Die Rudelchroniken

Knochengeschichten 2 - Erstes Blut

„Amariel, komm!“ Eine junge Elfe sprang aus dem Geäst und federte sich geschickt ab. „Was ist denn liamia?“
„Wir gehen auf die Jagdt, jedoch leitest du dieses Mal mich.“
„Glaubst du ich bin bereit dafür?“
„Der Älteste hat mich darum gebeten.“ Sanyarian lächelte Amariel verschmitz an. „Außerdem werde ich nicht von deiner Seite weichen.“

Meine erste Jagd, bei der ich selbst das Wild wähle und dieses mich hoffentlich als seinen Jäger. Wir begeben uns in tiefere Gebiete des Waldes, wo nur die Natur herrscht. Es ist schön den Wald in seinem erwachten Frühlingskleid zu sehen. Überall kommt neues Leben zum Vorschein. Neue Baumsprösslinge wagen sich an das Licht, um einmal Urtume des Waldes zu werden. Und auch die Tiere erwachen. Das erste Tier was ich bemerke ist ein Kaninchen. Ich spanne meinen Bogen und ziele als ich ein Rascheln in der Nähe des Kaninchens bemerke. Eine kleine Nase kommt aus dem Gras rausgekrabbelt: ein Jungtier. Die, wie ich jetzt erkenne, Mutter des Tieres geht wieder zu ihrem Bau, schubbst das Junge hinein und folgt ihm. „Dieses Tier ist nicht das Richtige, es hat noch eine wichtigere Aufgabe.“,sagte Amariel zu Sanyarian, der daraufhin nickte.
Wir streifen weiter durch den Wald. Bald finde ich viele Spuren von Rehen. Es muss eine größere Gruppe sein, die nicht allzu weit weg ist. Das erste Tier das in Sicht kommt ist noch recht jung und man sieht eine leichte Wölbung des Bauches. „Dieses Tier kommt nicht in Frage. Wenn wir sie nehmen würden, nehmen wir dem Wald zwei Leben und haben nur Nahrung von einem. Das wäre ungerecht.“ Wieder nickt Sanyarian.
Wir warten bis die Herde an uns vorbei ist. In einigem Abstand zu den restlichen Tieren, sehe ich noch ein letztes Reh. Es scheint eine Verletzung am Bein zu haben und kommt deswegen den Anderen nicht schnell genug hinterher. Ich habe mich für dieses Tier entschieden: Ich spanne, ziele und schieße. Als der Pfeil trifft, hüpft das Reh instinktiv weg, bricht aber schnell zusammen. Ich gehe zu dem verletzen Tier und seine Augen schauen direkt in meine. Mir scheint als würde es verstehen, dass dies sein Schicksal ist und seine letzte Aufgabe. Ich erlöse es von seinen Qualen und knie mich zu ihm hinunter, um ihn ins Ohr zu flüstern: „nurd’dhao, ti maht’e nurdra sala“. Sanyarian steht hinter mir und legt anerkennend eine Hand auf meine Schulter. „Jetzt hast du dein erstes Blut vergossen, um unserer Sippe das Überleben zu garantieren.“

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Knochengeschichten 1 - Der erste Mensch

„Ich erinnere mich noch genau an ihn: Er war ein großer Mann mit ungepflegtem Gesicht. Aber fangen wir doch am Anfang an:
Der Tag fing an wie andere Tage auch. Man hatte mich aus geschickt um den Wald um unserer salasandra zu beobachten. Es war ein schöner Frühlingstag. Die wärmende Sonne auf dem Gesicht zu spüren war wunderbar. Man merkte wie der ganze Wald diesen Tag genoss. Die Hasen kamen aus ihren Bauten, Rehe aßen das erste Grün auf einer Lichtung und alle Vögel erfüllten den Wald mit ihren Lockrufen für die Weibchen.
Ja, der Wald hätte nicht lebendiger und friedvoller sein können.
Und so streifte ich eine Weile durch den Wald und genoss sein Erwachen aus dem Winter, las ein paar Beeren auf und lauschte den Vögeln. Plötzlich veränderte sich etwas. Ich verharrte als ich ein Rascheln im Busch links von mir vernahm. Nach kurzem Schreck erkannte ich, dass es nur ein Kaninchen war. Voller Panik lief es zur mir. Es schien sich bei mir in Sicherheit zu fühlen. Vorsichtig ging ich in die Knie und berührte es mit meiner Hand um es zu beruhigen. Sein Herzschlag ging immer noch sehr schnell. Es schien lange vor etwas geflohen zu sein.
„Was hat dich so erschreckt, mein Kleiner?“
Ich schloss meine Augen um mich auf das Kaninchen einzustimmen. Was hatte es verängstigt? Vielleicht nur ein Fuchs der selbst um sein Überleben kämpfte?
Vor meinem geistigen Auge erschienen erst Bilder von saftigem Grün, dann raschelnde Blätter eines nahen Busches. Plötzlich sprang ein kleiner Wolf mit blitzenden Zähnen auf mich zu. Erschrocken zog ich meine Hand von dem Kaninchen zurück. Auch mein Herzschlag ging jetzt ein bisschen schneller.
„Und seit dem läufst du weg?“
Ich wusste, dass das kein Wolf gewesen war. Es muss einer dieser Hunde gewesen sein, die die menschlichen Jäger zur Jagd mitnehmen. Doch was machte ein Mensch hier?
In letzter Zeit hatten wir immer mehr Probleme mit ihnen gehabt. Sie überschritten die Grenzen und zerstörten die Natur. Sie nehmen zu viel und geben nichts. Ein einzelner macht meist wenig Ärger, doch bleibt es selten bei einem.
Ich beschloss mir diesen Jäger einmal genauer anzuschauen. Ich gab dem Kaninchen eine Beere und streichelte es zum Abschied. Ich schulterte meinen Bogen, kontrollierte die Pfeile in meinem Köcher und machte mich auf zu dem Platz an dem das Kaninchen angegriffen worden war.
Das Unterholz war aufgewühlt und an einer matschigen Stelle war ein Fußabdruck.
„Zu breit für einen Elfen.“, stelle ich fest.
Um herauszufinden warum dieser Jäger hier war musste ich ihn finden. Er war geübt darin seine Fährte zu verbergen, doch er war nicht eins mit dem Wald und so hinterließ er doch einen kleinen Pfad im Gefüge des Waldes.
Es dämmerte schon als ich ihn eingeholt habe. Sein Weg führte in die Richtung meines salasandra. Er hatte ein Feuer angezündet und briet sich gerade ein Kaninchen über den Flammen. Seinen Hund hatte er angebunden. Um ihn besser beobachten zu können kletterte ich auf einen Baum. Oben angekommen, sah ich ihn das erste Mal richtig: Ein Mann, der nicht schmutziger hätte sein können, mit Haaren im Gesicht, welche nur Menschen wachsen. Sie sehen immer so ungepflegt aus. Er hatte Felle eines Rotfuches an. Ich spannte meinen Bogen und zielte auf ihn, es wäre ein Leichtes gewesen ihn in diesem Moment zu töten. Doch hatte er das verdient? Vielleicht hatte er sich nur verlaufen?
Ich ließ meinen Bogen wieder sinken. In dieser Nacht passierte nichts Ungewöhnliches mehr.
Ich beobachtete ihn auch den nächsten Tag. Er schnitzte in regelmäßigen Abständen Markierungen in die Bäume, wahrscheinlich um den Weg zurück zu finden oder auch um den Weg hierher wieder zu finden.
Doch was suchte er überhaupt hier? Wollte er nur Nahrung jagen? Oder hatte er ein anderes Ziel?
Ich bekam meine Antwort. Gegen Mittag erlegte er einen Rotfuchs. Dies war das zweite Mal dass ich mit dem Bogen auf ihn gezielt hatte. Doch wieder wollte ich ihm noch eine Chance geben. Vielleicht brauchte er sein Fleisch ja?
An einem improvisierten Lager zog er dem Fuchs sein Fell ab und behandelte es. Das Fleisch blieb einfach liegen. Er steckte das Fell in seinen Rucksack, der schon voll mit anderen kostbaren Fellen war. Er jagt also nur für das Fell?
Ich legte ein drittes Mal mein Pfeil auf. Doch es gibt auch immer einen friedlicheren Weg. Er wird sich mir noch erschließen.
Der Mann machte sich wieder auf den Rückweg. Gegen Abend schlug er sein Lager auf einer Lichtung auf. Ich entschied mich dafür mit ihm zu reden. Ich trat aus den Schatten in den Schein des Feuers.
„Seid gegrüßt Fremder, erschreckt euch nicht. Ich möchte nur, dass ihr nicht mehr in diesen Wald geht. Ihr behandelt ihn nicht gut“ In meiner Naivität dachte ich, dass bitten reicht.
Der Mann dreht sich zu mir um, zog sein Messer und ging auf mich zu. „Und ich dachte schon ich würde nie die Aufmerksamkeit einer Elfe auf mich ziehen. Gut, dass ihr mich doch noch gefunden habt. Und jetzt wehrt euch nicht, dann könnt ihr ohne eure Ohren noch weiterleben.“
Ich wusste nicht wie mir geschah und doch zog auch ich mein Jagdmesser aus meinem Stiefel. „Was ist nur mit euch geschehen, dass ihr so geworden seid?“
„Die Welt ist mit mir geschehen“, lachte er laut und griff mich mit dem Messer an.

