Die Rudelchroniken

Die Schenke zum singenden Schwert, Kapitel 6

Gebrochenes Licht, Teil 3

Der Ort bereitete mir noch immer Unbehagen. Selbst jetzt, nachdem der Knochenschänder zerstört war, (Und war er das wirklich?) hatte die Dunkelheit ihre widernatürliche Schwere nicht verloren.
Alles in uns sehnte sich dannach, endlich raus aus der Unterhöhle zurück in die Taverna zu gehen.
Der neue Raum den wir betraten, schien die Anderen in Aufregung zu versetzen. Alle begannen mit dem Magier zu diskutieren, zu schnell und zu unverständlich als dass ich folgen konnte. Stattdessen suchte ich den Rest der Gruppe. Wirt und Tochter wollten zurück, die Bardin lag noch immer am Boden. Sie nach oben zu tragen schien eine gute Ausrede, diesen Ort zu verlassen. Die Lichtbringerin wollte mitkommen, falls weitere Knochenwandler umherstreiften.

Obwohl wir der Oberwelt wieder näherkahmen, schien sich die Stimmung nicht zu bessern. Wirt und Tochter schwiegen, die Lichtbringerin murmelte noch unverständlicheres als üblich, bis auch sie in angespanntes Schweigen fiel. Der Weg war ereignislos, aber das Gefühl war noch immer bedrückend, hier und da schienen Schemen aus Rauch um uns zu streifen, die sich formten und sofort wieder zerfielen. Instinktiv drängte ich mich nach vorne, und wärend die Sonnenbrênchi unseren Rücken deckte. Dichter und dichter schienen die Schemen an uns zu dringen, doch ausser fast unhörbaren Gemurmel geschah nichts. Als wir an der Schwelle zum Lagerraum des Wirtes kamen, hasteten er mit seiner Tochter aus der unnatürlichen Dunkelheit in die natürlichere, kurz gefolgt von mir mit der Bardin auf den Arm.
Die Lichtbringerin war fort.
Ich drückte dem Wirt schnell die Bardin in die Arme, “Gehen hoch. Priesterin fort, muss suchen.” und verschwandt wieder in der Dunkelheit.

Ich rannte durch die Dunkelheit. Die vereinzelten Schemen waren zu einem dichten Nebel geworden, der wie eine Strom an einen Ort floss. Ich ahnte, was ich an seinem Ende finden würde, und folgte ich so schnell ich konnte.

Der Raum, in dem der Stom mündete, war voll mit ihnen. Eben kaum noch zu erkennen, wirkten sie nun fast echt. Hohle Gesichter, spindeldürr, über und über mit Brandmalen übersäht. Sie alle sammelten sich um die Lichtbringerin, und griffen nach ihr. Die verkrüppelten Hände gingen widerstandslos durch sie durch, doch zuckte sie bei jeder Berühung, wurde immer fahler. Das Gemurmel wurde lauter und lauter, so laut, das es in meinen Innersten vibrierte. Und es klang wütend, voll mit Hass und Rachsucht, so deutlich, das ich sie erkannte, obwohl ich kein Wort verstand. Die Lichtbringerin wich weiter in den Raum zurück, getrieben von den ruhelosen Ahnen. Ich folgte so gut ich konnte, vorsichtig die Schemen nicht zu berühren. Doch als sie mit ihren Fuss an ein altes, rostiges Messer stieß, hob das Gemurmel zu einem klaren Schrei an. „*Espiare!*“ Die Dienerin der Sonne, so fern ihres Odûns, griff nach dem Messer, und führte es mit zittteriger Hand zur Kehle.
Ich sprang, warf sie zu Boden und versuchte ihr das Messer aus der Hand zu reißen. Sie wehrte sich kaum, all ihre Kraft darauf gerichtet das Messer in der Hand zu behalten. Jedoch, ich war stärker, erfahrener im verzweifelten Ringen um Leben und Tod, auch wenn ich zum erstenmal seit langen um das leben eines anderen rang. Kaum hatte ich das Messer, murmlte sie nur noch leise „ Quid dereliquisti me.„ und brach vollends in sich zusammen.
Ich blickte auf. Die Schemen waren verschwunden, der Geruch von Asche und verbrannten Fleisch alles was blieb. Ich warf mir die Lichtbringerin auf die Schulter, und verlaß diesen nebelverfluchten Ort so schnell ich konnte.

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Torkin_bren_Madadh

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