Die Rudelchroniken

Als Geleitschutz zum Kloster des Heiligen Logar
Nachts

„Heh! Valkea, sieh zu, dass du deinen schmächtigen Arsch an Deck schwingst!“, sein muffiger Atem schlug mir direkt ins Gesicht. Ich stand keinen halben Meter vor ihm, was den großgewachsenen Kerl mit dem Hakentattoo am Hals nicht daran hinderte, in voller Lautstärke zu brüllen. Seine lumpige Kleidung war triefend nass. Wortlos tat ich, wie mir gehießen. Mit gezogenem Dolch öffnete ich die schwere Holzluke, die den Blick auf den tiefschwarzen Nachthimmel erlaubte. Direkt heulten eisige Böen um mich herum. Der Sturm hatte weiter an Kraft gewonnen. Aufregung erfüllte die ganze Mannschaft. Unmut machte sich in Form von Flüchen und Drohungen Luft. Beinahe brachen Schlägereien zwischen den Crewmitgliedern selbst aus. Niemand gab zu, was sie alle in diesem Moment verband – das Grauen, die blanke Angst vor dem, was dort unter ihnen lauerte.
Wellen schlugen über die Reling und warfen das Schiff mal in diese, mal in jene Richtung. Der Sturm hatte eines der zwei Rahsegel zerrissen, dessen Fetzen wild hin und her peitschten. Die restlichen konnten rechtzeitig eingeholt werden. Alle an Deck hatten Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Ein großer, bärtiger Mann, muskulös, aber von Narben und vom Alter geprägt, kam eilig auf mich zu und sah mich mit meinen eigenen Augen an. „Nein! Was machst du hier! Unter Deck, sofort!“ Die Dreiecks-tätowierungen auf seiner Stirn waren von Falten verzerrt. „Ich werde sowieso wieder hochgejagt, das weißt du.“, entgegnete ich und bemühte mich, um eine feste Stimme. Ich musste rufen, um über den Wind und das Wellengetose hörbar zu sein, das half. „Ich passe auf!“, sagte ich mit Nachdruck, bei diesen Worten wurde uns der Boden unter den Füßen weggerissen. Das Schiff ächzte und bekam immer mehr Schräglage. Wütende Rufe vermischten sich zu einem unverständlichen Durcheinander, die meisten versuchten sich zur sich hebenden Seite des Schiffes zu bewegen und klammerten sich an der Reling fest. „Swafnir möge dich in Stücke reißen, du elende Missgeburt des Mahlstroms!“, fauchte eine beinahe zahnlose ältere Frau, die sich neben mir wieder auf die Beine kämpfte, eine mit Nägeln versehene Keule in der rechten Hand. Bevor ich es ihr gleichtun konnte, wurde alles in die entgegengesetzte Richtung geschleudert. Bei dem Versuch, mir nicht den Kopf an den Holzdielen unter mir aufzuschlagen, konnte ich mich nur noch knapp mit den Händen abfangen. Ich schürfte mir meine schwieligen Handflächen auf. Männer wurden an die Harpunen gerufen. Ich half dem Mann neben mir auf, warf mir einige nasse Strähnen aus dem Gesicht und sah nur noch, wie ein riesiger Berg aus Gischt in die Luft stob und schließlich auf den Bug niederging. Die Besatzung hob schützend ihre Arme vor die Gesichter und verschwand für einen Moment im salzigen Weiß des Meerwassers. Ich spürte meinen Puls in der Kehle. Den Arm meines Begleiters hatte ich so fest gepackt, dass sich die Knochen meiner Finger weiß auf der Haut abzeichneten, doch ich achtete nicht darauf. Alle Augen waren Richtung Bug gerichtet. Ein Ohrenbetäubendes Brüllen erschallte, so kraftvoll, dass es allein das Schiff zum schwanken zu bringen schien. Der Bug hob sich unheilvoll. Holz knackte, das Geräusch von brechendem Eis, wenn man sich gerade mitten auf einem zugefrorenen See befand. Schließlich barst der Bugspriet. Der Kapitän brüllte so laut, wie ich ihn noch nie hatte brüllen hören und setzte seinen Kriegsschrei dem des Unheils entgegen. Es war offensichtlich das Zeichen zum Schießen gewesen. Harpunen wurden gefeuert. Ich konnte nicht sehen, ob sie trafen. Lediglich die grobe Richtung war zu erkennen, da verdeckte erneut das Spritzen einer Welle die Sicht, die sich über Deck und Mannschaft ergoss. Ein Herzzerreißender Laut drang an mein Ohr. Der Steuermann wurde gerade noch davon abgehalten, über die Backbordreling zu klettern. Verzweifelnd fuchtelnd streckte er seine Arme zum Wasser aus. Erneut schwoll der Lärmpegel an. Seine Frau Sveta, die mit den Perlen im Haar, war von Deck geschwemmt worden. Ich wurde zum Mast gezerrt. Eindringlich sahen mich erneut meine Augen an. „Halt dich gut fest..! Vergiss den Dolch, nutze lieber beide Hände.“, und der Mann wickelte zwei Taue in Hüfthöhe um mich und den Großmast. „Aber, du-“ Eine Sturmböe peitschte erneut über uns hinweg und riss meine Worte fort. Brüllen, dass von Überall gleichzeitig zu kommen schien zwang mich zum kläglichen Versuch, mir die Ohren zuzuhalten. Es war so laut, dass mir die Sicht verschwamm. Der Mann verschwand. Das Schiff wurde herumgerissen, sodass ich gegen den Mast gedrückt wurde. Als mein Brustkorb auf dem Holz aufschlug, blieb mir der Atem weg. Alles rief und schrie und fluchte. Ich tat es ihnen gleich. Ich rief nach dem Mann, der zum Bug gerannt war. Salzige Gischt spritzte in meinen weit aufgerissenen Mund. Salzige Rinnsale rannen meine Wangen herab. Als erneut Holz zu bersten begann, schlug mir etwas gegen den Kopf. Alles wurde schwarz.

Stechender Schmerz ließ mich erwachen. Ehe ich die Augen öffnen konnte, fasste ich mir an die Stirn, wo ich neben verklebtem Haar rauen Stoff ertastete. Jemand hustete, röchelte, neben mir. Stöhnen und Keuchen aus einer anderen Richtung. Verschwommen nahm ich erste Umrisse meiner Umgebung wahr. Waberndes Kerzenlicht erfüllte den viel zu kleinen Raum, in dem sie abermals mehrere Wochen zusammengepfercht gelebt hatten. Es stank unter Deck, wie gewohnt. Doch nun mischte sich auch der rostige Geruch von Blut unter die verbrauchte Luft. Plötzlich spürte ich etwas am Arm, eine große, raue Hand drückte sanft meine Schulter. „Du lebst noch..“, versuchte ich hervorzubringen, nicht sicher, ob meine Worte im schwächlichen Kratzen meiner Stimme untergingen. Verflucht, ich hatte kaum Kraft meinen Kiefer zu bewegen..! Eines der Augen, die meinen so ähnelten, deutete unterlaufen und glasig ein aufrichtiges Lächeln an. Das andere war von einem dunkelrot getränktem Tuch verdeckt.