Ich erinnere mich an den Kampf nicht. Ich erwachte mit Schmerzen und mit einem toten Mann neben mir, dem mein Messer in seinem Herzen steckte.

Ich frage mich seitdem was die Welt solchen Menschen angetan hat, dass sie so hasserfüllt werden."

„Und so kam ich an diesen Knochen hier“ Die zierliche Elfe deutete in ihr Haar.

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Virieas betrunkene Monologe - Teil 2
- bitte mit ordentlichem Lallen lesen -

Viriea mit einem im Saufkoma – noch sitzenden – Tischgenossen

„Wisst Ihr, was das Tolle daran ist, mit einer Gruppe zusammen zu reisen? Na raus damit, ihr grinst so wissend! Oh wartet, euch läuft da etwas aus dem Mundwinkel…- Wie auch immer! Also, wisst ihr, was das Tolle daran ist mit einem ganzen Haufen Leute unterwegs zu sein? Verdammt richtig – Nichts!“, die Thorwalerin lässt ihren Bierkrug geräuschvoll auf die schwere und schmierige Tischplatte nieder. Ihr Gegenüber zuckt zusammen, grunzt und schmatzt, bevor er sich allmählich nach vorne lehnt – um letztendlich ebenso geräuschvoll seinen Kopf auf dem Tisch abzulegen. Kurz verstummt das Gemurmel in der Schenke und Blicke wenden sich ihr zu. Nur kurz, dann ist jeder wieder in seine eigenen Gespräche vertieft.
„Erst dachte ich nur, oh, sieh an, ich soll euch begleiten? Entlohnung für Geleitschutz? Sicher, sicher! Leicht verdientes Geld aus den Taschen des Barons, hehe.. Forscher auf der Suche nach Kämpfern, die sie auf eine Expedition begleiten. Klingt gut, solange der Preis stimmt. Und das tat er, hört mich wohl an, das tat er! Aber wenn es nur beim Geld geblieben wäre… Verfluchte Wälder, unheilige Wölfe, Orks, Goblins… Dem Kraken selbst fiel man um ein Haar zum Opfer. Und dann dieser Berg. Ein Dämon am Werk…“, nur noch flüsternd starrt sie in die Leere. „Dieser sture Narr. Du wanderst noch immer irgendwo dort draußen Atovar, darauf verwette ich meinen Dolch. Und sei es auf dem Weg zur letzten Schlacht. Du wärest dem Gottwal ein willkommener Kämpfer.“ Sie hebt das schale Bier zum Prosit, den niemand erwidert und nimmt einen kräftigen Schluck – soll heißen, Viriea leerte den Krug zur Hälfte.
„Deine Geschichte wurde sicher aufgeschrieben von Martellus. Sie wird weitergetragen. Aber was ist mit-“, sie sieht sich kurz erwartungsvoll um und wedelt mit der rechten Handfläche in ihre Richtung. Wütend um ein Flüstern bemüht fährt sie fort:„Diese Stadt ist so Rattenverseucht, noch schlimmer als die Kanalisation! Wobei, die Kanalisation gehört dazu! Und mit Ratten meine ich nicht Ratten!“, in einer drohenden Geste verweilt ihr Zeigefinger über dem unregelmäßig schnarchenden Antlitz des Mannes. Schon hat sie vergessen, dass sie vorgehabt hatte zu flüstern. „Und kaum findet man unterwegs einen fähigen Mitreisenden, der dem Bier nicht abgeneigt und ein Kenner an der Axt ist, da darf man auch schon zusehen, dass dieser fluchende Trunkenbold nicht verschleppt wird. Vergiftet wurde er dabei. Oder schlimmer noch! Und was ist jetzt von ihm übrig? Nun sieht er nicht furchterregender aus als-“, sie sieht sich erneut um, den linken arm ziellos durch den Raum schwenkend, ehe er in die Richtung ihres Gegenübers zeigt. „- als Ihr!“, endet sie und liässt ihre Hand in einem abfälligen Wink in seine Richtung wieder sinken. „Dann verstrickt man sich noch in irgendwelche Adels-… Familien-.. Fehden. Probleme mit denen ich nie zu tun haben wollte reihen sich plötzlich aneinander!“ Viriea beginnt so schnell zu sprechen, dass ihr Umfeld nicht einmal ein Wort verstanden hätte, wenn es zugehört hätte. Einzig ihre ausschweifenden Gestik ist nur schwer zu ignorieren, vor allem für diejenigen, die so nah an ihrem Tisch sitzen, dass sie hin und wieder etwas von dem Bier abbekommen, das sie dabei achtlos verschüttet. Mit der Zeit rücken die anderen Schenkenbesucher weiter von ihr ab.
„Da denkt man, in diesem Kloster voll heiliger Logars ist sicher einer von ach so vielen weisen Menschen, der sich damit auskennt und helfen kann! Nicht wahr? Ja, ja, sicher! Ganz sicher, lasst uns alle Widrigkeiten auf uns nehmen und schnell dort hin! Aber nicht bevor NOCH mehr Probleme auftauchen! Die Heilerin wird entführt? Na da kümmern wir uns doch drum! Na los, lasst uns die ganze verfluchte Schurkenbande die mit – Sklaven und – Menschenhandel und – weiß die Raubmöwe was nicht alles zu tun hat auf uns hetzen!“, verärgert setzt die Thorwalerin den Krug an die Lippen und neigt ruckartig den Kopf in den Nacken. Sie zieht abrupt die Brauen zusammen. Er war schon leer. Merkwürdig. Sie ruft nach Nachschub. Die heraneilende Kellnerin macht einen großen Schritt über die Lache, die sich um ihren Stuhl herum gebildet hatte, ehe sie ein frisch gezapftes Bier auf den Tisch abstellen konnte. Gerade will Viriea erneut einen Schluck nehmen, da kommt ihr offenbar plötzlich ein Gedanke, sodass sie sich nicht minder lautstark und unverständlich beschwert. „Fegen und putzen sollte ich! Und Schreibarbeit erledigen!“, sie unterbricht ihre Flut aus Entrüstung für ein etwas selbstgefälliges schiefes Grinsen. Richtig gehört, schreiben! Dann schüttelt sie kurz den Kopf, um sich wieder auf ihre Rage zu besinnen. „Oh, aber wäre es nur dabei geblieben und die ganzen Kuttenträger hätten uns mit einem einfachen Rat oder am besten gleich einem Heilmittel wieder fortgeschickt … So war es nicht. Mitnichten, mein schweigsamer Geselle, mitnichten… Da war nicht nur diese Geschichte von der Hexe, die dann plötzlich verschwand, nein! Innerhalb von Tagen war ein Krieg herangenaht…“
Es waren… so viele.
Der ganze Wald schien zum Leben zu erwachen. Überall war Bewegung zu erahnen. Es dämmerte. Auf der Mauer zwischen den nördlichsten Türmen des Klosters zu Logar schlug der Sturm, der sie seit Tagen umgab ungehindert in Virieas Gesicht und fegte ihr die Kapuze ihres Umhangs vom Kopf, egal wie tief sie sie in ihr Gesicht zog. Niemals hätte sie es für möglich gehalten, dass gerade ein Kloster wie dieses, welches dem obersten der Zwölf, Praios, dem Licht selbst, so hieß es, gewidmet war, zu einem der unheiligsten Orte wurde, die sie jemals erblickt hatte. Zitternd verschüttete sie ein ums andere Mal das Pech, welches sie in die Glasamphoren füllen wollte. Die Kälte des andauernden Regens konnte dafür allein nicht verantwortlich sein. Hastig verkorkte sie die Fläschchen und legte sie auf das abgedeckte Pechfass im Nordturm. Hier würden sie bereitliegen, bis sie oder einer der anderen sich entschloss, sie anzuzünden und dem Ansturm, der sie erwartete, entgegenzusetzen. Der Seefahrer Hinnerk, hatte hier wieder zu ihnen gefunden. Der Gefangenschaft der Orks entkommen, hatte er sie vor dem anrückenden Unheil gewarnt. Thorkin hätten sie beinahe getötet. Und auf den Klostermauern wachten bis auf ein paar Ausnahmen nur Mönche und kampfunerfahrene Dörfler. Das letzte Fläschchen fand seinen Platz. Viriea schluckte und zog ihren Umhang fester um sich. Ein lächerlicher Anblick, diese paar Fläschchen, angesichts einer ganzen Heerschar von Orks, die sich aus unerfindlichen Gründen zum Ziel gesetzt hatten, jenes Kloster, in dem sie und viele weitere unglückliche Seelen Zuflucht und Unterstützung gesucht hatten, niederzureißen. Sie alle zu töten.

