich neben ihm nieder und ließ ebenfalls ihre Beine über die Kante hängen.
„Du kannst ja noch nicht lange eingelaufen sein, Sonya. Ha, dann können du, Yost und ich endlich mal wieder zusammen einen Heben bevor ich übermorgen auslaufe. Das ist auch schon ne ganze Weile her. Aber was treibt dich denn zu unserem alten Stützpunkt? Wie wärs denn zur Abwechslung mal mit einem richtigen Bett?“
Tatsächlich war dieses heruntergekommene Loch früher mal Hauptquartier der Hafenhunde gewesen. Doch als Kinder des Hafens kann man es sich nicht leisten zulange am gleichen Ort zu bleiben.
„Ha, jetzt wo ich endlich die Chance habe dem Gestank an Bord zu entfliehen soll ich mich in eine Havenar Kaschemme zwängen. Nee danke, hier kennen mich die Kakerlaken immerhin. Aber die Frage geb ich mal direkt zurück an dich. Ich hab die Schaukel unten gesehen. Die REPARIERTE Schaukel. Was ist los, Hinnerk?“
Der Seefahrer wollte zu einer Ausrede ansetzen, streifte dabei allerdings mit seinem Blick die grün gesprenkelten Augen der Vielleicht-Ein-Viertel-Thorwalerin und klappte den Mund wieder zu. Vor Sonya hat noch keiner der Hunde je etwas verbergen können. Hinnerk schaute wieder aufs Wasser. Nach einigen langen Momenten stellte er seine Frage.
„Sonya, was ist ein Seemann?“
Damit hatte sie offenbar nicht gerechnet. Nach einem Moment knuffte sie ihn in die Seite.
„Ha, seit wann bist du denn plötzlich so sentimental? Hast du heute zuviel mit Hai-Kai rumgehangen oder …?“
„Ach komm Sonya, ich meins ernst. Sind wir wirklich nur deshalb auf See gelandet weil wir zu sonst nichts taugen, wie Yost behauptet? Klar gibt’s auch Phileassons unter den Seefahrern, aber die sind wir nun mal eben nicht! Wir sind nur ein paar Streuner die Kopf und Kragen riskieren um über die Runden zu kommen, weil uns sonst keiner haben will. Richtige Helden gibt es eben nur in Geschichten.“
Das hatte er eigentlich garnicht alles sagen wollen. Sei’s drum, jetzt hatte Sonya es ja doch schon gehört. Die Frau ließ sich ein bisschen Zeit mit ihrer Antwort. Dann fragte sie mit ruhiger Stimme:
„Hinnerk, geht es hier vielleicht nicht um was ganz anderes? Weißt du, der Untergang der Wellenläuferin ist jetzt fast sechs Monde her. Ist es nicht langsam an der Zeit zu akzeptieren, dass Rogan…“
„Rogan ist NICHT TOT!“
Sonyas Hand, die sich gerade besänftigend auf Hinnerks Schulter hatte legen wollen, zuckte ob des lauten Ausrufs zurück.
„Schau mal Hinnerk, Rogan hat dich immer behandelt wie ein Stück Dreck. Ich weiß garnicht mehr wie oft er ohne dich weitergesegelt ist und dich sitzen gelassen hat. Bei Efferd, einen zwölfjährigen im Winter in Thorwal…“
„Er hatte seine Gründe!“
„Und selbst wenn er die gehabt hat. Du weißt doch, als Seefahrer können wir uns manchmal ewig lang nicht sehen. Und dann ist es immer besonders traurig wenn man höhrt, dass ein Freund bei Davy Jones anklopfen musste, ohne dass man dabei war. Aber der Wind weht weiter, und schon um deiner Freunde willen musst du weitersegeln, auch wenn sie gestorb…“
„Verdammt nochmal Sonya, Rogan ist NICHT tot! Er und die ganze Bande nicht. Ein Schiff wie die Wellenläuferin geht nicht einfach so in einem lächerlichen Stürmchen unter! Niemand weiß wirklich was mit ihr und ihrer Mannschaft geschehen ist, es gibt nicht den allerkleinsten Hinweis darauf. Sie sind einfach verschwunden. Sowie alle anderen auch.“
Hinnerk hob den Kopf und sah Sonya direkt ins Gesicht.
„Niemand der mir wichtig ist hat den Anstand einfach zu sterben. Rogan und die ganze Bande nicht, meine Eltern nicht, Friddo nicht. Wären sie doch alle verreckt! Dann wüsste ich wenigstens was mit ihnen passiert ist. Aber nein!, ich muss mich immer wieder fragen: Wo stecken sie? Steht ihnen wohlmöglich das Wasser bis zum Hals? Könnte ich ihnen vielleicht helfen?! Werden sie vielleicht seit Jahren gefoltert und warten nur darauf dass sie jemand rettet?! Ich … Ich…!“
Ihm gingen die Worte aus. Die Wut war so schnell wieder verflogen wie sie gekommen war. Sein Gesicht war nur noch eine Maske der Trauer. Mit leiser Stimme fuhr er fort.
„Bitte, Sonya. Verschwinde nicht. Nie niemals nicht. Du nicht, und Yost nicht, und sowieso keiner der Hafenhunde. Ich ertrag’s nicht mehr.“
Eine Weile war nur das Plätschern der Wellen zu hören. Zu dieser Zeit war selbst in den meisten Tavernen Zapfenstreich. Die Sterne funkelten immer noch aus dem Wasser des Hafens zu den beiden herauf. Plötzlich bekam Hinnerk wieder einen Knuff in die Seite. Zu einem Gespräch mit Sonya gehörten nunmal ein paar blaue Flecken dazu. Als er zu ihr hinsah lag ein Lächeln auf ihrem Gesicht und sie began wieder zu sprechen.
„Was ein Seemann ist weiß ich auch nicht. Vielleicht hat Yost Recht und wir sind alle nichts als Nichtsnutze. Aber ich weiß wer der Seemann Hinnerk Sandström ist! Er ist jemand, der bei Sturm als letzter unter Deck geht. Er ist jemand, der bei Flaute die anderen mit seinem Seemansgarn unterhält und ständig nach neuen Geschichten sucht. Er ist jemand, der die Mannschaft zusammenhält wenn der Kapitän zu wenig Rum geladen hat. Und er ist jemand der die Meuterei anführt, sollte der Kapitän auch noch zu wenig Verpflegung geladen haben. Er ist kein legendärer Held aus den Geschichten, egal wie viel er seine eigenen Abenteuer übertreibt. Doch für seine Mannschaft ist er genauso ein Held wie Phileasson es für ihn ist. Und die Mannschaft würde keinen lieber haben. Ich muss es wissen, ich war schließlich auch schon ein Teil von ihr.“
Schweigen. Dann schlich sich tatsächlich ein Lächeln auf das Gesicht des Seemanns.
„Sonya … danke.“
„Ha, da nicht für Haudegen. Sag mal, ist auf deinem nächsten Kutter noch ein Platz frei? Ich bin ab heute arbeitslos.“
„Und wenn ich den Kapitän eigenhändig über Bord befördern muss, für dich find ich immer nen Platz.“
„Haha, dann wär das ja auch geklärt. Ich hau mich dann mal hin. Nacht Hinnerk!“
Sonya stand auf und gab ihm noch einen Gute-Nacht-Knuff. Er wünschte ihr ebenfalls eine und dann ging sie auf den Dachboden um sich ein Lager aus alten Tauen und vergessenen Segeltüchern herzurichten. Doch Hinnerk saß noch bis zum Morgengrauen auf dem Dach des alten Hauptquartiers und dachte über ihre Worte nach.