Wenige Tage später, mit einer deutlich kleineren Besatzung als noch zum Zeitpunkt unseres Aufbruchs und kaum noch Vorräten erreichten wir endlich die Küste. Fernab eines Hafens versuchte man das Schiff mit dem verbliebenen Segel in die Nähe einer felsigen Erhöhung zu bringen. Waldgebiet erstreckte sich in unmittelbarer Nähe, sodass man es um einige vom Wind gebeutelten Bäume oder zumindest die Überreste ihrer Stämme vertäuen konnte. Zusätzlich wurde der Anker ins Wasser geworfen. Viele der vertrauten Gesichter waren zu Masken erstarrt, redselige Menschen hatten sich zu apathischen, ausdruckslosen Körpern verwandelt. Wer seiner Verzweiflung und Trauer über die erlittenen Verluste noch Ausdruck zu verleihen vermochte, tat dies. Vor allem indem jene verurteilt wurden, die noch lebten. Pltzlich schien jeder Vorwand aus der Vergangenheit Grund genug, einen anderen zum Erzfeind zu erklären. Wenn nicht dies, wenn nicht das … so wäre das alles nie passiert. Die Enge des Schiffes trug seinen Teil zum allgemeinen Unbehagen bei. Endlich an Land, gingen alle von Bord. Drehte man sich um, so stand jeder auf seine Art vor einem Trümmerhaufen. Sei es das marodierte Schiff, dass uns in diesem Zustand keinesfalls wieder in unsere Heimat zurückbringen konnte, sei es die Vorstellung einer Zukunft gewesen, die mit der Ware an Bord weggeschwemmt worden oder mit einigen armen Hunden dort draußen gestorben war.
Was Hunger, Wut, Angst, Trauer und Schmerz waren, das wussten alle Anwesenden spätestens jetzt. Die Reise hatte einen ihrer grausamen Höhepunkte erreicht. Gemeinsam musste ein Weg zurück gefunden werden. Und gemeinsam würden sie einen finden, so die Worte des Kapitäns, dessen Augen seit jener stürmischen Nacht nervös zuckten. Sein Lachen wirkte deplatziert. Und, auch wenn ich es nicht für möglich gehalten hätte, von Angst erfüllt. Ein Murren, das sich schwer als zustimmend oder teilnahmslos zuordnen ließ ging durch die Gruppe verschiedenster Menschen.
Was die Natur und ihre Gewalt anrichten konnten, hatten alle miterlebt, deutlicher noch als jeder Winter der letzten Jahre es uns hatte zeigen können. Das wahre Grauen jedoch, lauerte in den Menschen selbst, wie ich bald herausfinden sollte.
Es dämmerte. Im Wald hinter uns waren plötzlich Stimmen zu hören. Schritte und das Klirren von eisenplattenverstärkter Rüstung näherten sich. Ohne Vorwarnung lachte der Kapitän erneut sein wunderliches Lachen, ich zuckte vor Schreck zusammen.

Viriea schlug die Augen auf. Vor ihr tänzelten Schatten im Waldrand, die ihr Bewegung vorgaukelten. Als aus wenigen Metern Entfernung das Schnarchen ihrer zwergischen Begleiterin ertönte, klärten sich ihre Gedanken allmählich. Hinter ihr war vertrautes Knacken von einem Lagerfeuer zu hören. Wenn sie sich umdrehte sah sie Thorkins Rücken. Gerade aufgerichtet und die Straße hinter ihnen fokussierend entging seiner Aufmerksamkeit nur Wenig, selbst im Dämmerlicht des Feuerscheins nicht. Sie musste sich unweigerlich fragen, wie sehr ihn die Vorkommnisse der letzten Tage beschäftigen mochten. Fetzen ihres Traums geisterten noch vor ihrem inneren Auge. Das Grauen, welches er durchlebt haben musste, mochte sie sich kaum ausmalen.
Hob sie ihren Blick, sah sie Amariels Haar im Licht des Feuers glänzen. Sie lag ihr abgewandt in ihrem Schlafsack zusammengerollt. Ihr Atem stieg ihn feinen Wölkchen auf. Die Kutsche stand unverändert in der Mitte des Pfades, den sie entlang reisten. Vom Kutscher und seinem unbekannten Mitreisenden war kein laut zu hören. Nicht weit davon entfernt Thora, von der das regelmäßige Schnarchen ausging. Sie schlief vor dem Eingang des Zeltes, in dem derjenige lag, der ein mal Andrasch gewesen sein mochte. Viriea wünschte sich im Stillen, dass auch er irgendwann wieder schnarchte, so ohrenbetäubend es auch für alle Anwesenden sein mochte. Dem Weg, der noch vor ihnen lag zugewandt, saß Irion, der sich gerade eine seiner Haarsträhnen aus dem Gesicht strich und eine Seite in dem Buch umblätterte, welches sie ihm aus der Kiste des Mantlers gegeben hatte.
Sie fühlte sich erschöpft. Die Reise war bisher ohne Zwischenfälle verlaufen, doch wie immer zerrte an ihr ein ungutes Gefühl. Sie zog ihren Schlafsack höher und vergrub ihre Nase so gut es ging darin, um vor der kalten Luft der Winternacht ein wenig geschützt zu sein. Einige Stunden bis Sonnenaufgang blieben ihr noch, also versuchte sie, die Gedanken in ihrem Kopf zum schweigen zu bringen, die Bilder des Traums zu vertreiben und erneut einzuschlafen.

View
Zweifel eines Magiers

Wo bin ich? Ein kurzer Blick reicht, um zu wissen, dass ich bei Matelus bin. Aber warum waren wir noch gleich hier? Ich schaue aufs Bett neben mir und erinnere mich wieder. Andrasch’s Zustand war schlechter geworden, sein Puls extrem niedrig und er hatte Atemaussetzer. Seine Adern standen hervor und schimmerten grünlich und er redete weitaus seltsamere Dinge als sonst schon. Die anderen waren auch alle da und standen um Andrasch und mich herum, mit Blicken, die ich nur als erwartungsvoll deuten konnte.
„Irion?“ sagt eine Stimme von der Seite und reißt mich aus meinen Gedanken. Vivi sieht mich leicht verwirrt an. „Was ist mit ihm?“. „Vermutlich eine Art Gift, zumindest wäre das meine erste Vermutung.“, sage ich. Falls es wirklich ein Gift ist, dann ist es mir unbekannt, was es mir schwer macht, zu entscheiden, was ich jetzt am besten machen sollte. Nach kurzem Überlegen beschließe ich, es mit einem Klarum Purum zu versuchen. Ich bitte die anderen um Ruhe und versuche mich zu konzentrieren. Doch für einige kurze Momente schleicht sich immer wieder die Angst ein, dass ich es nicht schaffe oder falsch liege. Und als dann der Klarum Purum zu wirken beginnt, spüre ich Panik in mir aufsteigen. Nichts! Es ist nichts passiert. Aber wie konnte das sein? War es etwa doch kein Gift gewesen? Aber was sollte es denn sonst sein? Endlose Gedanken schießen durch meinen Kopf, einzig und allein damit beschäftigt herauszufinden, was schief gelaufen ist. Doch so sehr ich auch nachdenke, es fällt mir nichts ein.
Mein Blick scheint Ausdruck genug zu sein, denn die anderen müssen nicht fragen, um zu wissen, dass der Zauber nicht funktioniert hat. „Kannst du es nicht einfach nochmal versuchen?“, fragt eine Stimme, die ich nicht direkt zuordnen kann. Schon beim ersten Mal war meine Konzentration schlechter als üblich und das nun auch mein Hände sichtbar zitterten, war in keiner Weise hilfreich. „Es hat schon beim ersten Mal nicht funktioniert, warum sollte es das also beim zweiten Mal tun?“, denke ich, aber beschließe, es lieber nicht zu sagen und schüttle stattdessen nur leicht den Kopf.
„Ist schon wer losgegegangen, um die Heilerin zu holen?“ frage ich in die Runde, aber die Erkenntnis, dass alle hier sind, hätte mir die Frage ersparen können. „Die ist immer noch nicht wieder da, hast du das vergessen?“,sagt Vivi. Vergessen nicht, aber die Hoffnung, dass es vielleicht anders wäre, hatte mich dann doch dazu gebracht zu fragen.
„Jetzt tut doch irgendwas verdammt.“, bricht es aus Thora raus, ihre Stimme klingt verzweifelt. Gibt es noch etwas, das ich nicht bereits versucht habe? „Haben wir noch die Phiole mit dem Antidot da, die die Heilerin uns gegeben hat?“. Ich sehe nur Verwirrung in den Gesichtern. „Was für eine Phiole?“.
Hatte ich mir das nur eingebildet? Nein, das konnte nicht sein. Ich war mir sicher, dass wir für den Notfall eine solche Phiole bekommen hatten. Ich schaue mich um, aber nirgends im Zimmer kann ich eine Phiole finden. Die Panik wird stärker, denn die Tatsache, dass Andrasch nun sterben wird, wird mir mit jeder Sekunde bewusster. Um mich herum wird es dunkel und alles verschwimmt. Meine Freunde schauen mich mit entsetzten, aber auch enttäuschten Gesichtern an. Ich habe versagt und meinetwegen stirbt Andrasch jetzt. Es dauert nicht lange bis dieser Gedanke der einzige ist, der übrig bleibt.