Ein grobes Grunzen, gefolgt kurzem, gurgelnden Husten, lässt Viriea zusammenfahren, was ihr noch im selben Moment einen Fluch entlockt. Ihr Tischgeselle dreht den ungepflegten Kopf auf der Tischplatte, so langsam und unbeholfen, dass sein Gesicht sich mehrfach grotesk verformt. Auf der anderen Wange angekommen, hört er wieder auf, sich zu regen. Plötzlich scheint sie sich ihrer Situation bewusster zu sein, als noch zuvor. Sie mustert den Mann abfällig und nimmt eine Schluck ihres Bieres. Die Schenke beginnt sich allmählich zu leeren.
Stille.
Gerade noch hatte ihr eine Windböe gleich eines Faustschlages die Kapuze vom Kopf und sie selbst beinahe von den Füßen gerissen. An einer Mauerzinne klammernd sah sie, wie die Leiter, die sie soeben von der Mauer weggestoßen hatte, sich wieder auf sie zubewegte. Rasend schnell. Samt der Orks, die sich an ihr festhielten, zersplitterte sie an den dunklen Steinen des Klosters.
Unfähig, etwas anderes zu tun, musste die Thorwalerin ihren Blick gen Westen richten, zum Ursprung des Sturms, der entfesselt wurde. Eine schlangenähnliche Gestalt, möglicherweise Hranngar selbst, wandte sich über dem Berg, flog über ihm, der schon seit Tagen von einem Mahlstrohm im Himmel überschattet worden war. Doch der Körper des Wesens war gesäumt von unzähligen Beinen und sein grässlicher Leib endete in einem mehrfach gehörnten Kopf, wie der eines missgebildeten Widders.
Der peitschende Wind trieb ihr Tränen in die Augen, sodass sie sich abwenden musste. Die Orks und Menschen vor ihr auf der Mauer schienen ebenso in ihrer Bewegung erstarrt, angesichts dessen, was sich in den Himmel emporhob.
Jede Form von Rondras Zorn verblasste im Vergleich zu dem, was sie nun umgab.
Der Windschänder war gekommen.
Ein tiefer, ächzender Laut drang durch das Tosen zu ihr herauf. Holz und Stahl splitterten. Das Nordtor war durchbrochen.

Angestrengt und bereits mit einem neu gefüllten Krug in der Hand versucht die Thorwalerin die Bilder und Laute aus ihrem Kopf zu vertreiben. Sie hat ihre Stirn auf ihre Hand gestützt und murmelt vor sich hin, die Brauen wie im Schmerz zusammengezogen.
„Allein wäre all das nie passiert… nie passiert…
Andere Leute, anderer Leute Probleme. Mehr Leute, mehr Probleme…’s war immer so…“
Sie reibt sich beinahe verzweifelt Stirn und Schläfen und fährt dann mit der Handfläche über ihr Gesicht. Ihr Bierkrug knallt erneut auf die Tischplatte, wobei er den Kopf des Besinnungslosen vor ihr nur knapp verfehlt. Kurz verstummt das Gemurmel in der Schenke und Blicke wenden sich ihr zu. Nur flüchtig, einige wenige sogar besorgt, dann ist jeder wieder in seine eigenen Gespräche vertieft.

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Von Wolken und Wölfen

Die Wolken sammeln sich.
Sie sammeln sich seit Tagen, drücken auf uns ein, ihre Schatten über uns, ihre Präsenz überall. Selbst der Wald verschafft uns keine Ruhe mehr, Bren und ich streifen eilig umher, suchen Spuren die uns nichts neues verraten.
Unser Blick hängt an den Wolken, und an dem Berg um den sie sich sammeln. Halla-dûn, Mochûla-Palla-dûn, Geister und Dämonen. Wie mächtig ist der Brenchi, der sie beschwört? Wir wissen es nicht, doch die reine Masse des Gewitters gibt uns eine dunkle Ahnung. Selbst hier, fern des Berges, spürt und hört man den rauen Wind. Wind und…
Wir spitzen die Ohren. Kaum hörbar dringen Gesänge und Stimmen zu uns, unverständlich, doch klar in ihrem Übel. Orkisch, vermutlich Geisterrufe.
Lohnt es sich, nach ihrem Ursprung zu suchen? Bren wird unruhig.
Warten hilft nicht. Die Anderen kämpfen um den Lauten. Wir sorgen dafür, das sie es weiter können. Und wir wissen zu wenig. Keine Idee wann und warum die Orks angreifen. Wir ziehen los, der Berg ruft.

(Den Fehler, zu lange zu warten, können wir uns nicht nocheinmal leisten. Denn die Wolken sammeln sich schon seit wir in der Stadt waren, seit ich zusehe wie Andrasch kränker wird, und nur nähe. Warten hat die Heilerin nicht gerettert, warten hat die Paktierer nicht getötet.)

Am Fuß des Berges finden wir frische Spuren. Weiter? Oder warten? Bren schnaubt. Weiter.
Wir schleichen uns auf den Berg, auf leisen Pfoten. Kaum noch Licht dringt durch die dunklen Wolken, die über uns hängen. Die einzelnen Bäume reichen als Deckung. Der Gesang, vermischt mit dem immerrauschenden Wind scheint nun überall, das bedrückende Gefühl aus dem Wald wird immer stärken. Unsere Nackenhaare stehen steif. Gefahr liegt in der Luft.

Die Fährte, der wir folgen, lockt uns fast in die Arme der Orks. Zwei Wachen, halten Ausschau, maulen vor sich hin. Ein weiterer, prächtigerer kommt dazu, keift sie an. Wir lauschen. Brazoragh? Eine Vision? Der Beistand eines Gottes ist Neuigkeit genug. Ich weiche zurück, werde entdeckt. Flucht.
Die Rufe der Orks folgen mir als ich renne. Ihn. In der Mitte. Der Anführer? Trenne ihn von den anderen. Hm… Tote Orks führen nicht. Bren lächelt, die Fänge blitzen. Ich bleibe in seinem Sichtfeld, versuche ihn nicht zu verlieren. Leichter als es sein sollte, das fahle Licht und die schiefe Umgebung sind ihm kein Hindernis. Klippe! Ich springe, Bren rollt uns ab. Der Ork flucht, landet, verfolgt uns, nähert sich. Noch eine Klippe, noch ein Sprung. Die anderen beiden sind nicht mehr zu sehen. Bei der nächsten. Wir landen, halten uns bereit. Doch der Ork zögert nicht, springt mt Arbach voran auf uns herab. Er landet, schmettert seine Klinge in den Boden, Erde spritzt. Ich erwiedere, der Kampf beginnt. Äxte treffen, schlagen flache Wunden, doch er geht nicht zu fall, zu fest sein Standt. Mächtige Säbelstreiche verfehlen mich knapp, einer davon wohl genug um uns in zwei zu hacken. Ein falscher Schritt, und der letzte Abhang klafft hinter mir. Springen? Zu gefährlich. Was dann? DA! Ein wuchtiger Schlag, außer Kontrolle. Der Arbach schlägt auf einen Stein im Boden, springt ihm aus der Hand. Schläge prasseln auf ihn ein, wir können uns von dem Abhang lösen. Waffe wieder in der Hand, und er steht immernoch. Bren wird unruhiger, drängt immer mehr an die Oberfläche. Und dann, die unweigerliche Katastrophe. Ein Hieb mit zuviel Wucht schießt am Ziel vorbei, und kann nicht gebremst werden. Meine eigene Axt rammt sich in meine Rippen, Knochen knacken. Ich höre noch Bren aufheulen und alles wird erst Rot, dann Schwarz…

(Und vielleicht sammeln sich die Wolken schon länger, schon seit dem Tag an dem wir Andrasch trafen. Hat der Infomarvelus recht? Ist Andrasch schon besessen seit wir ihn kennen? Hat die Kammer des Knochenschänders ihn vergiftet, ohne das wir es gemerkt hätten, so wie sie die Lichtbrenchi vergiftete? Waren seine wirren Geschichten Hilferufe eines verlorenen Geistes?