Es ist eine Nacht wie jede andere Nacht in Grautann auch. Der Garten des örtlichen Hesindetempels liegt weiterhin verlassen da, einzig und allein der Mond ist weitergezogen. Auf der Schaukel am größten Baum des Gartens sitzt immernoch die Gestalt. Und denkt.
„Diesmal bin wohl ich derjenige der Verschwunden ist. Efferds Launen sind wirklich undurchschaubar. Sonya, Yost, es tut mir Leid. Aber ihr werdet schon sehen. Egal was die Götter oder Dämonen oder sonst wer mir an Hindernissen in den Weg stellen, irgendwann komm ich zurück. Mit mehr Geschichten im Gepäck als ihr euch jemals vorstellen könnt. Wieder mit euch und dem Seewind über die Wellen zu reiten ist mein größter Traum. Aber eine Weile werdet ihr beiden noch warten müssen. Denn schließlich machen nicht das Meer oder das Schiff mich zum Seemann, und auch nicht mein Talent einen Rollstek in fünfzehn Sekunden knoten zu können. Das wichtigste für einen Seemann ist, seine Mannschaft auf ihrem Abenteuer nicht im Stich zu lassen. Und solange meine Mannschaft noch nicht in sicherem Hafen ankert, solange werde ich dafür sorgen, dass keiner über Bord geht. Das ist was einen legendären Seefahrer wirklich auszeichnet.“
Ein Lächeln umspielt Hinnerks Mundwinkel. Die beiden Zwerge haben ihren sicheren Hafen endlich erreicht, doch müssen sie sich bald wieder auf hohe See wagen. Auch die anderen sind noch dort draußen. Das Schiff des Wolfmannes kämpft verzweifelt um Einlass in den Hafen und wird doch immer wieder von seiner Vergangenheit abgeschmettert. Das Schiff der Elfe gleitet zwar mit übernatürlicher Anmut über die Wellen, schafft es aber stets sich in die größtmögliche Gefahr zu manövrieren. Wo das Schiff der Möchtegern-Diebin hinfährt muss sich noch herausstellen, allerdings scheint es eine Abneigung gegen Häfen zu haben. Und das Schiff des Magiers … nun, das würde er auch schon noch irgendwie mitkriegen. Zufrieden lehnt er sich an eines der Seile der Schaukel. Jetzt konnte der Morgen kommen.

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Alte Erinnerungen

17. Peraine

Alle waren bedrückt. Die Anspannung war so spürbar wie der Wind im Haar. Wir brachten Andrasch gerade zu seiner Magnifizenz, wie der Magier in seinem hohen Turm angesprochen werden wollte. Neben der tristen Stimmung war aber auch die Hoffnung da. Die Hoffnung, dass alles so wie vorher wird. Doch niemand scheint dem Magier so sehr zu vertrauen, dass er das zeigen würden. Aber war er nicht der, der es am besten kann? War dann Vertrauen nicht angebracht?