Auf einmal sitze ich aufrecht und leicht verschwitzt in einem Bett. Die Gedanken lassen mich noch immer nicht los und es dauert einige Minuten bis die Panik sich legt, mein Verstand wieder etwas klarer wird. Erst jetzt bemerke ich, dass ich in meinem Zimmer in der Taverne bin. Erleichtert stelle ich fest, dass es nur ein Alptraum war, Andrasch lebt also noch. Die Gefühle sind aber dennoch sehr präsent und so steigen Selbstzweifel in mir auf. Was wenn es Andrasch wieder schlechter geht? Könnte ich ihm dann helfen? Das letzte Mal habe ich versagt und nur weil die Heilerin geholfen hat, ist nichts schlimmeres passiert. Es ist noch mitten in der Nacht und so versuche ich, all das zu verdrängen, um noch ein wenig zu schlafen. Als ich am Morgen aufwache, bleiben für wenige Momente noch Fetzten des Traums, letztendliches aber nur noch ein ungutes Gefühl zurück. Im Verlauf der nächsten Tage vergesse ich den Traum wieder.

Seitdem sind 4 Tage vergangen und es sieht so aus, als könnten wir bald mit dem Kutscher und Andrasch zum Logar-Kloster fahren, in der Hoffnung, dort könne uns jemand helfen. Deshalb beschließe ich, mir Andrasch noch einmal anzusehen und wenn möglich, das Gift zu entfernen, damit wir für die Reise vorbereitet sind. Immer noch unsicher, ob ich alleine in der Lage dazu bin, gehen Amariel und ich los, um die Heilerin zu holen. Es hat stark geschneit und so dauert es einige Zeit, bis wir am Laden ankommen, nur um festzustellen, dass sie nicht da ist. Wir gehen zurück zum Tempel und ich versuche mich innerlich vorzubereiten. „Nach dem Essen werde ich mir Andrasch ansehen und alles wird gutgehen“, sage ich mir in Gedanken einige Male. Auch wenn ich alleine bin.
Wir stehen nun im Zimmer um Andrasch versammelt. Zwar lassen sich bei genauem Betrachten die selben Symptome wie beim letzten Mal erkennen, sind sie momentan aber noch deutlich schwächer ausgeprägt. Zumindest etwas, das mir Hoffnung gibt. Ich hole ein letztes Mal tief Luft und sehe mich noch einmal um. Ich stehe vor Andrasch, um mich herum meine Freunde, die mich erwartungsvoll ansehen, als mich plötzlich eine Flut aus Gedanken mit reißt. So klar, wie selbst nach dem Aufwachen nicht, spielt sich der Albtraum ein weiteres Mal vor mir ab. Jedes Bild und jede Emotion. Der Versuch, mich zusammen zu reißen, scheitert und so durchlebe ich den Traum ein weiteres Mal.
„Irion?“. Zwar konnte ich in Gedanken vertieft die Stimme nicht zuordnen, muss aber trotzdem nicht nachdenken, um zu wissen wer es war. Ich drehe mich um und meine ungute Vermutung bestätigt sich. Vivi! Wieder versinke ich in Gedanken und die Angst, der Traum könnte sich bewahrheiten, wird stärker. Bilder aus der Realität und dem Traum verschmelzen und für kurze Zeit kann ich in den Gesichtern meiner Freunde nur Abscheu und Enttäuschung erkennen. Ich schäme mich für meine Unfähigkeit und gerade, als das Gefühl droht, die Oberhand zu übernehmen, spüre ich plötzlich eine große Hand auf meinen Schultern. Torkin hat wohl das leichte Zittern bemerkt, und sieht mich nun mit einem Blick an, für den ich einige Momente brauche, um ihn zu deuten. Zu Anfang sehe ich noch immer Enttäuschung, doch als ich genauer hinsehe, stellte ich fest, dass es etwas anderes ist. Klarheit kehrt in meinen Gedanken ein und ich weiß, was er mir mit seinem Blick sagen will. Glaub an dich, denn wir tun es auch.
Ich drehe mich zu Andrasch um, hole ein letztes Mal tief Luft und beginne, den Klarum Purum zu wirken. Es dauert ein paar Minuten, doch schließlich entziehe ich ihm eine klare Flüssigkeit mit wenigen grünen Partikeln und nur wenig später sieht er schon wieder etwas besser aus.
Als ich mich danach umdrehe, sehe ich meine Freunde und flüstere leise „Danke!“. Denn ich bin nicht allein.

View
Der Schlangenberg
Abenteuer in Helmark

Die Helden reisten weiter, ließen die Tochter des Barons, der auch der Baron von Grautann war, wie sie später erst feststellen sollten, bei ihrem Vater und zogen weiter Richtung Helmark. Helmark war die nächstgelegene Stadt und man musste dringen Vorräte aufstocken und jeder der Helden, Amariel mal ausgenommen, sehnte sich nach etwas ungezwungener Atmosphäre.
Bald traf die junge Gruppe auf noch weitere Reisende, die auch auf dem Weg nach Helmark waren. Ihre Namen waren Athovar Avenhardt und Martellus Jarelon. Zwei reisende Freunde, die entscheidenen Anteil daran haben sollten, dass unser Rudel so zusammen blieb, wie sie es später taten…

Auf der Suche nach Hinweisen zu dem merkwürdig ausgesaugten Reiter, lernten die Helden bald alle Bewohner des überschaubaren Dorfes kennen. Rattenprobleme wurden beseitigt und Kontakte geknüpft, darunter Salia, die Kräuterkundige, die außerhalb des Dorfes lebte, und Meleck, ein offensichtlich erfahrener Wachmann. Martellus hatte ihnen ein Angebot gemacht, gegen eine ansehnliche Entlohnung als Eskorte zu einem Ort mit Namen Schlangenberg zu dienen. Die als Bedenkzeit verbleibenden Tage vertrieben sie sich unter anderem mit der nicht so lautlos wie gewünschten Jagd auf einen Oger in der Nähe, der Erkundung des Hügels mit der Henkerseiche, sehr zum Misfallen von Thorkin, wo sie auf einen verwirrten Geist stießen und dem Nachjagen eines verschwindenden Streuners. Auch ein auffällig langer Aufenthalt der Thorwalerin im Praiostempel gehörte zum Zeitvertreib.
Der sich ebenfalls in Helmark aufhaltende, selbst ernannte Seemann Hinnerk brachte vor allem dem Magier und der Elfe eine nicht ungehörige Portion Skepsis, wenn nicht sogar Abscheu entgegen. Letztendlich ließen sich jedoch alle zusammen vom vielversprechenden Angebot des Hesindegeweihten überzeugen, gemeinsam gen Herzwald aufzubrechen.