Es ist schwer, sich sorgen um sich selbst zu machen, wenn die Sorgen um Andere so viel lauter rufen…)

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Als Geleitschutz zum Kloster des Heiligen Logar
Nachts

„Heh! Valkea, sieh zu, dass du deinen schmächtigen Arsch an Deck schwingst!“, sein muffiger Atem schlug mir direkt ins Gesicht. Ich stand keinen halben Meter vor ihm, was den großgewachsenen Kerl mit dem Hakentattoo am Hals nicht daran hinderte, in voller Lautstärke zu brüllen. Seine lumpige Kleidung war triefend nass. Wortlos tat ich, wie mir gehießen. Mit gezogenem Dolch öffnete ich die schwere Holzluke, die den Blick auf den tiefschwarzen Nachthimmel erlaubte. Direkt heulten eisige Böen um mich herum. Der Sturm hatte weiter an Kraft gewonnen. Aufregung erfüllte die ganze Mannschaft. Unmut machte sich in Form von Flüchen und Drohungen Luft. Beinahe brachen Schlägereien zwischen den Crewmitgliedern selbst aus. Niemand gab zu, was sie alle in diesem Moment verband – das Grauen, die blanke Angst vor dem, was dort unter ihnen lauerte.
Wellen schlugen über die Reling und warfen das Schiff mal in diese, mal in jene Richtung. Der Sturm hatte eines der zwei Rahsegel zerrissen, dessen Fetzen wild hin und her peitschten. Die restlichen konnten rechtzeitig eingeholt werden. Alle an Deck hatten Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ein großer, bärtiger Mann, muskulös, aber von Narben und vom Alter geprägt, kam eilig auf mich zu und sah mich mit meinen eigenen Augen an. „Nein! Was machst du hier! Unter Deck, sofort!“ Die Dreiecks-tätowierungen auf seiner Stirn waren von Falten verzerrt. „Ich werde sowieso wieder hochgejagt, das weißt du.“, entgegnete ich und bemühte mich, um eine feste Stimme. Ich musste rufen, um über den Wind und das Wellengetose hörbar zu sein, das half. „Ich passe auf!“, sagte ich mit Nachdruck, bei diesen Worten wurde uns der Boden unter den Füßen weggerissen. Das Schiff ächzte und bekam immer mehr Schräglage. Wütende Rufe vermischten sich zu einem unverständlichen Durcheinander, die meisten versuchten sich zur sich hebenden Seite des Schiffes zu bewegen und klammerten sich an der Reling fest. „Swafnir möge dich in Stücke reißen, du elende Missgeburt des Mahlstroms!“, fauchte eine beinahe zahnlose ältere Frau, die sich neben mir wieder auf die Beine kämpfte, eine mit Nägeln versehene Keule in der rechten Hand. Bevor ich es ihr gleichtun konnte, wurde alles in die entgegengesetzte Richtung geschleudert. Bei dem Versuch, mir nicht den Kopf an den Holzdielen unter mir aufzuschlagen, konnte ich mich nur noch knapp mit den Händen abfangen. Ich schürfte mir meine schwieligen Handflächen auf. Männer wurden an die Harpunen gerufen. Ich half dem Mann neben mir auf, warf mir einige nasse Strähnen aus dem Gesicht und sah nur noch, wie ein riesiger Berg aus Gischt in die Luft stob und schließlich auf den Bug niederging. Die Besatzung hob schützend ihre Arme vor die Gesichter und verschwand für einen Moment im salzigen Weiß des Meerwassers. Ich spürte meinen Puls in der Kehle. Den Arm meines Begleiters hatte ich so fest gepackt, dass sich die Knochen meiner Finger weiß auf der Haut abzeichneten, doch ich achtete nicht darauf. Alle Augen waren Richtung Bug gerichtet. Ein Ohrenbetäubendes Brüllen erschallte, so kraftvoll, dass es allein das Schiff zum schwanken zu bringen schien. Der Bug hob sich unheilvoll. Holz knackte, das Geräusch von brechendem Eis, wenn man sich gerade mitten auf einem zugefrorenen See befand. Schließlich barst der Bugspriet. Der Kapitän brüllte so laut, wie ich ihn noch nie hatte brüllen hören und setzte seinen Kriegsschrei dem des Unheils entgegen. Es war offensichtlich das Zeichen zum Schießen gewesen. Harpunen wurden gefeuert. Ich konnte nicht sehen, ob sie trafen. Lediglich die grobe Richtung war zu erkennen, da verdeckte erneut das Spritzen einer Welle die Sicht, die sich über Deck und Mannschaft ergoss. Ein Herzzerreißender Laut drang an mein Ohr. Der Steuermann wurde gerade noch davon abgehalten, über die Backbordreling zu klettern. Verzweifelnd fuchtelnd streckte er seine Arme zum Wasser aus. Erneut schwoll der Lärmpegel an. Seine Frau Sveta, die mit den Perlen im Haar, war von Deck geschwemmt worden. Ich wurde zum Mast gezerrt. Eindringlich sahen mich erneut meine Augen an. „Halt dich gut fest..! Vergiss den Dolch, nutze lieber beide Hände.“, und der Mann wickelte zwei Taue in Hüfthöhe um mich und den Großmast. „Aber, du-“ Eine Sturmböe peitschte erneut über uns hinweg und riss meine Worte fort. Brüllen, dass von Überall gleichzeitig zu kommen schien zwang mich zum kläglichen Versuch, mir die Ohren zuzuhalten. Es war so laut, dass mir die Sicht verschwamm. Der Mann verschwand. Das Schiff wurde herumgerissen, sodass ich gegen den Mast gedrückt wurde. Als mein Brustkorb auf dem Holz aufschlug, blieb mir der Atem weg. Alles rief und schrie und fluchte. Ich tat es ihnen gleich. Ich rief nach dem Mann, der zum Bug gerannt war. Salzige Gischt spritzte in meinen weit aufgerissenen Mund. Salzige Rinnsale rannen meine Wangen herab. Als erneut Holz zu bersten begann, schlug mir etwas gegen den Kopf. Alles wurde schwarz.

Stechender Schmerz ließ mich erwachen. Ehe ich die Augen öffnen konnte, fasste ich mir an die Stirn, wo ich neben verklebtem Haar rauen Stoff ertastete. Jemand hustete, röchelte, neben mir. Stöhnen und Keuchen aus einer anderen Richtung. Verschwommen nahm ich erste Umrisse meiner Umgebung wahr. Waberndes Kerzenlicht erfüllte den viel zu kleinen Raum, in dem sie abermals mehrere Wochen zusammengepfercht gelebt hatten. Es stank unter Deck, wie gewohnt. Doch nun mischte sich auch der rostige Geruch von Blut unter die verbrauchte Luft. Plötzlich spürte ich etwas am Arm, eine große, raue Hand drückte sanft meine Schulter. „Du lebst noch..“, versuchte ich hervorzubringen, nicht sicher, ob meine Worte im schwächlichen Kratzen meiner Stimme untergingen. Verflucht, ich hatte kaum Kraft meinen Kiefer zu bewegen..! Eines der Augen, die meinen so ähnelten, deutete unterlaufen und glasig ein aufrichtiges Lächeln an. Das andere war von einem dunkelrot getränktem Tuch verdeckt.

Wenige Tage später, mit einer deutlich kleineren Besatzung als noch zum Zeitpunkt unseres Aufbruchs und kaum noch Vorräten erreichten wir endlich die Küste. Fernab eines Hafens versuchte man das Schiff mit dem verbliebenen Segel in die Nähe einer felsigen Erhöhung zu bringen. Waldgebiet erstreckte sich in unmittelbarer Nähe, sodass man es um einige vom Wind gebeutelten Bäume oder zumindest die Überreste ihrer Stämme vertäuen konnte. Zusätzlich wurde der Anker ins Wasser geworfen. Viele der vertrauten Gesichter waren zu Masken erstarrt, redselige Menschen hatten sich zu apathischen, ausdruckslosen Körpern verwandelt. Wer seiner Verzweiflung und Trauer über die erlittenen Verluste noch Ausdruck zu verleihen vermochte, tat dies. Vor allem indem jene verurteilt wurden, die noch lebten. Pltzlich schien jeder Vorwand aus der Vergangenheit Grund genug, einen anderen zum Erzfeind zu erklären. Wenn nicht dies, wenn nicht das … so wäre das alles nie passiert. Die Enge des Schiffes trug seinen Teil zum allgemeinen Unbehagen bei. Endlich an Land, gingen alle von Bord. Drehte man sich um, so stand jeder auf seine Art vor einem Trümmerhaufen. Sei es das marodierte Schiff, dass uns in diesem Zustand keinesfalls wieder in unsere Heimat zurückbringen konnte, sei es die Vorstellung einer Zukunft gewesen, die mit der Ware an Bord weggeschwemmt worden oder mit einigen armen Hunden dort draußen gestorben war.
Was Hunger, Wut, Angst, Trauer und Schmerz waren, das wussten alle Anwesenden spätestens jetzt. Die Reise hatte einen ihrer grausamen Höhepunkte erreicht. Gemeinsam musste ein Weg zurück gefunden werden. Und gemeinsam würden sie einen finden, so die Worte des Kapitäns, dessen Augen seit jener stürmischen Nacht nervös zuckten. Sein Lachen wirkte deplatziert. Und, auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, von Angst erfüllt. Ein Murren, das sich schwer als zustimmend oder teilnahmslos zuordnen ließ ging durch die Gruppe verschiedenster Menschen.
Was die Natur und ihre Gewalt anrichten konnten, hatten alle miterlebt, deutlicher noch als jeder Winter der letzten Jahre es uns hatte zeigen können. Das wahre Grauen jedoch, lauerte in den Menschen selbst, wie ich bald herausfinden sollte.
Es dämmerte. Im Wald hinter uns waren plötzlich Stimmen zu hören. Schritte und das Klirren von eisenplattenverstärkter Rüstung näherten sich. Ohne Vorwarnung lachte der Kapitän erneut sein wunderliches Lachen, ich zuckte vor Schreck zusammen.