Andrasch war sicher angekettet im Turm. Alle waren so mit sich beschäftigt, dass niemand merkte, dass Tora auf dem Rückweg nicht mit zu Martellus kam, sondern einen anderen Weg einschlug. Den ganzen Abend bis es Nacht wurde habe ich im Tempelgarten gewartet, ob sie zurückkommt. Es wurde immer dunkler, doch Tora kam nicht. War ihr etwas zu gestoßen? Werden jetzt auch Zwerge entführt? Macht sie was dummes und traut dem Magier nicht mehr? Bricht sie gerade in den Turm ein, um ihren Bruder aus den Klauen des Bösen zu befreien?
Vielleicht finde ich sie ja von oben. Ich entledigte mich meiner Kleidung und kauerte mich auf dem Boden zusammen. Knochen knackten, Federn sprossen, Flügel spreizten sich. Als Kauz flog ich über Grautann. Doch von oben sieht jeder Fleck der Stadt nahezu gleich aus. Und ein Zwerg ist auch nicht besonders auffällig. Noch nicht mal viel Beute gibt es hier. Innerlich schüttelte ich mich. Bleib konzentriert. Vielleicht doch zu Fuß. Wieder zurück zu Martellus.
Von drinnen war ein lauten Schnarchen zu hören, der zufriedene Ton eines schlafenden Torkins. Alle anderen haben sich auch schon schlafen gelegt. Sie brauchten den Schlaf und konnten nicht die ganze Nacht wachen. Vielleicht sollte ich Bescheid sagen bevor ich mich zu Fuß auf die Suche nach Tora mache, aber sie sind immer sehr genervt, wenn man sie beim Schlafen stört. Besonders Vivi.
Ich schaffe das auch alleine.
Nachts sieht jede Straße noch mehr gleich aus. Alles ist so kalt und unlebendig. Schon nach ein paar Abbiegungen wusste ich nicht mehr genau wo ich war. Die Hoffnung Tora zufällig zu begegnen war trotzdem noch da. Vielleicht ist sie bei Ben und trinkt wieder? Ein Blick durch sein Fenster verriet, dass sie auch dort nicht war.
Ich lief weiter durch die Stadt. In einer der vielen dunklen Ecke spricht mich ein zerlumpter Mann an: „Ein paar Münzen für einen armen Mann?“. Meine innere Vivi Stimme sagte mir „gehe nicht alleine in dunkle Gassen“. Zu spät. Plötzlich fühlte ich mich bedroht, in die Enge getrieben. „Na, was machst du denn hier so alleine?“ Zwei breite Schemen verdunkelten den Ausgang der Straße. Verunsichert antwortete ich: „Ich suche einen Zwerg.“. Den Männern musste die für sie ungewöhnliche Stimme und die blauen Augen bemerkt haben, die das schwache Licht des Mondes reflektierten. „Wir haben einen Zwerg gesehen. Gleich dahinten. Wir können dich zu ihm führen.“ Misstrauisch fragte ich wie dieser denn aussähe. „Na wie ein Zwerg eben, klein und mit Bart.“ Also nicht Tora. Was wollen die nur von mir? Wieder meldete sich dieses Gefühl, dass ich in Gefahr bin. „Nein, danke.“ Ich drehte mich von den Schemen weg und ging. Als ich merkte, dass sie mir folgen, fing ich instinktiv an zu laufen. Die Gasse endete abrupt an einem Zaun. Mit einem Satz kam ich herüber, doch landete danach im Müll, der mir winzige Schrammen zufügte. Ich lief weiter um Abstand zu gewinnen. Auf den Dächern werden sie mir nicht mehr folgen können. An der nächst besten Mauer begann ich zu klettern. Ein Griff in eine Fuge, die sich so unnatürlich anfühlt. Ein Schritt in ein Loch im Stein, der sich so porös anfühlt. Ein weiterer Griff an die obere Ecke des Hauses. Etwas gab nach, ich fiel und dachte noch: nicht stabil genug. Am Boden knackte etwas. Kurz schloss ich meine Augen, um mich innerlich zu festigen. Als ich die Augen wieder öffnete sah ich sein Gesicht, ganz nah vor meinem. Sanyarian. „Was ist passiert, Amariel?“. Seine Stimme erklang in meinen Ohren. „Du musst aufpassen, Bäume können tückisch sein. Äste erscheinen so als würden sie einen tragen und geben doch nach, wenn man ihnen sein Gewicht anvertraut.“ Seine Hände berührten meinen Knöchel und eine wohlige Wärme breitete sich aus. Ich spürte, wie die Knochen wieder an ihren rechten Ort gelangten. „Manchmal sind sie nass vom Regen und man rutscht schnell ab. Doch denk daran, es gibt immer einen Weg, du musst ihn nur finden.“ Wieder dieses Lächeln, so als wäre die Welt in Ordnung und nichts könnte einem was anhaben. Er half mir auf die Beine und ich musste nach oben gucken, um ihm weiterhin in sein Gesicht schauen zu können. Er hob mich das erste Stück an den Baum und sagte: „Jetzt wirst du es schaffen!“. Ich öffnete meine Augen, immer noch am Boden kauernd mit meinen Händen am Knöchel. Letzte Tränen rannen über meine Wangen. Ich raffte mich auf und belastete probehalber meinen Fuß. Jetzt werde ich es schaffen.

Tora fand ich in dieser Nacht nicht mehr, dafür alte Erinnerungen.

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Der Schlangenberg - Der alte Hetmann

Erster Teil – In die Herzwaldgrotten

Zwei Überfahrten reichten aus um alle mit dem Padelbot bis zum Weststrand der Höhle zu bringen. Ein ungutes Omen schien von den drei Glocken auszugehen, die in der Mitte des Sees auf ihren Inseln standen und ruhten – noch.

Hier lang. Hier sind Spuren von Orks”, Torkin fletschte die Zähne. Seine Augen waren immer etwas gelber als sonst wenn er witterte. Ganz so als würde der Wolf in ihm dann an die Oberfläche treten. Die Anderen folgten ihm über den Sandweg, der nach Westen führte, weg vom See. Es gab viele schmale, mit Sand und Wasser bedeckte Gänge. Torkin folgte seinem Instinkt. Andrasch war gleich hinter ihm.

Und du meinst da kommen bald Orks ja? Wehe du schnappst sie dir und lässt mir keine übrig! Maschomax hat schon lange kein Orkblut mehr gekostet…!”

Torkin war genervt vom ständigen Geplapper des Zwerges.
Leise”, brummte er und seine Ohren stellten sich auf.

Amariel hatte locker einen Pfeil auf die Sehne gelegt und blickte nach hinten, in die Halle mit dem See aus der sie gekommen waren. Dann blieben Torkin und Amariel gleichzeitig stehen.

Was’ denn los?” fragte Hinnerk und schaute von Amariel zu Torkin und wieder zurück zu Amariel.

Der Boden atmet schwer. Ich hoffe wir haben ihn nicht geweckt.” erklärte Amariel.
Hinnerk runzelte die Stirn – er war genau so schlau wie vor der Frage.

Elfen und Magier in einer dunklen Höhle” brummte er vor sich hin.
Jetzt fehlen nur noch Geister und Vampire.
Seid vorsichtig, was ihr euch wünscht”, flüsterte Vivi zu ihm gewendet,
seit ich mit denen Reise, wundert mich gar nichts mehr.

Die Gänge verengten sich und wurden wieder breiter. Schließlich öffnete sich die Decke in einen neuen Raum. Sie mussten ständig nach unten gegangen sein, denn über Ihnen gähnte nur Leere. Der Bereich, den sie betreten hatten, nahm Ausmaße an, die jeder Beschreibung spottete: Eine Ruinenstadt die sich noch kilometerweit erstrecken würde, lag vor den Helden.

Glimmer war am Eingang der Höhle zurück geblieben. Zu angsterfüllt und schwach war sie nach ihrem ersten Erkundungsdebakel. Und trotzdem flog da plötzlich ein kleiner Lichtball über einem großen Loch.

Irion stutzte. “Glimmer?

Vivi raunte Hinnerk zu: “Siehst du…

Andrasch kniete sich an das Loch. Das Licht hatte er entweder noch nicht bemerkt oder ignoriert. Sein Finger nahm eine Probe der Innenseite des Lochs. Er roch daran und probierte.

Oh nein… Andrasch, diesen Gesichtsausdruck kenne ich doch! Sag jetzt bitte nicht
setzte Vivi an und wurde von Andrasch unterbrochen:

Ha Ha!! Das ist Drachenkot! Den schmeck ich unter Tausenden heraus!
Amariel verzog angewiedert das Gesicht.

Achso. Drachen.” bemerkte Hinnerk zynisch. “Wie konnte ich mit Vampiren nur so daneben liegen…

Andrasch setzte die Miene eines horasischen Weinkenners auf und dozierte:
Der Grubenwurm, Grubus Wurmus, wird durchschnittlich 100 Meter lang. Er kann Feuer spucken und ernährt sich täglich von zwei dutzend Elfen – Zwerge gehören nicht zu seinem Speiseplan, denn an die traut er sich nicht ran. Er wird im Schnitt 120 Jahre alt und...”

