Die Rudelchroniken

Zweifel eines Magiers

Wo bin ich? Ein kurzer Blick reicht, um zu wissen, dass ich bei Matelus bin. Aber warum waren wir noch gleich hier? Ich schaue aufs Bett neben mir und erinnere mich wieder. Andrasch’s Zustand war schlechter geworden, sein Puls extrem niedrig und er hatte Atemaussetzer. Seine Adern standen hervor und schimmerten grünlich und er redete weitaus seltsamere Dinge als sonst schon. Die anderen waren auch alle da und standen um Andrasch und mich herum, mit Blicken, die ich nur als erwartungsvoll deuten konnte.
„Irion?“ sagt eine Stimme von der Seite und reißt mich aus meinen Gedanken. Vivi sieht mich leicht verwirrt an. „Was ist mit ihm?“. „Vermutlich eine Art Gift, zumindest wäre das meine erste Vermutung.“, sage ich. Falls es wirklich ein Gift ist, dann ist es mir unbekannt, was es mir schwer macht, zu entscheiden, was ich jetzt am besten machen sollte. Nach kurzem Überlegen beschließe ich, es mit einem Klarum Purum zu versuchen. Ich bitte die anderen um Ruhe und versuche mich zu konzentrieren. Doch für einige kurze Momente schleicht sich immer wieder die Angst ein, dass ich es nicht schaffe oder falsch liege. Und als dann der Klarum Purum zu wirken beginnt, spüre ich Panik in mir aufsteigen. Nichts! Es ist nichts passiert. Aber wie konnte das sein? War es etwa doch kein Gift gewesen? Aber was sollte es denn sonst sein? Endlose Gedanken schießen durch meinen Kopf, einzig und allein damit beschäftigt herauszufinden, was schief gelaufen ist. Doch so sehr ich auch nachdenke, es fällt mir nichts ein.
Mein Blick scheint Ausdruck genug zu sein, denn die anderen müssen nicht fragen, um zu wissen, dass der Zauber nicht funktioniert hat. „Kannst du es nicht einfach nochmal versuchen?“, fragt eine Stimme, die ich nicht direkt zuordnen kann. Schon beim ersten Mal war meine Konzentration schlechter als üblich und das nun auch mein Hände sichtbar zitterten, war in keiner Weise hilfreich. „Es hat schon beim ersten Mal nicht funktioniert, warum sollte es das also beim zweiten Mal tun?“, denke ich, aber beschließe, es lieber nicht zu sagen und schüttle stattdessen nur leicht den Kopf.
„Ist schon wer losgegegangen, um die Heilerin zu holen?“ frage ich in die Runde, aber die Erkenntnis, dass alle hier sind, hätte mir die Frage ersparen können. „Die ist immer noch nicht wieder da, hast du das vergessen?“,sagt Vivi. Vergessen nicht, aber die Hoffnung, dass es vielleicht anders wäre, hatte mich dann doch dazu gebracht zu fragen.
„Jetzt tut doch irgendwas verdammt.“, bricht es aus Thora raus, ihre Stimme klingt verzweifelt. Gibt es noch etwas, das ich nicht bereits versucht habe? „Haben wir noch die Phiole mit dem Antidot da, die die Heilerin uns gegeben hat?“. Ich sehe nur Verwirrung in den Gesichtern. „Was für eine Phiole?“.
Hatte ich mir das nur eingebildet? Nein, das konnte nicht sein. Ich war mir sicher, dass wir für den Notfall eine solche Phiole bekommen hatten. Ich schaue mich um, aber nirgends im Zimmer kann ich eine Phiole finden. Die Panik wird stärker, denn die Tatsache, dass Andrasch nun sterben wird, wird mir mit jeder Sekunde bewusster. Um mich herum wird es dunkel und alles verschwimmt. Meine Freunde schauen mich mit entsetzten, aber auch enttäuschten Gesichtern an. Ich habe versagt und meinetwegen stirbt Andrasch jetzt. Es dauert nicht lange bis dieser Gedanke der einzige ist, der übrig bleibt.