Viriea schlug die Augen auf. Vor ihr tänzelten Schatten im Waldrand, die ihr Bewegung vorgaukelten. Als aus wenigen Metern Entfernung das Schnarchen ihrer zwergischen Begleiterin ertönte, klärten sich ihre Gedanken allmählich. Hinter ihr war vertrautes Knacken von einem Lagerfeuer zu hören. Wenn sie sich umdrehte sah sie Thorkins Rücken. Gerade aufgerichtet und die Straße hinter ihnen fokussierend entging seiner Aufmerksamkeit nur Wenig, selbst im Dämmerlicht des Feuerscheins nicht. Sie musste sich unweigerlich fragen, wie sehr ihn die Vorkommnisse der letzten Tage beschäftigen mochten. Fetzen ihres Traums geisterten noch vor ihrem inneren Auge. Das Grauen, welches er durchlebt haben musste, mochte sie sich kaum ausmalen.
Hob sie ihren Blick, sah sie Amariels Haar im Licht des Feuers glänzen. Sie lag ihr abgewandt in ihrem Schlafsack zusammengerollt. Ihr Atem stieg ihn feinen Wölkchen auf. Die Kutsche stand unverändert in der Mitte des Pfades, den sie entlang reisten. Vom Kutscher und seinem unbekannten Mitreisenden war kein laut zu hören. Nicht weit davon entfernt Thora, von der das regelmäßige Schnarchen ausging. Sie schlief vor dem Eingang des Zeltes, in dem derjenige lag, der ein mal Andrasch gewesen sein mochte. Viriea wünschte sich im Stillen, dass auch er irgendwann wieder schnarchte, so ohrenbetäubend es auch für alle Anwesenden sein mochte. Dem Weg, der noch vor ihnen lag zugewandt, saß Irion, der sich gerade eine seiner Haarsträhnen aus dem Gesicht strich und eine Seite in dem Buch umblätterte, welches sie ihm aus der Kiste des Mantlers gegeben hatte.
Sie fühlte sich erschöpft. Die Reise war bisher ohne Zwischenfälle verlaufen, doch wie immer zerrte an ihr ein ungutes Gefühl. Sie zog ihren Schlafsack höher und vergrub ihre Nase so gut es ging darin, um vor der kalten Luft der Winternacht ein wenig geschützt zu sein. Einige Stunden bis Sonnenaufgang blieben ihr noch, also versuchte sie, die Gedanken in ihrem Kopf zum schweigen zu bringen, die Bilder des Traums zu vertreiben und erneut einzuschlafen.

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Zweifel eines Magiers

Wo bin ich? Ein kurzer Blick reicht, um zu wissen, dass ich bei Matelus bin. Aber warum waren wir noch gleich hier? Ich schaue aufs Bett neben mir und erinnere mich wieder. Andrasch’s Zustand war schlechter geworden, sein Puls extrem niedrig und er hatte Atemaussetzer. Seine Adern standen hervor und schimmerten grünlich und er redete weitaus seltsamere Dinge als sonst schon. Die anderen waren auch alle da und standen um Andrasch und mich herum, mit Blicken, die ich nur als erwartungsvoll deuten konnte.
„Irion?“ sagt eine Stimme von der Seite und reißt mich aus meinen Gedanken. Vivi sieht mich leicht verwirrt an. „Was ist mit ihm?“. „Vermutlich eine Art Gift, zumindest wäre das meine erste Vermutung.“, sage ich. Falls es wirklich ein Gift ist, dann ist es mir unbekannt, was es mir schwer macht, zu entscheiden, was ich jetzt am besten machen sollte. Nach kurzem Überlegen beschließe ich, es mit einem Klarum Purum zu versuchen. Ich bitte die anderen um Ruhe und versuche mich zu konzentrieren. Doch für einige kurze Momente schleicht sich immer wieder die Angst ein, dass ich es nicht schaffe oder falsch liege. Und als dann der Klarum Purum zu wirken beginnt, spüre ich Panik in mir aufsteigen. Nichts! Es ist nichts passiert. Aber wie konnte das sein? War es etwa doch kein Gift gewesen? Aber was sollte es denn sonst sein? Endlose Gedanken schießen durch meinen Kopf, einzig und allein damit beschäftigt herauszufinden, was schief gelaufen ist. Doch so sehr ich auch nachdenke, es fällt mir nichts ein.
Mein Blick scheint Ausdruck genug zu sein, denn die anderen müssen nicht fragen, um zu wissen, dass der Zauber nicht funktioniert hat. „Kannst du es nicht einfach nochmal versuchen?“, fragt eine Stimme, die ich nicht direkt zuordnen kann. Schon beim ersten Mal war meine Konzentration schlechter als üblich und das nun auch mein Hände sichtbar zitterten, war in keiner Weise hilfreich. „Es hat schon beim ersten Mal nicht funktioniert, warum sollte es das also beim zweiten Mal tun?“, denke ich, aber beschließe, es lieber nicht zu sagen und schüttle stattdessen nur leicht den Kopf.
„Ist schon wer losgegegangen, um die Heilerin zu holen?“ frage ich in die Runde, aber die Erkenntnis, dass alle hier sind, hätte mir die Frage ersparen können. „Die ist immer noch nicht wieder da, hast du das vergessen?“,sagt Vivi. Vergessen nicht, aber die Hoffnung, dass es vielleicht anders wäre, hatte mich dann doch dazu gebracht zu fragen.
„Jetzt tut doch irgendwas verdammt.“, bricht es aus Thora raus, ihre Stimme klingt verzweifelt. Gibt es noch etwas, das ich nicht bereits versucht habe? „Haben wir noch die Phiole mit dem Antidot da, die die Heilerin uns gegeben hat?“. Ich sehe nur Verwirrung in den Gesichtern. „Was für eine Phiole?“.
Hatte ich mir das nur eingebildet? Nein, das konnte nicht sein. Ich war mir sicher, dass wir für den Notfall eine solche Phiole bekommen hatten. Ich schaue mich um, aber nirgends im Zimmer kann ich eine Phiole finden. Die Panik wird stärker, denn die Tatsache, dass Andrasch nun sterben wird, wird mir mit jeder Sekunde bewusster. Um mich herum wird es dunkel und alles verschwimmt. Meine Freunde schauen mich mit entsetzten, aber auch enttäuschten Gesichtern an. Ich habe versagt und meinetwegen stirbt Andrasch jetzt. Es dauert nicht lange bis dieser Gedanke der einzige ist, der übrig bleibt.

Auf einmal sitze ich aufrecht und leicht verschwitzt in einem Bett. Die Gedanken lassen mich noch immer nicht los und es dauert einige Minuten bis die Panik sich legt, mein Verstand wieder etwas klarer wird. Erst jetzt bemerke ich, dass ich in meinem Zimmer in der Taverne bin. Erleichtert stelle ich fest, dass es nur ein Alptraum war, Andrasch lebt also noch. Die Gefühle sind aber dennoch sehr präsent und so steigen Selbstzweifel in mir auf. Was wenn es Andrasch wieder schlechter geht? Könnte ich ihm dann helfen? Das letzte Mal habe ich versagt und nur weil die Heilerin geholfen hat, ist nichts schlimmeres passiert. Es ist noch mitten in der Nacht und so versuche ich, all das zu verdrängen, um noch ein wenig zu schlafen. Als ich am Morgen aufwache, bleiben für wenige Momente noch Fetzten des Traums, letztendliches aber nur noch ein ungutes Gefühl zurück. Im Verlauf der nächsten Tage vergesse ich den Traum wieder.