Etwas Anderes hatte Irions Interesse geweckt:
Ich bin mir ziemlich sicher das ‘Grubus Wurmus’ nicht die korrekte Bezeichnung ist Andrasch. Und davon abgesehen glaube ich nicht, dass es sich hier um einen Drachen handelt. Seht nur, das hier sieht ehr aus wie eine Opferstätte oder ein Altar. Und das da hinten waren Orkspuren, nicht war Torkin?

Torkin nickte und fügte hinzu: “Hier auch Orkspuren… Und Orkgeruch.

Ich glaube kaum, dass Orks hier regelmäßig auftauchen würden, wenn hier ein Drache sein Unwesen triebe.” endete Irion seinen Gedanken.

Was wenn Orks Drachen anbeten?” Torkins Miene war ernst.

Irion schob seine Zweifel gestisch mit einem Handwisch zur Seite. “Was mich viel ehr interessiert ist dieses Licht.” Er wendete sich wieder zur Grube “Huch? Wo ist es denn? Es war doch eben noch da?!

Amariel zeigte in einen Gang der wieder weg von der Ruinenstadt führte. “Das Licht möchte, dass wir ihm folgen denke ich. Es klang traurig.

Nicht ganz sicher was Amariel mit “Es klang traurig” meinte, schob sich die Gruppe in den Gang und dem Licht hinterher. Schließlich endete der Gang an einem kleinen Tümpel. Daneben lag ein Stiefel, der mal zu einer Rüstung gehört haben könnte. Das Licht schien kurz zu warten bis alle da waren – und tauchte dann in den Tümpel…

Amariel fing an sich aus zu ziehen.

Moment, Moment!”, stotterten Hinnerk und Andrasch gleichzeitig. Irion wurde rot.
Was machst du da?” brachte Andrasch hervor.
Ich ziehe mich aus”, stellte Amariel sachlich fest ohne Anstalten zu unternehmen damit auf zu hören.
ja aber warum!?
Irion räusperte sich: “Wenn Elfen die volle Wirkung ihrer Zauber entfalten wollen, entledigen sie sich manchmal ihrer Kleidung. So zum Beispiel beim ADLERSCHWINGE. Es ist in ihrer Representation sogar so sehr verankert, dass es zum…."

Amariel war verwirrt: “Nein, ich wollte einfach nur dem Licht nach tauchen.

Zweiter Teil – Geister

Die Oberfläche des Tümpels kräuselte sich. Angespannt warteten die Anderen darauf, dass am Seil gezogen wurde, dass in den Tümpel hing, und an dessen anderem Ende Virieia befestigt war. Der Tümpel war tief, so viel hatten sie herausgefunden. Vermutlich war er ursprünglich Teil eines Verbindungsgangs gewesen, der heute überflutet war. Weder Amariel noch Hinnerk hatten es geschafft hindurch zu tauchen – und das bedeutete, er musste verdammt tief sein. Plötzlich ging ein Ruck durch das Seil. Hinnerk begann zu ziehen. Verdammt – Das Seil war viel zu leicht. Er ahnte Böses. Mit einem glucksenden Geräusch erschien ein Stiefel am anderen Ende des Seils. “Bei Efferds gigantischem Schlepphoden” entfuhr es Andrasch. Hinnerk riss sich sein Hemd vom Körper und sprang in den Tümpel.

Vivi ging langsam die Luft aus. Sie hatte das Seil von ihrem Fuß gelöst, als es seine maximale Spannweite erreicht hatte. Sie wollte nur noch ein paar Meter weiter tauchen um sicher zu stellen, dass es nicht doch irgendwo eine Oberfläche gab oder zumindest irgendwo die Decke so hoch war, dass man Luft holen konnte. Aber nichts dergleichen. Sie wollte grade umkehren, da bemerkte sie ein Licht vor sich. Sie musste unweigerlich an die thorwalschen Sirenen denken: Mythoswesen, die Seeleute anlockten, um sie dann zu töten. “Humbuck” wies sie sich zu Recht und schob es darauf, dass Efferd sie bereits ein zu lullen suchte. Jeder, der versuchte längere Zeit ohne Luft unter Wasser zu überleben wurde von diesem Schicksaal ereilt – Menschen waren eben keine Fische. Ihr Sichtfeld war kleiner geworden, doch sie schwamm noch immer weiter dem Licht entgegen. Ihre Lungen schmerzten und drohten bereits zu bersten doch schließlich, kurz bevor es zu spät gewesen wäre, durchstießen ihre tastenden Hände die Wasseroberfläche, ihr Kopf folgte nach Luft schnappend. Einen Moment brauchte sie, bevor ihre Sicht sich klärte und sie sich umschauen konnte – gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass was sie getan hatte verdammt gefährlich gewesen war, und dass sie dafür nicht mal bezahlt wurde. Sie war in einer kleinen Höhle die rings um von fluoreszierenden Korallen gesäumt war. Vivi zog sich an den Felsen aus dem Wasser – und wäre fast wieder rückwärts hineingefallen. Sie schnappte erneut nach Luft und diesmal nicht weil sie getaucht war: Vor ihr in der Höhle saß jemand. An die Wand gelehnt und in voller Rüstung saß weiß schimmernd ein Thorwaler. “Bei Swafnir.” entfuhr es ihr. “D D Du bist ein Geist!” Auch wenn es keine Frage gewesen war, klang es nicht wie eine Feststellung. Der Thormann hob seinen Kopf und guckte sie an. An der Stelle, wo bei einem Menschen das Herz gewesen wäre, pulsierte eine kleine Lichtkugel, die Vivi sehr an die Kugel erinnerte, die sie in den Ruinen gesehen hatten.
Das bin ich”,
tönte es hohl aus dem Mund des Geistes und echote in der Höhle wieder. Der Geist stand auf und Vivi ging rückwärts zurück bis sie stolperte und wieder in Wasser fiel.
Ich bin dankbar, dass ihr mich gefunden habt! Ich warte schon so so lange.

Und worauf wenn ich fragen darf? Wer seid ihr überhaupt?… oder ‘wart’”.

Man nannte mich Thyrvar Eldgrimmson, einst war ich der Anführer einer Abenteuergruppe wie der euren. Doch dann wurde ich verraten und bin hier ermordet worden.