Der Herzwald
Doch dann kam alles anders als geplant Der Herzwald selbst war nicht schwer zu finden, der Schlangenberg jedoch, obwohl man ihn stets sehen konnte, schien sich den Suchenden zu verwehren. Immer wieder kletterte Amariel in die Bäume um die Richtung zu weisen, doch näher kamen die Reisenden ihm nicht. Auf einmal tat sich zwischen zwei Bäumen ein Pfad auf an dessen Ende ein Mann stand. mit brauner Kleidung bedeckt, die nur aus dem Bestand was die Natur hergab, baren Fußes über den Waldboden schreitend und ein VOgelnest auf dem Kopf tragend. “Ich bin Gareon, und solang ihr hier in meinem Wald seid, haltet ihr euch besser an meine Regeln.” Der Druid war nicht der einzige der in diesm Wald leben sollte und die Gruppe nahm seine Regeln entgegen und versprach kein Feuer zu schüren in diesem Wald, auf das nicht verbrenne. Doch helfen wollte der Mann ihnen auch nicht – jedoch gab er ihnen noch die Bitte mit auf dem Weg nach seinem Freund Antalor ausschau zu halten, denn er hätte ihn aus den Augen verloren. Dass Antalor ein Einhorn sein sollte, würde den Helden sicher niemand glauben, vor allem nicht wenn Andrasch der erste sein würde – und er würde der erste sein – der es erzählte. Die Helden irrten weiter durch den Wald und stellten sich seinen Gefahren und Mysterien. Von Kämpfen gegen Rieseneulen bis zu einer mysteriösen Ente war so ziemlich alles mal auf dem Tagesplan. Und auch Antalor fanden die Helden. Oder ehr das, was von dem armen Wesen übrig geblieben war. EIn Schauer fuhr durch alle Anwesenden als sie den ausgebluteten Leichnahm des wohl einst prächtigen Wesens fanden. Und jäh musste man sich daran erinnern, was man neulich bereits gesehen hatte. Noch jemand anders war ausgesaugt worden – ein Reiter südliches des Passes nach Helmark. War das übel etwa bis hierhin gekommen?
Mit mulmigem Gefühl mussten die Helden schlafen gehen und das Gefühl sollte sich bewahrheiten. Niemand weiß, was passiert wäre Torkin nicht aufgepasst hätte, wie er es tat, denn des Nachts sollte der Schatten des Unheils auch sie heimsuchen…
Die Helden hatte ein Feuer gemacht und Torkin hielt zusammen mit Hinnerk Wache, als plötzlich die Luft etwas kälter wurde. Als Torkin zum Feuer schaute um neues Holz nachzulegen da sah er es: Ein Schatten hatte sich über Amariel gebeugt und schien ihr gradezu die Seele aus dem Leib zu saugen. Heldenhaft und ohne eine Idee was der Feind sein könnte stürtzt sich Torkin auf den Schatten und fiel gradewegs durch ihn hindurch. Auch Hinnerk zog in seiner Not die Säbel und griff den unnahbaren Feind an. Der Schatten jedoch ließ von Amariel ab und zog sich als bald in die Wälder zurück. Als auch die anderen erwachten, erzählte die Wachenden ihnen vom Schatten und Amariels Blässe verriet, dass sie die Wahrheit erzählt hatten. Schließlich wachte die Elfe in Torkins Armen auf und man spührte, dass ihr der Schatten zugesetzt hatte, doch die Reise musste weiter gehen denn Athovar hatte Orkspuren gefunden und man wollte nicht länger an einem Ort bleiben als nötig..

Ins Herz des Waldes

Die Helden zogen weiter und mussten sich in den folgenden Tagen, nicht nur mit den gefahrvollen Räubern des Waldes – zum Beispiel den furcheinflößenden Schädeleulen, sondern auch mit Orientierungslosigkeit und gleich zwei kaputten Kompassen (das ist bestimmt der richtige Plural) auseinander setzen. Am vierten Tag ihrer Reise hörten sie auf einmal Kampfeslärm. Andrasch, Hinnerk, Amariel und Vivi zogen ihre Waffen. Torkin grunzte und hielt Ausschau nach Spuren, die ihnen mehr über die Kampfbeteidigten verraten konnten. Sie bewegten sich rasch und lautlos Richtung Lärm.
Noch einen Schritt. Und dann noch einen. Vor Ihnen lag eine Lichtung, Pfeile surrten durch die Luft. Schreie und aufeinander treffende Schwerter. “Vivi bleib hinter mir.” Torkin und Hinnerk hatten die Lage bereits eingeschätzt. Orks kämpften hier. Gegen wen sie kämpften vermochten sie nicht zu sagen, aber wer auch immer es war, brauchte Hilfe.
Doch Vivi war verschwunden. “Sie ist da lang,” zischte Amariel, und zeigte direkt ins Gebüsch, dass um die Lichtung herumführte.

Der Kampf dauerte nicht lange an. Als Hinnerk und Torkin im Kampfgetümmel ankamen, hatten Amariels präziesen Pfeile bereits zwei der Gegner nieder gestreckt. Vivi hatte sich von hinten an die Bogenschützen herangeschlichen und ihrerseits einen ausgeschaltet. Irions Aufmerksamkeit derweil hatte sich auf etwas anderes gerichtet: Magie! Hier war Magie im Spiel! Irion hatte das kleine weiße Licht am Rande der Lichtung schon früher bemerkt, doch erst für eine Spiegelung gehalten. Jetzt jedoch war er sich sicher, dass es sich hin und her bewegte.
HINEEEERK!” Torkin drehte sich um und Amariel brachte den Schützen zu Fall der Hinnerk getroffen hatte. Aus seiner Schulter ragte ein schwarzbefiederter Pfeil hervor. Kurz darauf verlor er das Bewusstsein… Man schaute sich auf dem Schlachfeld um. Es gab viele Verletzte , die restlichen Orks waren geflohen, Athovar verfolgte sie noch ein Stück, kam dann aber bald zurück um nach Martelus zu sehen. Amariel und Irion eilten zu den Verletzten. Amariel wusste es bereits. Hier hatte Elfen gekämpft.

Ein junger und ein alter Elf lagen verletzt auf einem Stein, die meisten anderen waren tot. Das kleine Licht schwebte über Ihnen.

Irion und Amariell machten sich sogleich daran die verletzten zu heilen oder zumindest zu versorgen. Auch ihre Kräfte waren geschwächt. Plötzlich fing das kleine Licht an zu sprechen, und aus dem schimmernden Ball wurde ein kleines Wesen. Eine Fee! Mit Flügelchen wie ein Schmetterling, grade mal so groß wie Torkins Handfläche. “Bitte! helft meinem Freund! Alleine schafft er es nicht. Bitte, er darf noch nicht sterben!” piepste die Fee. Amariell hatte wie selbst verständlich gehandelt, und auch für Irion gab es keine Frage, dass die Verletzten zu behandeln waren, eigene Kraft hin oder her. Andrasch und Vivii standen stirnrunzelnd daneben, Torkin hockte besorgt über Hinnerk.