Seitdem sind 4 Tage vergangen und es sieht so aus, als könnten wir bald mit dem Kutscher und Andrasch zum Logar-Kloster fahren, in der Hoffnung, dort könne uns jemand helfen. Deshalb beschließe ich, mir Andrasch noch einmal anzusehen und wenn möglich, das Gift zu entfernen, damit wir für die Reise vorbereitet sind. Immer noch unsicher, ob ich alleine in der Lage dazu bin, gehen Amariel und ich los, um die Heilerin zu holen. Es hat stark geschneit und so dauert es einige Zeit, bis wir am Laden ankommen, nur um festzustellen, dass sie nicht da ist. Wir gehen zurück zum Tempel und ich versuche mich innerlich vorzubereiten. „Nach dem Essen werde ich mir Andrasch ansehen und alles wird gutgehen“, sage ich mir in Gedanken einige Male. Auch wenn ich alleine bin.
Wir stehen nun im Zimmer um Andrasch versammelt. Zwar lassen sich bei genauem Betrachten die selben Symptome wie beim letzten Mal erkennen, sind sie momentan aber noch deutlich schwächer ausgeprägt. Zumindest etwas, das mir Hoffnung gibt. Ich hole ein letztes Mal tief Luft und sehe mich noch einmal um. Ich stehe vor Andrasch, um mich herum meine Freunde, die mich erwartungsvoll ansehen, als mich plötzlich eine Flut aus Gedanken mit reißt. So klar, wie selbst nach dem Aufwachen nicht, spielt sich der Albtraum ein weiteres Mal vor mir ab. Jedes Bild und jede Emotion. Der Versuch, mich zusammen zu reißen, scheitert und so durchlebe ich den Traum ein weiteres Mal.
„Irion?“. Zwar konnte ich in Gedanken vertieft die Stimme nicht zuordnen, muss aber trotzdem nicht nachdenken, um zu wissen wer es war. Ich drehe mich um und meine ungute Vermutung bestätigt sich. Vivi! Wieder versinke ich in Gedanken und die Angst, der Traum könnte sich bewahrheiten, wird stärker. Bilder aus der Realität und dem Traum verschmelzen und für kurze Zeit kann ich in den Gesichtern meiner Freunde nur Abscheu und Enttäuschung erkennen. Ich schäme mich für meine Unfähigkeit und gerade, als das Gefühl droht, die Oberhand zu übernehmen, spüre ich plötzlich eine große Hand auf meinen Schultern. Torkin hat wohl das leichte Zittern bemerkt, und sieht mich nun mit einem Blick an, für den ich einige Momente brauche, um ihn zu deuten. Zu Anfang sehe ich noch immer Enttäuschung, doch als ich genauer hinsehe, stellte ich fest, dass es etwas anderes ist. Klarheit kehrt in meinen Gedanken ein und ich weiß, was er mir mit seinem Blick sagen will. Glaub an dich, denn wir tun es auch.
Ich drehe mich zu Andrasch um, hole ein letztes Mal tief Luft und beginne, den Klarum Purum zu wirken. Es dauert ein paar Minuten, doch schließlich entziehe ich ihm eine klare Flüssigkeit mit wenigen grünen Partikeln und nur wenig später sieht er schon wieder etwas besser aus.
Als ich mich danach umdrehe, sehe ich meine Freunde und flüstere leise „Danke!“. Denn ich bin nicht allein.

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Virieas betrunkene Monologe - Teil 1
- bitte mit ordentlichem Lallen lesen -

Viriea in einer Schenke mit einem im Saufkoma liegendem Tischgenossen

„Ja, ja! Noch ein Bier, bitte! Wie? Ach, macht einfach eine Strichliste!
Wisst Ihr was das Tolle daran ist, kein Ziel zu haben? Man erlebt die unglaublichsten Dinge, trifft die seltsamsten Leute und sieht die Welt, wie sie wohl nur Wenige zu Gesicht bekommen.
Ich bin Thorwalerin – oder war es mal… irgendwie. Jetzt bin ich seit geraumer Zeit auf Reisen und schon weit herumgekommen in den nördlichen Landen. Zumindest dachte ich das.
Dabei sind mir ein paar merkwürdige Gestalten über den Weg gelaufen – und dabei meine ich nicht, was sich so in den Unterstädten und dunklen Gassen herumtreibt.
Eine seltsame Gruppierung von Personen hat sich um mich herum gebildet. Oder irgendwie bin ich dort hineingeraten, wie man’s nimmt. Irgendwann nahm man einfach an, man würde sich wiedersehen, wie gesagt, wirklich merkwürdige Leute…
Eine Elfe, ein Gildenmagier, ein Gjalskerländer auf Umwegen und immer mal wieder ein kampfwütiger Zwerg. Wo auf der Welt findet man eine solche Zusammenstellung? Wir – ich!- wurde als Geleitschutz für eine Baronstochter angeheuert, ist das zu fassen? Die Tochter des Barons von Donnerbach haben wir nicht nur vor Ghulen gerettet, sondern auch noch wohlbehalten nach hause bringen können. Na ja, ihr Leibwächter hat den Zwischenfall nicht so gut überstanden, damals, die Ghule… wie dem auch sei! Einen Toast auf den armen Kerl, prost!
Und ein dankbarer Baron ist ein guter Baron, oh ja, das ist er! Noch nie in meinem Leben hab’ ich in einem so luxuriösem Bett schlafen, mich so extravagant kleiden oder so verdammt gut essen können. Und dieses Bier erst! Man ist es gewohnt, draußen unter Bäumen und zwischen Pflanzen zu schlafen, wie so viele Reisende. Aber dieser Baron! Er hatte sogar den Pflanzen ein Dach über dem Kopf gebaut! Was würde ich dafür geben … Da standen Wasserpfeifen und Rauchkraut, die bequemsten Flechtstühle, die ich je gesehen habe, einfach so herum. Jeder konnte sich setzen, jeder der wollte konnte Rauchen. Hunger kam gar nicht erst auf, bei den Ausmaßen der Buffets die angerichtet wurden, quasi den ganzen Tag über. Habt ihr euch schon einmal vom Essen erholen müssen?
Bei Swafnir – Ihr hättet Torkin sehen sollen in seinem maßgeschneiderten Anzug! Zum Brüllen, dieser Muskelberg mit Rüschen und viel zu hohem Kragen! Ha… es war großartig. Auch Amariel und Irion wurden eingekleidet, ich ebenso. Von diesem ulkigen Kobold, der sich da herumtrieb. Er tauchte einfach auf, nahm Maß und schneiderte jedem Ballkleidung. Die spinnen doch alle. Aber was Kleidung so ausmacht…
Ehe man sich versieht ist man bei Versammlungen dabei, in denen über riesigen Reichtum, Land und Besitztümer entschieden wird. Politik, versteht ihr? Das ich so was mal erleben würde! Wobei, da sind auch einige seltsame Leute dabei. Dieser Geweihte mit seiner Tättowierung, irgendwann wurde er schon irgendwie unheimlich. Oh – und Martha! Uäh, dieses Mädchen konnte ihren Mund auch nie halten. Dabei schien sie nicht mal Ahnung zu haben, was sie eigentlich tut. Ausgewürfelt soll sie ihren Besitz haben! Ich wünschte ich könnte auch so leichtfertig über Ländereien entscheiden Och – dies und das hätte ihr gerne. Aber eigentlich ist es mir egal, gebt mir einfach IRGENDwas! Und dann kriegt sie was. Ich versteh’s nicht. Nun ja, darauf ein Bier! Wollt ihr auch noch? Hallo? Na, dann eben nicht. Wo war ich?
Diese reichen Leute geizen nicht bei Festen, glaubt mir. Haha … ah, entschuldigt. Wisst Ihr, was man an Magierakademien auch lehren sollte? Tanzen, oh ja! Obwohl, nein, besser doch nicht – sonst wäre mir ein urkomischer Anblick nicht vergönnt gewesen.Was für ein Fest. Was man nicht alles tut, um Wohlständige zu beeindrucken.
Oh, genau! Davor war dann auch noch eine großspurig angekündigte Fuchsjagd. Ich hab’ keine Ahnung von solcherlei Dingen, aber es schien ein anerkanntes Spektakel zu sein unter reichen Leuten. Ooooh, aber wie sie alle geschaut haben, als keiner von ihnen etwas vor die Flinte bekam. Unsere Amariel hat es nicht so gerne, wenn Tiere zum Spaß getötet werden, wisst Ihr? Und schon hieß es, böses Omen hier, großes Unglück da – diese Narren.
Es ist richtig bitter, nach so viel Wohlstand, den man selbst einmal erfahren hat, wieder hinaus in die Wildnis zu gehen und zu schauen, wohin der Wind einen trägt. Wie ein Traum, der einem unwirklicher vorkommt, je mehr Tage vergehen und je mehr Schritte getan wurden.
Aber nun, so ging die Reise weiter. Auch andere – sogar solche, die eine klare Richtung eingeschlagen haben – können ähnlich kurioses erleben, auch wenn sie sicher anderes geplant hatten. So begegnete uns – bei den Winden, ich sage tatsächlich „uns“ mittlerweile, haha! – ein Seemann, Hinnek. Sein Kompass war kaputt. Hat ihn ganz von Havena bis in diese Gegend geführt – und schon geriet er in unsere Schicksale hinein. So wie wir in seines – Verflucht, das sind aber kleine Bierkrüge hier, oder? Nich? Na was soll’s – Aber das ist eine andere Geschichte. ..“

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Das Consilium destributio regiones
Abenteuer auf Burg Tannfels

Abenteuer auf Burg Tannfels

Eine traumatisierte Adelige im Gepäck, die noch zuhause abgeliefert werden musste der noch Geleitschutz bis nach Hause gewährt werden sollte, machte sich die frischgebackene Heldengruppe auf den Weg zur Sommerresidenz des Barons Ulrich von Hornhagen, dem Vater Ilorens, zu dem Amariel und Irion zufälligerweise auch in eigener Sache unterwegs waren. Grund war das “Consilium destributio Regiones”, eine Versammlung mächtiger Herren, die über den Besitz der umliegenden Regionen verhandelten. Irion war dort als abgesandter der Akademie zu Donnerbach und Amariel als Vertreterin der dort lebenden Elfensippen.