Vivi erinnerte sich an den Namen aus Minathriels Erzählungen.
Ihr seid der Geliebte Argelias, nicht wahr?

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Der Schlangenberg - Die Herzwaldgrotten

Glimmer führte die Helden schließlich bis zum Eingang der Herzwaldrotten. Die Herzwaldgrotten, so erzählte sie auf dem Weg, waren ein Höhlensystem ungeahnten Außmaßes, dass sich unter dem gesamten Herzwald und vermutlich darüber hinaus erstreckte. Den Elfen seien mehrere Eingänge bekannt, doch dieser hier würde die Helden, so sie Glück hätten, vermutlich am ehesten zu Hinweisen führen. Die Herzwaldgrotten waren dunkel und nur Irions Magie war zu verdanken, dass die Helden etwas sehen konnten. Die Grotten waren kalt und feucht und erinnerten an eine Tropfsteinhöhle. Der Boden war sandig und die Wände glitschig. Es dauerte nicht lange bis der Eingang sie an einen unterirdischen Strand führte. Ein See war hier, dessen Tiefe man von oben nicht erahnen konnte, und noch etwas fanden die Helden: Spuren! Sie schienen nicht die einzigen, die diese Höhle in letzter Zeit betreten hatten:

Orks!” brummte Torkin. “Das sind Orkspuren. Ich erkenne ihre Rüstungen im Sand wieder. Und sie waren nicht grade darauf bedacht ihre Spuren zu verwischen.

Seht mal hier drüben!” rief Vivi. “Ich glaub hier liegt ein Boot im Wasser! Hey Irion, kannst du deinen Lichball mal hier rüber leuchten lassen?”

Irion runzelte die Stirn: “Einen FlIM FLAM kann man nicht einfach so wie man möchte durch die Gegend bewegen! Das ist eine sehr komplexe und hoch instabile Matrix. Sie zu bewegen erfordert genauste Anpassungen an den Raum und hohe Anforderungen an den Magus!

Jaja. Kannst dus jetzt oder kannst dus nicht?

Missmutig dirigierte Irion den Ball aus Licht vorsichtig über den See, am Strand entlang Richtung Vivi. Tatsächlich lag dort ein Bot, dass mit einem Seil an einem Pflock im Wasser festgemacht wurde.

Halte ein Irion!” Diesmal war es Amariel. “Dort! Sieh nur!” Irion und die anderen schauten auf die Mitte des Sees.

Was soll da sein?” fragte Hinnerk und Irion dirigierte den Lichtball wieder ein Stück zurück und weiter auf die Mitte des Sees. Jetzt sahen die anderen es auch! Mitten auf dem See gab es drei kleine Inseln, und auf jeder Insel hing eine große Glocke in einem Gerüst!

Bei Swafnir” entfuhr es Vivi und Torkin aus unterschiedlichen Gründen.
Das kann nichts Gutes bedeuten” stellte Hinnerk fest. “Müssen wir jetzt rein, hilft ja nichts.

Glimmer, könntest du ein Stück weiter über die Ost-Seite des Sees fliegen um zu sehen, ob dort die Höhle weiter geht?” fragte Irion. “So weit reicht mein Zauber nicht

Aber klar Großlinglein Irion!” bekam er in Glimmers üblichem, verspielten Tonfall zurück.
Glimmer flog über den See. Bis sie nicht mehr flog. Das kleine Licht in Form der Sianna war stehen geblieben. “AHHH HILFE! HELFT MIR! Hier… hier ist irgendwas in der Luft das mich festhällt!

Bei Rondras Donnerfürzen! Das sind Spinnennetze!” – Andrasch hatte es als erster verstanden…

Die Ostwand der Höhle war über dem See bekletterbar. Nicht ganz ungefährlich aber machbar. Vivi reagierte als Erste. Sie und Amariel waren beide bereits Richtung Oststrand geeilt. Sie krammte so schnell sie konnte ihre Kletterhaken aus dem Rucksack und schlug einen davon prüfend in die Wand.
Er hielt.
Ohne groß nachzudenken balancierte sie an der Wand entlang. Eine Felsstufe kurz unter der Wasseroberfläche bot etwas halt für die Füße.
Ein Schritt,
dann noch ein Schritt,
nächster Haken,
und wieder ein Schritt.
Zwischendurch huschte der Blick zum zappelnden Licht im Spinnennetz, dem sie sich langsam nährte. Plötzlich löste sich einer der Haken aus der Wand.
Sie rutschte ab und fiel.

SCHEIßE!” entfuhr es Virieia und ihr Knie schlug auf die Felsstufe. Das tiefdunkle Blau war undruchdringlinglich doch ihr Arm fand halt. Ihr Blick wanderte nach oben.

Weiter jetzt.” Amariel zog sie wieder auf die Beine.
Vivi nuschelte etwas das entfernt an “danke” erinnerte vor sich hin und fixierte wieder Glimmer. Schließlich kamen die beiden ans Ende der Stufe.

Was jetzt?” Vivi war ratlos und auch Amariel wusste nicht weiter. Dicke, klebrige weiße Fäden schälten sich vor ihnen aus der Dunkelheit. und verschwanden Richtung Glimmer auf den See. Vivi drückte Amariel die Sturmlaterne in die Hand, die an ihrem Gürtel hing.

Scheiß drauf” murmelte sie wieder unverständlich und griff einen der Fäden. Bevor Amariel ihr erklären konnte, dass es eine sehr schlechte Idee sei am Spinnennetz einer Spinne zu rütteln, da dies die Spinne auf die Beute aufmerksam machen würde, hatte Vivi schon angefangen das Netz zu beklettern.

Ekelhaft… Glimmer ich bin gleich da!”

Dann ging alles ganz schnell. Das Seil riß, Vivi und Glimmer stürtzten in den See, der sie in die Tiefe zu ziehen schien. Hinnerk hatte schnell reagiert und padelte in dem Boot was das Zeug hielt auf die Beiden zu. In letzter Sekunde, mit durchnäßten Klamotten und Flügeln, und völlig außer Atem schafften es die Beiden vom Wasser ins Boot. Eine Spinne war nicht aufgetaucht – Glück gehabt. Auch Amariel wurde eingesammelt.
Danke Hinnerk!” keuchten die beiden Nassen.

Hier ist ja nicht mal Seegang,” gab Hinnerk zurück und brachte die anderen zurück ans Land.
Also in diesen Teil der Höhle, geh ich nicht noch mal, so viel ist mal sicher.” keuchte Vivi immer noch völlig außer Atem.