Irion wischte sich den Schweiß von der Stirn, der letzte von Ihnen war stabilisiert. “Ich bin Glimmer. Wie sind eure Namen Großlinge?” stellte sich die Fee nun vor. Reih um wurden Namen genannt – die meisten davon stimmten. “Folgt mir”, sprach Glimmer, “ich führe euch in unsere Heimat, dort können die Verletzten geheilt werden.” Andrasch guckte voller Abscheu: “Sind sie nicht grade geheilt worden? Das ist doch ein billiger Trick um uns in eure Baumstadt zu entführen!” Glimmer rümpfte die Nase: “Und du stinkst!”.
Irion erkläre Andrasch dann etwas sachlicher die Lage: “Die Orkpfeile. Sie waren vergiftet, wir haben Glück die Hilfe dieses zarten Wesens angeboten zu bekommen, wenn sie einen Weg kennt, das Gift zu heilen, dann sollten wir ihn nicht ungenutzt lassen!” Außerdem war Irion aufgeregt. Er wusste um die Verschwiegenheit der Elfen. Niemand durfte ihre Heimat betreten. Normalerweise…

Unter Elfen

View
Virieas betrunkene Monologe - Teil 1
- bitte mit ordentlichem Lallen lesen -

Viriea in einer Schenke mit einem im Saufkoma liegendem Tischgenossen

„Ja, ja! Noch ein Bier, bitte! Wie? Ach, macht einfach eine Strichliste!
Wisst Ihr was das Tolle daran ist, kein Ziel zu haben? Man erlebt die unglaublichsten Dinge, trifft die seltsamsten Leute und sieht die Welt, wie sie wohl nur Wenige zu Gesicht bekommen.
Ich bin Thorwalerin – oder war es mal… irgendwie. Jetzt bin ich seit geraumer Zeit auf Reisen und schon weit herumgekommen in den nördlichen Landen. Zumindest dachte ich das.
Dabei sind mir ein paar merkwürdige Gestalten über den Weg gelaufen – und dabei meine ich nicht, was sich so in den Unterstädten und dunklen Gassen herumtreibt.
Eine seltsame Gruppierung von Personen hat sich um mich herum gebildet. Oder irgendwie bin ich dort hineingeraten, wie man’s nimmt. Irgendwann nahm man einfach an, man würde sich wiedersehen, wie gesagt, wirklich merkwürdige Leute…
Eine Elfe, ein Gildenmagier, ein Gjalskerländer auf Umwegen und immer mal wieder ein kampfwütiger Zwerg. Wo auf der Welt findet man eine solche Zusammenstellung? Wir – ich!- wurde als Geleitschutz für eine Baronstochter angeheuert, ist das zu fassen? Die Tochter des Barons von Donnerbach haben wir nicht nur vor Ghulen gerettet, sondern auch noch wohlbehalten nach hause bringen können. Na ja, ihr Leibwächter hat den Zwischenfall nicht so gut überstanden, damals, die Ghule… wie dem auch sei! Einen Toast auf den armen Kerl, prost!
Und ein dankbarer Baron ist ein guter Baron, oh ja, das ist er! Noch nie in meinem Leben hab’ ich in einem so luxuriösem Bett schlafen, mich so extravagant kleiden oder so verdammt gut essen können. Und dieses Bier erst! Man ist es gewohnt, draußen unter Bäumen und zwischen Pflanzen zu schlafen, wie so viele Reisende. Aber dieser Baron! Er hatte sogar den Pflanzen ein Dach über dem Kopf gebaut! Was würde ich dafür geben … Da standen Wasserpfeifen und Rauchkraut, die bequemsten Flechtstühle, die ich je gesehen habe, einfach so herum. Jeder konnte sich setzen, jeder der wollte konnte Rauchen. Hunger kam gar nicht erst auf, bei den Ausmaßen der Buffets die angerichtet wurden, quasi den ganzen Tag über. Habt ihr euch schon einmal vom Essen erholen müssen?
Bei Swafnir – Ihr hättet Torkin sehen sollen in seinem maßgeschneiderten Anzug! Zum Brüllen, dieser Muskelberg mit Rüschen und viel zu hohem Kragen! Ha… es war großartig. Auch Amariel und Irion wurden eingekleidet, ich ebenso. Von diesem ulkigen Kobold, der sich da herumtrieb. Er tauchte einfach auf, nahm Maß und schneiderte jedem Ballkleidung. Die spinnen doch alle. Aber was Kleidung so ausmacht…
Ehe man sich versieht ist man bei Versammlungen dabei, in denen über riesigen Reichtum, Land und Besitztümer entschieden wird. Politik, versteht ihr? Das ich so was mal erleben würde! Wobei, da sind auch einige seltsame Leute dabei. Dieser Geweihte mit seiner Tättowierung, irgendwann wurde er schon irgendwie unheimlich. Oh – und Martha! Uäh, dieses Mädchen konnte ihren Mund auch nie halten. Dabei schien sie nicht mal Ahnung zu haben, was sie eigentlich tut. Ausgewürfelt soll sie ihren Besitz haben! Ich wünschte ich könnte auch so leichtfertig über Ländereien entscheiden Och – dies und das hätte ihr gerne. Aber eigentlich ist es mir egal, gebt mir einfach IRGENDwas! Und dann kriegt sie was. Ich versteh’s nicht. Nun ja, darauf ein Bier! Wollt ihr auch noch? Hallo? Na, dann eben nicht. Wo war ich?
Diese reichen Leute geizen nicht bei Festen, glaubt mir. Haha … ah, entschuldigt. Wisst Ihr, was man an Magierakademien auch lehren sollte? Tanzen, oh ja! Obwohl, nein, besser doch nicht – sonst wäre mir ein urkomischer Anblick nicht vergönnt gewesen.Was für ein Fest. Was man nicht alles tut, um Wohlständige zu beeindrucken.
Oh, genau! Davor war dann auch noch eine großspurig angekündigte Fuchsjagd. Ich hab’ keine Ahnung von solcherlei Dingen, aber es schien ein anerkanntes Spektakel zu sein unter reichen Leuten. Ooooh, aber wie sie alle geschaut haben, als keiner von ihnen etwas vor die Flinte bekam. Unsere Amariel hat es nicht so gerne, wenn Tiere zum Spaß getötet werden, wisst Ihr? Und schon hieß es, böses Omen hier, großes Unglück da – diese Narren.
Es ist richtig bitter, nach so viel Wohlstand, den man selbst einmal erfahren hat, wieder hinaus in die Wildnis zu gehen und zu schauen, wohin der Wind einen trägt. Wie ein Traum, der einem unwirklicher vorkommt, je mehr Tage vergehen und je mehr Schritte getan wurden.
Aber nun, so ging die Reise weiter. Auch andere – sogar solche, die eine klare Richtung eingeschlagen haben – können ähnlich kurioses erleben, auch wenn sie sicher anderes geplant hatten. So begegnete uns – bei den Winden, ich sage tatsächlich „uns“ mittlerweile, haha! – ein Seemann, Hinnek. Sein Kompass war kaputt. Hat ihn ganz von Havena bis in diese Gegend geführt – und schon geriet er in unsere Schicksale hinein. So wie wir in seines – Verflucht, das sind aber kleine Bierkrüge hier, oder? Nich? Na was soll’s – Aber das ist eine andere Geschichte. ..“

View
Das Consilium destributio regiones
Abenteuer auf Burg Tannfels

Abenteuer auf Burg Tannfels

Eine traumatisierte Adelige im Gepäck, die noch zuhause abgeliefert werden musste der noch Geleitschutz bis nach Hause gewährt werden sollte, machte sich die frischgebackene Heldengruppe auf den Weg zur Sommerresidenz des Barons Ulrich von Hornhagen, dem Vater Ilorens, zu dem Amariel und Irion zufälligerweise auch in eigener Sache unterwegs waren. Grund war das “Consilium destributio Regiones”, eine Versammlung mächtiger Herren, die über den Besitz der umliegenden Regionen verhandelten. Irion war dort als abgesandter der Akademie zu Donnerbach und Amariel als Vertreterin der dort lebenden Elfensippen.