Das Gut war etwa eine Woche auf Schusters Rappen von der Schenke entfernt und lag oberhalb des kleineren Dorfes Tannfels, von welchem aus ein serpentinenartiger Pfad hoch auf die Burg führte. Diese war wahrlich das eindrucksvollste, was die Meisten der Helden an Gebäuden je zu Gesicht bekommen hatten: Eine Mauer umschloss das ganze Grundstück, welches die Burg, die Nebengebäude und die Gartenanlage drumherum einschloss.

Die Helden wurden von einem Untergebenen empfangen und jedem wurde ein Zimmer gezeigt, in dem er sich aufhalten und schlafen konnte. Abends sollte es ein Dankesessen für die Rettung der Baronstochter geben (welche sich nach ihrer Ankunft, schnell in ihre Gemächer verzog) und bis dahin konnten sich die Helden etwas auf dem Gelände umsehen. Ehrfürchtig sahen sie sich im Empfangsaal um. Ein riesiger mit Steinplatten gepflasterter Raum den Rechts und Links auf halber Höhe eine Galerie umfasste, die man über die große Haupttreppe in der Mitte erreichen konnte. Sowohl auf Höhe der Galerie wie auch darunter, hingen Gemälde, die ehmalige oder amtierende Politiker oder historische Figuren aus der Famielie der Hornhagens, wie die Gründerin der Graumark, zeigten. Neben dem Empfangssaal gab es noch viele kleine Räume und Gänge, einen Wintergarten, den großen Thronsaal, die Gemächer der hohen Herrschaften sowie Arbeitsräume, eine Bibliothek, Bäder, eine große Küche, Gesindekammern und vieles mehr. Vor allem im Wintergarten, wo stets Rauchkraut und Wasserpfeife, so wie Korbstühle bereit standen um es sich gemütlich zu machen.

Nachdem jeder sein Zimmer gesehen und die Umgebung seinem Charakter entsprechend erkundet hatte, war es bald auch schon Abend und die Helden und anderen Gäste auf der Burg versammelten sich beim Festessen im Thronsaal. Bereits jetzt konnten die Helden verschiedene Teilnehmer der später folgenden Versammlungen kennen lernen, zu denen auch Amariel und Irion unterwegs gewesen waren. Zudem fanden sich noch dutzende hohe Herrschaften und Hofdamen ein, die nur dem Festessen und der Jagd am nächsten Tage beiwohnen wollten, nicht aber zum Consilium gehörten

Es wurde getanzt, gelacht, gegessen, gesungen und sich unterhalten… Jeder wie er konnte.

Der nächste Tag verlief gemütlich, es wurde gegessen und sich ausgetauscht. Marta von Donnerbach, Kelo Rabelnlieb und Kragax, Abgesandter der Lowanger Schwarzmagier trafen ein und Abends sollte eine Jagd stattfinden.

Amariel jedoch, der die Tiere des Waldes am Herzen lagen, schlich sich mit Torkin zusammen vorher in den Wald um die Tiere zu warnen. So rief sie einen Vertreter jeder Art zu sich, und trug ihm auf, die anderen zu Warnen, auf dass die Jagd erfolglos sei.
Zuvor hatte sie einen Traum gehabt, in dem ihr ein weißer Hirsch erschienen war. Doch so sehr sie auch im Wald nach ihm suchte, Torkin befragte für sie sogar die Geister, sie konnten ihn hier nicht finden.

Als die Jagd später stattfand, und die hohen Herrschaften, Schaulustigen und Jäger sich versammelt hatten, da wohnten auch die Helden der Gesellschaft bei. Einzig Virieia blieb zurück im Schloss, um ihrerseits zu jagen sich ein bisschen aus zu ruhen.

Die Jagd war erfolglos. Kein einzig Tier zeigte sich den enttäuschten Jägern. So etwas hatte es noch nie gegeben! Entäuscht und ängstlich, Firun, der Gott der Jagd, würde sie strafen, löste sich die Gesellschaft bald auf. Der Baron und seine Angehörigen gingen früh schlafen, denn man schämte sich, keine Trophäe vorzeigen zu können. Außerdem war am nächsten Tag das so wichtige Consilium destributio Regiones, für welches man ausgeschlafen sein wollte…

Das Consilium Destributio Regiones

Amariel schaute sich flehend zu Irion um. Der vernarbte Zwerg saß mit dickköpfigem Gesichtsausdruck den beiden Gegenüber. Der Abgesandte des Fürsten von Donnerbach, Herr von Rabenlieb, hatte die Verhandlungen bereits nachmittags verlassen. Niemand außer ihm war an den Gras und Weidelandflächen interessiert gewesen, die den donnerbacher Bauern als Lebensgrundlage dienten und es stand außer Frage, dass es nicht im Sinne der Verhandlung lag, den Bauern diese zu entziehen. Die beiden bemantelten Novizen hinter dem Zwergenmagier flüsterten sich etwas zu und berieten sich mit ihrem Vorgesetzten. Marta von Donnerbach hatte das Gespräch so weit aufmerksam belauscht. " [:kragax-sohn-des-garoschim | Kragax, Sohn des Garoschim], richtig?" Der Zwerg schaute sich brummend zu ihr um. “Wieso erzählt ihr den Anwesenden nicht von der Silberader, die neulich im Grautodbuckel gefunden wurde? Ist sie nicht der Grund, dass ihr so scharf auf den alten Berg seid?” Kragax wirkte ertappt und guckte böse. “Schön”, entgegnete er, "_Ich bin bereit auf all meine anderen Ansprüche auf Gebiete zu verzichten. Glaubt ihr mir dann, dass ich den Berg auch aus emotionalen Gründen möchte?. Niemals ist der Besitz der Gebiete die ich hiermit aufgebe mehr wert, als irgendwelches Silber, dass erst noch unter großen Gefahren geborgen werden müsste."

Amariel verstand nicht, warum überhaupt darüber diskutiert wurde:
Menschen und Zwerge, ihr seid alle gleich! Kein Silber der Welt mag aufwiegen, welchen Fehler ihr begeht, wenn ihr den alten Berg weckt. Das Zerzal des Berges wird euch verzehren, noch bevor ihr ihn betreten könnt

Irion schaute zu Amariel herüber. Er glaubte ihr, was sie über den Berg erzählte und übersetzte für die Anwesenden: “Zerzal ist Isdira und steht für die Macht des Verfalls und des Todes. Es ist nicht auszudenken, welche Gefahren dort schlafen könnten. Die Elfensippen der dortigen Umgebung sind die einzigen, die sich damit auskennen._” Irion überlegte kurz und fügte dann hinzu:
“_Und wenn ihr meine fachkundige Meinung hören wollt, es wäre unverantwortlich und töricht ein solches Risiko für die Umgebung des Gebietes ein zu gehen.
"
Irion war es nicht gewohnt förmlich zu reden, doch er gab sich alle Mühe. Immerhin war es auch im Interesse seiner Akademie, dass nicht irgendwelche Zwerge die Ausläufer der Salamandersteine unsicher machten. Er und die anderen MItglieder seiner Akademie kannten die Elfen, wie kaum jemand in Aventurien. Und wenn er eins wusste, dann war es, dass man keinen Krieg mit Ihnen anfangen wollte, und dass es einen geben würde, wenn der Zwerg tatsächlich mit einer Zwergensippe oder Menschen in den Berg ziehen würde. Schon allein weil sie hierfür Elfengebiet durchqueren müssten.

Die Verhandlungen zogen sich noch den ganzen Tag. Marta von Donnerbach erstand einen kleinen Fleck im Forschungsbereich der Akademie zu Donnerbach, was Irion störte. Amariel und Kragax wurden sich bis zum Ende nicht einig. Am Ende musste der Baron entscheiden. Und er entschied sich für den Zwerg. Welche Folgen das jedoch für die Geschichte Aventuriens haben sollte, wird in einer anderen Geschichte erzählt.