Dann auf in den Westteil der Höhle!” lachte Andrasch.
Wird ja wohl hoffentlich noch nen paar Monster hier unten geben, die auch raus kommen, wenn man ihre Netze kaput haut.

Fortsetzung: Der alte Hetmann

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Der Schlangenberg
Der Weg zum Schlangenberg

Die Helden reisten weiter, ließen die Tochter des Barons, der auch der Baron von Grautann war, wie sie später erst feststellen sollten, bei ihrem Vater und zogen weiter Richtung Helmark. Helmark war die nächstgelegene Stadt und man musste dringen Vorräte aufstocken und jeder der Helden, Amariel mal ausgenommen, sehnte sich nach etwas ungezwungener Atmosphäre.
Bald traf die junge Gruppe auf noch weitere Reisende, die auch auf dem Weg nach Helmark waren. Ihre Namen waren Athovar Avenhardt und Martellus Jarelon. Zwei reisende Freunde, die entscheidenen Anteil daran haben sollten, dass unser Rudel so zusammen blieb, wie sie es später taten…

Auf der Suche nach Hinweisen zu dem merkwürdig ausgesaugten Reiter, lernten die Helden bald alle Bewohner des überschaubaren Dorfes kennen. Rattenprobleme wurden beseitigt und Kontakte geknüpft, darunter Salia, die Kräuterkundige, die außerhalb des Dorfes lebte, und Melek, ein offensichtlich erfahrener Wachmann. Martellus hatte ihnen ein Angebot gemacht, gegen eine ansehnliche Entlohnung als Eskorte zu einem Ort mit Namen Schlangenberg zu dienen. Die als Bedenkzeit verbleibenden Tage vertrieben sie sich unter anderem mit der nicht so lautlos wie gewünschten Jagd auf einen Oger in der Nähe, der Erkundung des Hügels mit der Henkerseiche, sehr zum Misfallen von Thorkin, wo sie auf einen verwirrten Geist stießen und dem Nachjagen eines verschwindenden Streuners. Auch ein auffällig langer Aufenthalt der Thorwalerin im Praiostempel gehörte zum Zeitvertreib.
Der sich ebenfalls in Helmark aufhaltende, selbst ernannte Seemann Hinnerk brachte vor allem dem Magier und der Elfe eine nicht ungehörige Portion Skepsis, wenn nicht sogar Abscheu entgegen. Letztendlich ließen sich jedoch alle zusammen vom vielversprechenden Angebot des Hesindegeweihten überzeugen, gemeinsam gen Herzwald aufzubrechen.

Der Herzwald
Doch dann kam alles anders als geplant Der Herzwald selbst war nicht schwer zu finden, der Schlangenberg jedoch, obwohl man ihn stets sehen konnte, schien sich den Suchenden zu verwehren. Immer wieder kletterte Amariel in die Bäume um die Richtung zu weisen, doch näher kamen die Reisenden ihm nicht. Auf einmal tat sich zwischen zwei Bäumen ein Pfad auf an dessen Ende ein Mann stand. mit brauner Kleidung bedeckt, die nur aus dem Bestand was die Natur hergab, baren Fußes über den Waldboden schreitend und ein VOgelnest auf dem Kopf tragend. “Ich bin Gareon, und solang ihr hier in meinem Wald seid, haltet ihr euch besser an meine Regeln.” Der Druid war nicht der einzige der in diesm Wald leben sollte und die Gruppe nahm seine Regeln entgegen und versprach kein Feuer zu schüren in diesem Wald, auf das nicht verbrenne. Doch helfen wollte der Mann ihnen auch nicht – jedoch gab er ihnen noch die Bitte mit auf dem Weg nach seinem Freund Antalor ausschau zu halten, denn er hätte ihn aus den Augen verloren. Dass Antalor ein Einhorn sein sollte, würde den Helden sicher niemand glauben, vor allem nicht wenn Andrasch der erste sein würde – und er würde der erste sein – der es erzählte. Die Helden irrten weiter durch den Wald und stellten sich seinen Gefahren und Mysterien. Von Kämpfen gegen Rieseneulen bis zu einer mysteriösen Ente war so ziemlich alles mal auf dem Tagesplan. Und auch Antalor fanden die Helden. Oder ehr das, was von dem armen Wesen übrig geblieben war. EIn Schauer fuhr durch alle Anwesenden als sie den ausgebluteten Leichnahm des wohl einst prächtigen Wesens fanden. Und jäh musste man sich daran erinnern, was man neulich bereits gesehen hatte. Noch jemand anders war ausgesaugt worden – ein Reiter südliches des Passes nach Helmark. War das übel etwa bis hierhin gekommen?
Mit mulmigem Gefühl mussten die Helden schlafen gehen und das Gefühl sollte sich bewahrheiten. Niemand weiß, was passiert wäre Torkin nicht aufgepasst hätte, wie er es tat, denn des Nachts sollte der Schatten des Unheils auch sie heimsuchen…
Die Helden hatte ein Feuer gemacht und Torkin hielt zusammen mit Hinnerk Wache, als plötzlich die Luft etwas kälter wurde. Als Torkin zum Feuer schaute um neues Holz nachzulegen da sah er es: Ein Schatten hatte sich über Amariel gebeugt und schien ihr gradezu die Seele aus dem Leib zu saugen. Heldenhaft und ohne eine Idee was der Feind sein könnte stürtzt sich Torkin auf den Schatten und fiel gradewegs durch ihn hindurch. Auch Hinnerk zog in seiner Not die Säbel und griff den unnahbaren Feind an. Der Schatten jedoch ließ von Amariel ab und zog sich als bald in die Wälder zurück. Als auch die anderen erwachten, erzählte die Wachenden ihnen vom Schatten und Amariels Blässe verriet, dass sie die Wahrheit erzählt hatten. Schließlich wachte die Elfe in Torkins Armen auf und man spührte, dass ihr der Schatten zugesetzt hatte, doch die Reise musste weiter gehen denn Athovar hatte Orkspuren gefunden und man wollte nicht länger an einem Ort bleiben als nötig..