Das Gut war etwa eine Woche auf Schusters Rappen von der Schenke entfernt und lag oberhalb des kleineren Dorfes Tannfels, von welchem aus ein serpentinenartiger Pfad hoch auf die Burg führte. Diese war wahrlich das eindrucksvollste, was die Meisten der Helden an Gebäuden je zu Gesicht bekommen hatten: Eine Mauer umschloss das ganze Grundstück, welches die Burg, die Nebengebäude und die Gartenanlage drumherum einschloss.

Die Helden wurden von einem Untergebenen empfangen und jedem wurde ein Zimmer gezeigt, in dem er sich aufhalten und schlafen konnte. Abends sollte es ein Dankesessen für die Rettung der Baronstochter geben (welche sich nach ihrer Ankunft, schnell in ihre Gemächer verzog) und bis dahin konnten sich die Helden etwas auf dem Gelände umsehen. Ehrfürchtig sahen sie sich im Empfangsaal um. Ein riesiger mit Steinplatten gepflasterter Raum den Rechts und Links auf halber Höhe eine Galerie umfasste, die man über die große Haupttreppe in der Mitte erreichen konnte. Sowohl auf Höhe der Galerie wie auch darunter, hingen Gemälde, die ehmalige oder amtierende Politiker oder historische Figuren aus der Famielie der Hornhagens, wie die Gründerin der Graumark, zeigten. Neben dem Empfangssaal gab es noch viele kleine Räume und Gänge, einen Wintergarten, den großen Thronsaal, die Gemächer der hohen Herrschaften sowie Arbeitsräume, eine Bibliothek, Bäder, eine große Küche, Gesindekammern und vieles mehr. Vor allem im Wintergarten, wo stets Rauchkraut und Wasserpfeife, so wie Korbstühle bereit standen um es sich gemütlich zu machen.

Nachdem jeder sein Zimmer gesehen und die Umgebung seinem Charakter entsprechend erkundet hatte, war es bald auch schon Abend und die Helden und anderen Gäste auf der Burg versammelten sich beim Festessen im Thronsaal. Bereits jetzt konnten die Helden verschiedene Teilnehmer der später folgenden Versammlungen kennen lernen, zu denen auch Amariel und Irion unterwegs gewesen waren. Zudem fanden sich noch dutzende hohe Herrschaften und Hofdamen ein, die nur dem Festessen und der Jagd am nächsten Tage beiwohnen wollten, nicht aber zum Consilium gehörten

Es wurde getanzt, gelacht, gegessen, gesungen und sich unterhalten… Jeder wie er konnte.

Der nächste Tag verlief gemütlich, es wurde gegessen und sich ausgetauscht. Marta von Donnerbach, Kelo Rabelnlieb und Kragax, Abgesandter der Lowanger Schwarzmagier trafen ein und Abends sollte eine Jagd stattfinden.

Amariel jedoch, der die Tiere des Waldes am Herzen lagen, schlich sich mit Torkin zusammen vorher in den Wald um die Tiere zu warnen. So rief sie einen Vertreter jeder Art zu sich, und trug ihm auf, die anderen zu Warnen, auf dass die Jagd erfolglos sei.
Zuvor hatte sie einen Traum gehabt, in dem ihr ein weißer Hirsch erschienen war. Doch so sehr sie auch im Wald nach ihm suchte, Torkin befragte für sie sogar die Geister, sie konnten ihn hier nicht finden.

Als die Jagd später stattfand, und die hohen Herrschaften, Schaulustigen und Jäger sich versammelt hatten, da wohnten auch die Helden der Gesellschaft bei. Einzig Virieia blieb zurück im Schloss, um ihrerseits zu jagen sich ein bisschen aus zu ruhen.

Die Jagd war erfolglos. Kein einzig Tier zeigte sich den enttäuschten Jägern. So etwas hatte es noch nie gegeben! Entäuscht und ängstlich, Firun, der Gott der Jagd, würde sie strafen, löste sich die Gesellschaft bald auf. Der Baron und seine Angehörigen gingen früh schlafen, denn man schämte sich, keine Trophäe vorzeigen zu können. Außerdem war am nächsten Tag das so wichtige Consilium destributio Regiones, für welches man ausgeschlafen sein wollte…

Das Consilium Destributio Regiones

Amariel schaute sich flehend zu Irion um. Der vernarbte Zwerg saß mit dickköpfigem Gesichtsausdruck den beiden Gegenüber. Der Abgesandte des Fürsten von Donnerbach, Herr von Rabenlieb, hatte die Verhandlungen bereits nachmittags verlassen. Niemand außer ihm war an den Gras und Weidelandflächen interessiert gewesen, die den donnerbacher Bauern als Lebensgrundlage dienten und es stand außer Frage, dass es nicht im Sinne der Verhandlung lag, den Bauern diese zu entziehen. Die beiden bemantelten Novizen hinter dem Zwergenmagier flüsterten sich etwas zu und berieten sich mit ihrem Vorgesetzten. Marta von Donnerbach hatte das Gespräch so weit aufmerksam belauscht. " [:kragax-sohn-des-garoschim | Kragax, Sohn des Garoschim], richtig?" Der Zwerg schaute sich brummend zu ihr um. “Wieso erzählt ihr den Anwesenden nicht von der Silberader, die neulich im Grautodbuckel gefunden wurde? Ist sie nicht der Grund, dass ihr so scharf auf den alten Berg seid?” Kragax wirkte ertappt und guckte böse. “Schön”, entgegnete er, "_Ich bin bereit auf all meine anderen Ansprüche auf Gebiete zu verzichten. Glaubt ihr mir dann, dass ich den Berg auch aus emotionalen Gründen möchte?. Niemals ist der Besitz der Gebiete die ich hiermit aufgebe mehr wert, als irgendwelches Silber, dass erst noch unter großen Gefahren geborgen werden müsste."