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Händler, Hühner, Hasenfreunde
Zwischenspiel nach der Schenke zum Singenden Schwert

Den Göttern sei Dank, vergingen die Namenlosen Tage auch dieses Jahr und am 1. Praios des neuen Jahres 1029 nach dem Fall Bosparans, zeigte sich die Praiosscheibe und kündete vom Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Die Nacht der Schrecken und die darauffolgenden Nächte ohne Ruhe- dafür mit vielen Alpträumen- lagen nun in der Vergangenheit. Nolan und Halia versuchten das Leben in der Schenke fort zu führen so gut es eben ging, und bald schon bot sich eine wundervolle Gelegenheit, um sich von den Schrecken der Vergangenheit abzulenken:

Eine Händlerkarawane aus dem Bornland traf ein, und Nolan und Halia verwendeten all ihre Gedanken darauf alte Ware los zu werden und Neues anzukaufen. Vorräte wurden aufgestockt, und die Funde aus dem Keller der Schänke verkauft. Auch die Helden mischten sich ins Getümmel und machten Schnäpchen und verkauften Dinge, die sie zu Geld machen wollten…

Nur Amariel stand etwas abseits und beobachtete das Ganze aus sicherer Entfernung:

“Halia, erklär mir das noch mal: Wieso tauschen Menschen, die nicht mal schmieden können, Metal gegen Nahrung? Sie können doch mit dem Metal überhaupt nichts anfangen!” – gemeint war das Geld, für welches Nolan so eben Vorräte erstanden hatte.
Halia suchte verwirrt Metal auf den Wagen aber Amariel hatte schon wieder etwas ganz anderes entdeckt:. Hühner. Hühner in Käfigen. Wenn es etwas gab, das den Elfen viel bedeutete, dann war es die Freiheit. Sie wurde wütend und ging nun auf die ältere bornländische Händlerin zu, die bei den Hühnern stand. “Entschuldigen Sie, junge Dame, ich werde diese Hühner jetzt freilassen.”
Irion hatte ihr einmal erklärt, dass Menschen immer sagten, was sie taten, bevor sie es taten. Amariel verstand das zwar nicht, aber da sie ja jetzt gesagt hatte, was sie tun würde, würde es bestimmt niemanden stören, wenn sie die eingesperrten Tiere wieder in die Natur entließe. Gesagt getan:

Sie ging zum Käfig und zog ihren Speer, um ihn aufzuhebeln.
Die Bornländerin fuchtelte wild mit den Händen. Hatte sie sich verletzt? Sie fing auch an, laut Dinge von sich zu geben, doch Amariel konnte ihren Akzent nicht verstehen.
Nun ja, Menschen in Not, wollte geholfen werden, also – ganz die nette Person die sie war – legte sie den Speer zunächst bei Seite und ging jetzt auf die Dame zu, um mal nach dem Rechten zu sehen. Amariel lächelte die Frau an, um zu zeigen, dass sie freundlich gesinnt war, doch die Dame schaute nur grimmig zurück, zeigte auf die Hühner und schüttelte den Kopf.

Amariel war verwirrt, doch die Frau hatte aufgehört zu gestikulieren, und schien außerdem genau wie sie, sehr uneinverstanden damit zu sein, dass die Hühner dort in Käfigen hockten. Amariel war erfreut eine Verbündete gefunden zu haben und drehte sich wieder um, um die Hühner nun entgültig zu befreien…

Irion war die Misskommunikation aufgefallen und er tat sein bestes, um zwischen den Beiden zu vermitteln. Auf der einen Seite Amariel, die unmissverständlich klar gemacht hatte, dass sie die Hühner nun befreien würde und auf der anderen Seite die Händlerin, die versuchte mit Amariel einen Preis auszuhandeln – auch wenn Amariel davon nichts mitbekommen hatte. Irion seufzte und bezahlte die Hühner bei der aufgebrachten Händlerin, die behauptete Amariel hätte sie außerdem mit dem Speer bedroht! Schließlich kamen auch Nolan und Halia dazu und Amariel konnte Halia davon überzeugen die Hühner als Erweiterung der Schänke aufzunehmen.

“Lass den Kiindern ihren Kopf” dachte Irion und sogar Nolan ließ sich breit schlagen (und zahlte Irion die Hühner zurück). Und so kam die Schenke zum singenden Schwert zu ein paar Hühnern.
Bald schon zog die Händlerkarawane weiter….

Es dauerte noch einen Tag, bis die Helden ihre 7 Sachen zusammen gesammelt hatte und am Abend des nächsten Tages, Andrasch und Torkin waren grade draußen um einen kleinen Übungskampf zu bestreiten, nährte sich der Schänke eine Gestalt. Vivi sah sie als erstes: sie war in braune Fellumhänge gekleidet, ein langer zotteliger Bart quoll unter einer Kapuze hervor, und unter seinem Arm, trug die Person einen Hasen.
Als auch die anderen den Neuankömmling bemerkt hatten, brachten sie sich in Bereitschaft – immerhin war man von den Namenlosen Tagen noch das Schlimmste gewohnt. Doch der Mann schien unbeirrt und kam über die kleine Brücke bis auf den Vorhof der Schänke. Er schaute sich um und fragte dann mit ruhiger Stimme Nolan: “Guter Mann, habt ihr eine Feuerstelle und einen Topf, den ich benutzen dürfte?”. Nolan guckte verwirrt. Das war nicht grade die Frage gewesen, die er erwartet hatte, jedoch wollte er dem Fremden nicht das Traviarecht ausschlagen und nickte. Der Mann, weiiterhin die anderen kaum beachtend, folge Nolan mit dem Hasen in die Küche. Dort angekommen setzte er Wasser auf und schnibbelte Kräuter klein. Alle waren sich einig, dass es bald Hasensuppe geben würde und Amariel wollte schon einschreiten, da legte der Mann den Hasen auf den Tisch und… und verband ihn. Er hatte dem Hasen einen Verband getränkt in Kräutersud um den Hinterlauf gelegt, an dem nun deutlich zu erkennen war, dass der Hase keineswegs tot war, viel mehr an Schmerzen leiden musste. Auf jegliche Versuche ein Gespräch zu führen, reagierte der Mann kurz angebunden und schließlich, als er getan hatte, was er wollte, machte er sich auf den Rückweeg zum Wald. “Firun schütze euch” murmelte ehr zum Abschied, bevor er wieder in den Wald verschwand…

—> Was danach geschah

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Die Schenke zum singenden Schwert, Zusammenfassung
Die Ereignisse um die Schänke

Die Helden erlebten in der Schänke eine Nacht des Schreckens. Aus dem Keller krochen Kreaturen unsagbarer Finsternis und auch die Umgebung um die Schenke schien sich in dieser Nacht verwandelt zu haben. Überall erhoben sich die Toten um sich an den Lebenden zu rächen. Schließlich entführten die Wesen die Tochter der Wirts Halia und die Gefährten beschlossen kurzum nunmehr nicht abzuwarten sonden in den Keller vor zu dringen, um die Tochter zu befreien, bevor sie gefressen wurde. Zuvor eröffnete ihnen der Wirt Nolan, dass er einen alten “Schuldschein” seines Ohms besitze, der die Schenke vorher geleitet habe. Der Schuldschein jedoch stellte sich als Warnung heraus. Eine Warnung davor die Schenke an einem Tag im Jahr zu verlassen und den Keller zu verriegeln. Dieser Tag war heute.

Im Keller der Schenke führe die Blutspur der Kleinen als bald durch eine als Wand getarnte Geheimtür, nicht lange gefackelt da fand Vivi diese und die Verfolgung konnte weiter gehen. Neben der Dunkelheit dem Wasser, der Beengtheit, sowie Ratten und Amöben, erschwerten vor allem die Ghule das Vorankommen, da sie immer wieder aus dem Hinterhalt angriffen um auf zurückgebliebene Gruppenmitglieder zu zielen. Auch die hysterisch Ilorien von Grautann was nicht grade hilfreich bei einem geplannten Vorgehen.

Schließlich fanden die Helden in den Katakomben eine zerschlagene Tür, auf der ehrmals das Siegel des Herrn Praios trachtete, nun nichts weiter als ein alter, zerkratzter Stein.

Auf dem Weg hinab, durch eine Wendeltreppe, kam den Helden bereits der Geruch von Verwesung und Tod entgegen und schließlich klang eine dunkle, machtvolle Stimme durch die Hallen, welche sie freundlichst aufforderte, ihr – Nebain – dem Nekromanten des Zirkels der 7 – ihre Lebenskräfte vorbeizubringen.

Da die Helden damit höchst uneinverstanden waren, beseitigten sie gemeinsam mit Andrasch und der Praiotin Antissa Daralos die knöchernden Schergen des Nekromanten und standen ihm am Ende höchstselbst gegenüber.

(Was die Helden noch in den Tiefen der Keller fanden, und welche Rolle Praios spielte, können Sie hier erfahren)

Ein Schrecken aus alter Zeit: In eine dunkle Robe gehüllt, einen riesiegen Zauberstab umgreifend, und dutzende Sklette, sowie Ghule und einen Frostghul befehligend.

In einem spektakulären Kampf mit vielen Verlusten und Praios Beistand gelang es den Helden schließlich den Magier zu vertreiben, dessen Überreste jedoch verschwanden Spurlos…—

—> Was dann geschah

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