Ins Herz des Waldes

Die Helden zogen weiter und mussten sich in den folgenden Tagen, nicht nur mit den gefahrvollen Räubern des Waldes – zum Beispiel den furcheinflößenden Schädeleulen, sondern auch mit Orientierungslosigkeit und gleich zwei kaputten Kompassen (das ist bestimmt der richtige Plural) auseinander setzen. Am vierten Tag ihrer Reise hörten sie auf einmal Kampfeslärm. Andrasch, Hinnerk, Amariel und Vivi zogen ihre Waffen. Torkin grunzte und hielt Ausschau nach Spuren, die ihnen mehr über die Kampfbeteidigten verraten konnten. Sie bewegten sich rasch und lautlos Richtung Lärm.
Noch einen Schritt. Und dann noch einen. Vor Ihnen lag eine Lichtung, Pfeile surrten durch die Luft. Schreie und aufeinander treffende Schwerter. “Vivi bleib hinter mir.” Torkin und Hinnerk hatten die Lage bereits eingeschätzt. Orks kämpften hier. Gegen wen sie kämpften vermochten sie nicht zu sagen, aber wer auch immer es war, brauchte Hilfe.
Doch Vivi war verschwunden. “Sie ist da lang,” zischte Amariel, und zeigte direkt ins Gebüsch, dass um die Lichtung herumführte.

Der Kampf dauerte nicht lange an. Als Hinnerk und Torkin im Kampfgetümmel ankamen, hatten Amariels präziesen Pfeile bereits zwei der Gegner nieder gestreckt. Vivi hatte sich von hinten an die Bogenschützen herangeschlichen und ihrerseits einen ausgeschaltet. Irions Aufmerksamkeit derweil hatte sich auf etwas anderes gerichtet: Magie! Hier war Magie im Spiel! Irion hatte das kleine weiße Licht am Rande der Lichtung schon früher bemerkt, doch erst für eine Spiegelung gehalten. Jetzt jedoch war er sich sicher, dass es sich hin und her bewegte.
HINEEEERK!” Torkin drehte sich um und Amariel brachte den Schützen zu Fall der Hinnerk getroffen hatte. Aus seiner Schulter ragte ein schwarzbefiederter Pfeil hervor. Kurz darauf verlor er das Bewusstsein… Man schaute sich auf dem Schlachfeld um. Es gab viele Verletzte , die restlichen Orks waren geflohen, Athovar verfolgte sie noch ein Stück, kam dann aber bald zurück um nach Martelus zu sehen. Amariel und Irion eilten zu den Verletzten. Amariel wusste es bereits. Hier hatte Elfen gekämpft.

Ein junger und ein alter Elf lagen verletzt auf einem Stein, die meisten anderen waren tot. Das kleine Licht schwebte über Ihnen.

Irion und Amariell machten sich sogleich daran die verletzten zu heilen oder zumindest zu versorgen. Auch ihre Kräfte waren geschwächt. Plötzlich fing das kleine Licht an zu sprechen, und aus dem schimmernden Ball wurde ein kleines Wesen. Eine Fee! Mit Flügelchen wie ein Schmetterling, grade mal so groß wie Torkins Handfläche. “Bitte! helft meinem Freund! Alleine schafft er es nicht. Bitte, er darf noch nicht sterben!” piepste die Fee. Amariell hatte wie selbst verständlich gehandelt, und auch für Irion gab es keine Frage, dass die Verletzten zu behandeln waren, eigene Kraft hin oder her. Andrasch und Vivii standen stirnrunzelnd daneben, Torkin hockte besorgt über Hinnerk.

Irion wischte sich den Schweiß von der Stirn, der letzte von Ihnen war stabilisiert. “Ich bin Glimmer. Wie sind eure Namen Großlinge?” stellte sich die Fee nun vor. Reih um wurden Namen genannt – die meisten davon stimmten. “Folgt mir”, sprach Glimmer, “ich führe euch in unsere Heimat, dort können die Verletzten geheilt werden.” Andrasch guckte voller Abscheu: “Sind sie nicht grade geheilt worden? Das ist doch ein billiger Trick um uns in eure Baumstadt zu entführen!” Glimmer rümpfte die Nase: “Und du stinkst!”.
Irion erkläre Andrasch dann etwas sachlicher die Lage: “Die Orkpfeile. Sie waren vergiftet, wir haben Glück die Hilfe dieses zarten Wesens angeboten zu bekommen, wenn sie einen Weg kennt, das Gift zu heilen, dann sollten wir ihn nicht ungenutzt lassen!” Außerdem war Irion aufgeregt. Er wusste um die Verschwiegenheit der Elfen. Niemand durfte ihre Heimat betreten. Normalerweise…

Unter Elfen
Im Elfendorf Mirantha lernen die helden die alte Elfe Minathriell kennen, die sie aufnahm und ihnen später den Weg zum Schlangenberg und den Herzwaldgrotten wies. Minathriell zu treffen war für die Helden ein Glücksfall, konnte sie doch einiges über den Schlangenberg offenlegen, was nur die Elfen wussten. Sie wusste um das schlangenhafte Monster im Berg, und sie erzählte von Argelia, der letzten Person die den Berg jemals betreten haben sollte. Und von ihrem geliebten Thyrvar, der in den Herzwaldgrotten ums leben gekommen sein sollte.
Neben Minathriell lernten die Helden auch noch einige andere Elfen des Dorfes kennen. Baldorec Zauberschmied und Peleor Sternenschütze,, sowie die Feen Glimmer und Whisper.
Während die anderen darauf warteten, dass Hinnerk wieder zu sich käme, nachdem er von den Elfen versorgt wurde, lernte man das sonderbare Volk der Elfen, und deren Heimstadt ein wenig kennen. Vor allem der andauernde Krieg zwischen Elfen und Orks wurde offenbar.

Nach einiger Zeit des Lebens mit den Elfen, in denen unter anderem ein Orkschamane bestohlen werden sollte, ein Tantzelwurm starb und Andrasch badete(auch wenn er bis heute behauptet, dass sei dem Zauberfluch des Ortes geschuldet), war es Zeit für die Weiterreise.