Amariel verstand nicht, warum überhaupt darüber diskutiert wurde:
Menschen und Zwerge, ihr seid alle gleich! Kein Silber der Welt mag aufwiegen, welchen Fehler ihr begeht, wenn ihr den alten Berg weckt. Das Zerzal des Berges wird euch verzehren, noch bevor ihr ihn betreten könnt

Irion schaute zu Amariel herüber. Er glaubte ihr, was sie über den Berg erzählte und übersetzte für die Anwesenden: “Zerzal ist Isdira und steht für die Macht des Verfalls und des Todes. Es ist nicht auszudenken, welche Gefahren dort schlafen könnten. Die Elfensippen der dortigen Umgebung sind die einzigen, die sich damit auskennen._” Irion überlegte kurz und fügte dann hinzu:
“_Und wenn ihr meine fachkundige Meinung hören wollt, es wäre unverantwortlich und töricht ein solches Risiko für die Umgebung des Gebietes ein zu gehen.
"
Irion war es nicht gewohnt förmlich zu reden, doch er gab sich alle Mühe. Immerhin war es auch im Interesse seiner Akademie, dass nicht irgendwelche Zwerge die Ausläufer der Salamandersteine unsicher machten. Er und die anderen MItglieder seiner Akademie kannten die Elfen, wie kaum jemand in Aventurien. Und wenn er eins wusste, dann war es, dass man keinen Krieg mit Ihnen anfangen wollte, und dass es einen geben würde, wenn der Zwerg tatsächlich mit einer Zwergensippe oder Menschen in den Berg ziehen würde. Schon allein weil sie hierfür Elfengebiet durchqueren müssten.

Die Verhandlungen zogen sich noch den ganzen Tag. Marta von Donnerbach erstand einen kleinen Fleck im Forschungsbereich der Akademie zu Donnerbach, was Irion störte. Amariel und Kragax wurden sich bis zum Ende nicht einig. Am Ende musste der Baron entscheiden. Und er entschied sich für den Zwerg. Welche Folgen das jedoch für die Geschichte Aventuriens haben sollte, wird in einer anderen Geschichte erzählt.

View
Händler, Hühner, Hasenfreunde
Zwischenspiel nach der Schenke zum Singenden Schwert

Den Göttern sei Dank, vergingen die Namenlosen Tage auch dieses Jahr und am 1. Praios des neuen Jahres 1029 nach dem Fall Bosparans, zeigte sich die Praiosscheibe und kündete vom Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Die Nacht der Schrecken und die darauffolgenden Nächte ohne Ruhe- dafür mit vielen Alpträumen- lagen nun in der Vergangenheit. Nolan und Halia versuchten das Leben in der Schenke fort zu führen so gut es eben ging, und bald schon bot sich eine wundervolle Gelegenheit, um sich von den Schrecken der Vergangenheit abzulenken:

Eine Händlerkarawane aus dem Bornland traf ein, und Nolan und Halia verwendeten all ihre Gedanken darauf alte Ware los zu werden und Neues anzukaufen. Vorräte wurden aufgestockt, und die Funde aus dem Keller der Schänke verkauft. Auch die Helden mischten sich ins Getümmel und machten Schnäpchen und verkauften Dinge, die sie zu Geld machen wollten…

Nur Amariel stand etwas abseits und beobachtete das Ganze aus sicherer Entfernung:

“Halia, erklär mir das noch mal: Wieso tauschen Menschen, die nicht mal schmieden können, Metal gegen Nahrung? Sie können doch mit dem Metal überhaupt nichts anfangen!” – gemeint war das Geld, für welches Nolan so eben Vorräte erstanden hatte.
Halia suchte verwirrt Metal auf den Wagen aber Amariel hatte schon wieder etwas ganz anderes entdeckt:. Hühner. Hühner in Käfigen. Wenn es etwas gab, das den Elfen viel bedeutete, dann war es die Freiheit. Sie wurde wütend und ging nun auf die ältere bornländische Händlerin zu, die bei den Hühnern stand. “Entschuldigen Sie, junge Dame, ich werde diese Hühner jetzt freilassen.”
Irion hatte ihr einmal erklärt, dass Menschen immer sagten, was sie taten, bevor sie es taten. Amariel verstand das zwar nicht, aber da sie ja jetzt gesagt hatte, was sie tun würde, würde es bestimmt niemanden stören, wenn sie die eingesperrten Tiere wieder in die Natur entließe. Gesagt getan:

Sie ging zum Käfig und zog ihren Speer, um ihn aufzuhebeln.
Die Bornländerin fuchtelte wild mit den Händen. Hatte sie sich verletzt? Sie fing auch an, laut Dinge von sich zu geben, doch Amariel konnte ihren Akzent nicht verstehen.
Nun ja, Menschen in Not, wollte geholfen werden, also – ganz die nette Person die sie war – legte sie den Speer zunächst bei Seite und ging jetzt auf die Dame zu, um mal nach dem Rechten zu sehen. Amariel lächelte die Frau an, um zu zeigen, dass sie freundlich gesinnt war, doch die Dame schaute nur grimmig zurück, zeigte auf die Hühner und schüttelte den Kopf.

Amariel war verwirrt, doch die Frau hatte aufgehört zu gestikulieren, und schien außerdem genau wie sie, sehr uneinverstanden damit zu sein, dass die Hühner dort in Käfigen hockten. Amariel war erfreut eine Verbündete gefunden zu haben und drehte sich wieder um, um die Hühner nun entgültig zu befreien…

Irion war die Misskommunikation aufgefallen und er tat sein bestes, um zwischen den Beiden zu vermitteln. Auf der einen Seite Amariel, die unmissverständlich klar gemacht hatte, dass sie die Hühner nun befreien würde und auf der anderen Seite die Händlerin, die versuchte mit Amariel einen Preis auszuhandeln – auch wenn Amariel davon nichts mitbekommen hatte. Irion seufzte und bezahlte die Hühner bei der aufgebrachten Händlerin, die behauptete Amariel hätte sie außerdem mit dem Speer bedroht! Schließlich kamen auch Nolan und Halia dazu und Amariel konnte Halia davon überzeugen die Hühner als Erweiterung der Schänke aufzunehmen.

“Lass den Kiindern ihren Kopf” dachte Irion und sogar Nolan ließ sich breit schlagen (und zahlte Irion die Hühner zurück). Und so kam die Schenke zum singenden Schwert zu ein paar Hühnern.
Bald schon zog die Händlerkarawane weiter….

Es dauerte noch einen Tag, bis die Helden ihre 7 Sachen zusammen gesammelt hatte und am Abend des nächsten Tages, Andrasch und Torkin waren grade draußen um einen kleinen Übungskampf zu bestreiten, nährte sich der Schänke eine Gestalt. Vivi sah sie als erstes: sie war in braune Fellumhänge gekleidet, ein langer zotteliger Bart quoll unter einer Kapuze hervor, und unter seinem Arm, trug die Person einen Hasen.
Als auch die anderen den Neuankömmling bemerkt hatten, brachten sie sich in Bereitschaft – immerhin war man von den Namenlosen Tagen noch das Schlimmste gewohnt. Doch der Mann schien unbeirrt und kam über die kleine Brücke bis auf den Vorhof der Schänke. Er schaute sich um und fragte dann mit ruhiger Stimme Nolan: “Guter Mann, habt ihr eine Feuerstelle und einen Topf, den ich benutzen dürfte?”. Nolan guckte verwirrt. Das war nicht grade die Frage gewesen, die er erwartet hatte, jedoch wollte er dem Fremden nicht das Traviarecht ausschlagen und nickte. Der Mann, weiiterhin die anderen kaum beachtend, folge Nolan mit dem Hasen in die Küche. Dort angekommen setzte er Wasser auf und schnibbelte Kräuter klein. Alle waren sich einig, dass es bald Hasensuppe geben würde und Amariel wollte schon einschreiten, da legte der Mann den Hasen auf den Tisch und… und verband ihn. Er hatte dem Hasen einen Verband getränkt in Kräutersud um den Hinterlauf gelegt, an dem nun deutlich zu erkennen war, dass der Hase keineswegs tot war, viel mehr an Schmerzen leiden musste. Auf jegliche Versuche ein Gespräch zu führen, reagierte der Mann kurz angebunden und schließlich, als er getan hatte, was er wollte, machte er sich auf den Rückweeg zum Wald. “Firun schütze euch” murmelte ehr zum Abschied, bevor er wieder in den Wald verschwand…