Auf einmal sitze ich aufrecht und leicht verschwitzt in einem Bett. Die Gedanken lassen mich noch immer nicht los und es dauert einige Minuten bis die Panik sich legt, mein Verstand wieder etwas klarer wird. Erst jetzt bemerke ich, dass ich in meinem Zimmer in der Taverne bin. Erleichtert stelle ich fest, dass es nur ein Alptraum war, Andrasch lebt also noch. Die Gefühle sind aber dennoch sehr präsent und so steigen Selbstzweifel in mir auf. Was wenn es Andrasch wieder schlechter geht? Könnte ich ihm dann helfen? Das letzte Mal habe ich versagt und nur weil die Heilerin geholfen hat, ist nichts schlimmeres passiert. Es ist noch mitten in der Nacht und so versuche ich, all das zu verdrängen, um noch ein wenig zu schlafen. Als ich am Morgen aufwache, bleiben für wenige Momente noch Fetzten des Traums, letztendliches aber nur noch ein ungutes Gefühl zurück. Im Verlauf der nächsten Tage vergesse ich den Traum wieder.

Seitdem sind 4 Tage vergangen und es sieht so aus, als könnten wir bald mit dem Kutscher und Andrasch zum Logar-Kloster fahren, in der Hoffnung, dort könne uns jemand helfen. Deshalb beschließe ich, mir Andrasch noch einmal anzusehen und wenn möglich, das Gift zu entfernen, damit wir für die Reise vorbereitet sind. Immer noch unsicher, ob ich alleine in der Lage dazu bin, gehen Amariel und ich los, um die Heilerin zu holen. Es hat stark geschneit und so dauert es einige Zeit, bis wir am Laden ankommen, nur um festzustellen, dass sie nicht da ist. Wir gehen zurück zum Tempel und ich versuche mich innerlich vorzubereiten. „Nach dem Essen werde ich mir Andrasch ansehen und alles wird gutgehen“, sage ich mir in Gedanken einige Male. Auch wenn ich alleine bin.
Wir stehen nun im Zimmer um Andrasch versammelt. Zwar lassen sich bei genauem Betrachten die selben Symptome wie beim letzten Mal erkennen, sind sie momentan aber noch deutlich schwächer ausgeprägt. Zumindest etwas, das mir Hoffnung gibt. Ich hole ein letztes Mal tief Luft und sehe mich noch einmal um. Ich stehe vor Andrasch, um mich herum meine Freunde, die mich erwartungsvoll ansehen, als mich plötzlich eine Flut aus Gedanken mit reißt. So klar, wie selbst nach dem Aufwachen nicht, spielt sich der Albtraum ein weiteres Mal vor mir ab. Jedes Bild und jede Emotion. Der Versuch, mich zusammen zu reißen, scheitert und so durchlebe ich den Traum ein weiteres Mal.
„Irion?“. Zwar konnte ich in Gedanken vertieft die Stimme nicht zuordnen, muss aber trotzdem nicht nachdenken, um zu wissen wer es war. Ich drehe mich um und meine ungute Vermutung bestätigt sich. Vivi! Wieder versinke ich in Gedanken und die Angst, der Traum könnte sich bewahrheiten, wird stärker. Bilder aus der Realität und dem Traum verschmelzen und für kurze Zeit kann ich in den Gesichtern meiner Freunde nur Abscheu und Enttäuschung erkennen. Ich schäme mich für meine Unfähigkeit und gerade, als das Gefühl droht, die Oberhand zu übernehmen, spüre ich plötzlich eine große Hand auf meinen Schultern. Torkin hat wohl das leichte Zittern bemerkt, und sieht mich nun mit einem Blick an, für den ich einige Momente brauche, um ihn zu deuten. Zu Anfang sehe ich noch immer Enttäuschung, doch als ich genauer hinsehe, stellte ich fest, dass es etwas anderes ist. Klarheit kehrt in meinen Gedanken ein und ich weiß, was er mir mit seinem Blick sagen will. Glaub an dich, denn wir tun es auch.
Ich drehe mich zu Andrasch um, hole ein letztes Mal tief Luft und beginne, den Klarum Purum zu wirken. Es dauert ein paar Minuten, doch schließlich entziehe ich ihm eine klare Flüssigkeit mit wenigen grünen Partikeln und nur wenig später sieht er schon wieder etwas besser aus.
Als ich mich danach umdrehe, sehe ich meine Freunde und flüstere leise „Danke!“. Denn ich bin nicht allein.

Comments

applaus, applaus
Waah, was ein happy end! Die Wendung gefällt mir :3
Den magic moment zwischen Irion und Thorkin habe ich wörtlich aufgeschrieben, ist allerdings in meinem Buch bei euch festgehalten. Muss ich bei Gelegenheit mal ergänzend erwähnen hier. Bildchen gibts auch dazu xD

Moar pls!

Zweifel eines Magiers
 

cooli :) i like!

Zweifel eines Magiers
Irion_Damotil

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.