Die Helden entschieden sich zunächst zu den Herzwaldgrotten zu reisen, um Spuren aus der Vergangenheit Argelias zu suchen…

Weiter mit Die Herzwaldgrotten

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Seemansgarn 1 - Die Wette

Es war ein guter Tag für einen Jahrmarkt. Praios Anlitz erhellte den angenehm warmen Sommertag, weswegen mehr Menschen als sonst gekommen waren um für einen Tag ihre Sorgen hinter sich zu lassen und sich an den Spektakeln zu ergötzen. In Thomas Geldbeutel klimperten fröhlich die Münzen als er seinen „Kunden“ verabschiedete und sich wieder der Menge zuwandte.
„Nochmal einen großen Applaus für Regert und seinen beeindruckenden Salto, keine Sorge der Junge hat sich nichts getan. Doch vielleicht sollte er lieber Schausteller werden als Bullenreiter, das waren ja keine fünf Sekunden! Welcher Mann will unserem lieben Regert zeigen wie man dieses wilde Tier richtig zähmt?“
Thomas ließ seinen Blick über die laut lachenden und rufenden Zuschauer schweifen. Viele versuchten ihre Freunde zu drängen die Wette einzugehen, doch niemand tat sich wirklich hervor. Mann um Mann mit dem Gesicht voran im Dreck landen zu sehen schien mittlerweile auch den Dümmsten eingebläut zu haben wie schwierig die Aufgabe in Wirklichkeit war. So schwierig, dass sie heute noch keiner bewältigt hatte, was nach Thomas Meinung genau richtig war. Gerade als er ein paar Burschen helfen wollte einen ihrer Kumpel zu ermutigen, zupfte ihn sein altes Muttchen am Ärmel.
„Siehst du den Kerl da drüben? Den mit den komischen Klamotten, der die Auslagen vom Gerber begutachtet? Der ist bestimmt nicht von hier.“
„Mutter was würden wir nur ohne deine Augen machen. Das wird leicht verdientes Geld!“

Schnurstracks drängte Thomas sich durch die Menge und blieb vor dem Hühnen, der ihn um eine Kopf überagte, stehen. Warum musste auch alle Welt nur so groß gewachsen sein?
„Heda, guter Herr, na ihr seid ja wirklich ein Prachtstück. Wie wärs, wollt ihr mir nicht helfen meinen Bullen zu zähmen?“
Die Gestalt drehte sich um. Unter der merkwürdig aussehenden und bereits recht abgewetzten Mütze kam ein wettergegerbtes Gesicht mit einem gut gestutzen Vollbart zum Vorschein. Erst jetzt bemerkte Thomas die Schwertscheide an seiner Hüfte, welche allerdings komisch gebogen war. Kein Schwert würde da hineinpassen.
„Was hab Ich mit eurem Bullen zu schaffen?“, antwortete er mit einem fremdklingenden Akzent. In Gedanken rieb Thomas sich voller Vorfreude die Finger.
„Ach nichts, nichts. Es geht nur um ein Spiel das wir hier gerne Spielen, eine kleine Wette sozusagen. Ich behaupte, dass sie guter Mann sich nicht für 30 Sekunden auf meinem Bullen halten können. Sollte ich Recht behalten schulden sie mir gerade einmal 5 Heller, doch wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen können winken ihnen ganze 5 Silbertaler! Also wenn das kein gutes Geschäft dann weiß ich auch nicht.“
Während Thomas seine Worte möglichst gestenreich untermalte schaute der Hühne zur Kuppel.
„Das soll der Trubel also. Ha, komische Spielchen habt ihr Landleute hier. Erinnert mich an ein Spiel was wir als Burschen früher gespielt haben… Ich sag euch was, die Silbertaler könnt ich gebrauchen. Ich bin dabei.“
„Ausgezeichnet, ausgezeichnet! Dann kommt doch bitte gleich mit, Herr…?“
„Der Name ist Hinnerk Sands..“
„Hinnerk, wunderbar. Ein starker Name, wahrlich. Kommt weiter, weiter. Dort, zu den Stallungen.“

Zurück auf dem Platz stellte sich Thomas auf sein Podest, eine umgekippte Kiste.
„Meine Damen und Herren, wir haben einen Herausforderer! Er ist ein weitgereister Abenteuer der schon so manche Schlachten geschlagen und die Herzen manch einer Frau gebrochen hat! Aus dem fernen Juroswalde präsentiere ich euch … Hinnerk!“
Mit diesen Worten öffnete sich unter dem Gejohle der Menge die abgrenzende Tür zum Stall und ein stattlicher Bulle kam herausgeschossen, fest entschlossen das Geschmeiß auf seinem Rücken loszuwerden. Thomas blieb der Mund offen stehen.
„Hey, der Kerl steht ja!“
„Veräppel mich net, auf einem Bullen kann man nicht stehen“
„Guck doch, er steht. Er steht!“
Tatsächlich, der Hühne aus Praios-weiß-woher stand auf dem Bullen, Hände in der Luft. Es war als wären seine Füße an den Rücken des Tieres festgeklebt. Bei jedem Aufbäumen bewegte sich sein gesamter Körper mit, ohne auch nur eine Spur von Unsicherheit zu zeigen. Die Menge erhohlte sich rasch von ihrer Überraschung und begann wie so oft einen Sprechchor.
„Hinnerk, Hinnerk, Hinnerk!“
Gerade als Thomas bemerkte, dass er mit dem Zählen noch garnicht angefangen hatte, sprang der Mann namens Hinnerk von einem äußerst verwirrten Bullen und landete direkt vor Thomas Nase.
„Spaßige Spiele habt ihr hier. Doch es hat schon seinen Grund warum ich noch nie über Bord gegangen bin. Nicht umsonst nannte man mich damals Havenas bester Treibholz-Wellenreiter. Nun, wie steht es mit unserer Wette?“

Der verdatterte Thomas konnte nur „Äääh ja, sicher“ stammeln und gerade so 5 Silbertaler abzählen, während die Zuschauer um ihn herum tosten und den Held des Tages feierten. Dieser bedankte sich und wandte sich gerade zum Gehen, als ihm etwas Einzufallen schien.
„Sagt mein Freund, ihr wisst nicht zufällig den Weg nach Westen?“
Statt Thomas antwortete sein wie aus dem nichts aufgetauchtes Muttchen.
„Westen sagt ihr? Na dann müsst ihr nur in Richtung des Deruk-Waldes gehen, das hat schon meine Großmutter immer gesagt. Folgt einfach diesem Pfad aus dem Dorf heraus und ihr könnt nicht fehlgehen.“
Der Mann zog zum Dank seinen Hut, doch als er sah in welche Richtung das Muttchen zeigte sackten seine Schultern sichtlich herab. Thomas meinte ein „Da komm ick doch grad her“ zu hören, doch schon stand der Mann wieder gerade, verabschiedete sich und zog davon. Thomas sah im hinterher, wie er verfolgt von ein paar übermütigen Kindern verschwand. Dann wandte er sich an sein Muttchen.
„Mutter, seit wann weißt du eigentlich wo Westen lieg…“
Die Worte blieben ihm im Halse stecken als er ihr Gesicht sah.
„Das weiß ich genauso wenig wie du Holzkopf! Und nun mach dich ran und hohl das Geld wieder rein, sonst kannst du dir dein Abendessen abschminken!“

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