—> Was danach geschah

View
Die Schenke zum singenden Schwert, Zusammenfassung
Die Ereignisse um die Schänke

Die Helden erlebten in der Schänke eine Nacht des Schreckens. Aus dem Keller krochen Kreaturen unsagbarer Finsternis und auch die Umgebung um die Schenke schien sich in dieser Nacht verwandelt zu haben. Überall erhoben sich die Toten um sich an den Lebenden zu rächen. Schließlich entführten die Wesen die Tochter der Wirts Halia und die Gefährten beschlossen kurzum nunmehr nicht abzuwarten sonden in den Keller vor zu dringen, um die Tochter zu befreien, bevor sie gefressen wurde. Zuvor eröffnete ihnen der Wirt Nolan, dass er einen alten “Schuldschein” seines Ohms besitze, der die Schenke vorher geleitet habe. Der Schuldschein jedoch stellte sich als Warnung heraus. Eine Warnung davor die Schenke an einem Tag im Jahr zu verlassen und den Keller zu verriegeln. Dieser Tag war heute.

Im Keller der Schenke führe die Blutspur der Kleinen als bald durch eine als Wand getarnte Geheimtür, nicht lange gefackelt da fand Vivi diese und die Verfolgung konnte weiter gehen. Neben der Dunkelheit dem Wasser, der Beengtheit, sowie Ratten und Amöben, erschwerten vor allem die Ghule das Vorankommen, da sie immer wieder aus dem Hinterhalt angriffen um auf zurückgebliebene Gruppenmitglieder zu zielen. Auch die hysterisch Ilorien von Grautann was nicht grade hilfreich bei einem geplannten Vorgehen.

Schließlich fanden die Helden in den Katakomben eine zerschlagene Tür, auf der ehrmals das Siegel des Herrn Praios trachtete, nun nichts weiter als ein alter, zerkratzter Stein.

Auf dem Weg hinab, durch eine Wendeltreppe, kam den Helden bereits der Geruch von Verwesung und Tod entgegen und schließlich klang eine dunkle, machtvolle Stimme durch die Hallen, welche sie freundlichst aufforderte, ihr – Nebain – dem Nekromanten des Zirkels der 7 – ihre Lebenskräfte vorbeizubringen.

Da die Helden damit höchst uneinverstanden waren, beseitigten sie gemeinsam mit Andrasch und der Praiotin Antissa Daralos die knöchernden Schergen des Nekromanten und standen ihm am Ende höchstselbst gegenüber.

(Was die Helden noch in den Tiefen der Keller fanden, und welche Rolle Praios spielte, können Sie hier erfahren)

Ein Schrecken aus alter Zeit: In eine dunkle Robe gehüllt, einen riesiegen Zauberstab umgreifend, und dutzende Sklette, sowie Ghule und einen Frostghul befehligend.

In einem spektakulären Kampf mit vielen Verlusten und Praios Beistand gelang es den Helden schließlich den Magier zu vertreiben, dessen Überreste jedoch verschwanden Spurlos…—

—> Was dann geschah

View
Die Schenke zum singenden Schwert, Kapitel 6
Gebrochenes Licht, Teil 3

Der Ort bereitete mir noch immer Unbehagen. Selbst jetzt, nachdem der Knochenschänder zerstört war, (Und war er das wirklich?) hatte die Dunkelheit ihre widernatürliche Schwere nicht verloren.
Alles in uns sehnte sich dannach, endlich raus aus der Unterhöhle zurück in die Taverna zu gehen.
Der neue Raum den wir betraten, schien die Anderen in Aufregung zu versetzen. Alle begannen mit dem Magier zu diskutieren, zu schnell und zu unverständlich als dass ich folgen konnte. Stattdessen suchte ich den Rest der Gruppe. Wirt und Tochter wollten zurück, die Bardin lag noch immer am Boden. Sie nach oben zu tragen schien eine gute Ausrede, diesen Ort zu verlassen. Die Lichtbringerin wollte mitkommen, falls weitere Knochenwandler umherstreiften.

Obwohl wir der Oberwelt wieder näherkahmen, schien sich die Stimmung nicht zu bessern. Wirt und Tochter schwiegen, die Lichtbringerin murmelte noch unverständlicheres als üblich, bis auch sie in angespanntes Schweigen fiel. Der Weg war ereignislos, aber das Gefühl war noch immer bedrückend, hier und da schienen Schemen aus Rauch um uns zu streifen, die sich formten und sofort wieder zerfielen. Instinktiv drängte ich mich nach vorne, und wärend die Sonnenbrênchi unseren Rücken deckte. Dichter und dichter schienen die Schemen an uns zu dringen, doch ausser fast unhörbaren Gemurmel geschah nichts. Als wir an der Schwelle zum Lagerraum des Wirtes kamen, hasteten er mit seiner Tochter aus der unnatürlichen Dunkelheit in die natürlichere, kurz gefolgt von mir mit der Bardin auf den Arm.
Die Lichtbringerin war fort.
Ich drückte dem Wirt schnell die Bardin in die Arme, “Gehen hoch. Priesterin fort, muss suchen.” und verschwandt wieder in der Dunkelheit.

Ich rannte durch die Dunkelheit. Die vereinzelten Schemen waren zu einem dichten Nebel geworden, der wie eine Strom an einen Ort floss. Ich ahnte, was ich an seinem Ende finden würde, und folgte ich so schnell ich konnte.

Der Raum, in dem der Stom mündete, war voll mit ihnen. Eben kaum noch zu erkennen, wirkten sie nun fast echt. Hohle Gesichter, spindeldürr, über und über mit Brandmalen übersäht. Sie alle sammelten sich um die Lichtbringerin, und griffen nach ihr. Die verkrüppelten Hände gingen widerstandslos durch sie durch, doch zuckte sie bei jeder Berühung, wurde immer fahler. Das Gemurmel wurde lauter und lauter, so laut, das es in meinen Innersten vibrierte. Und es klang wütend, voll mit Hass und Rachsucht, so deutlich, das ich sie erkannte, obwohl ich kein Wort verstand. Die Lichtbringerin wich weiter in den Raum zurück, getrieben von den ruhelosen Ahnen. Ich folgte so gut ich konnte, vorsichtig die Schemen nicht zu berühren. Doch als sie mit ihren Fuss an ein altes, rostiges Messer stieß, hob das Gemurmel zu einem klaren Schrei an. „*Espiare!*“ Die Dienerin der Sonne, so fern ihres Odûns, griff nach dem Messer, und führte es mit zittteriger Hand zur Kehle.
Ich sprang, warf sie zu Boden und versuchte ihr das Messer aus der Hand zu reißen. Sie wehrte sich kaum, all ihre Kraft darauf gerichtet das Messer in der Hand zu behalten. Jedoch, ich war stärker, erfahrener im verzweifelten Ringen um Leben und Tod, auch wenn ich zum erstenmal seit langen um das leben eines anderen rang. Kaum hatte ich das Messer, murmlte sie nur noch leise „ Quid dereliquisti me.„ und brach vollends in sich zusammen.
Ich blickte auf. Die Schemen waren verschwunden, der Geruch von Asche und verbrannten Fleisch alles was blieb. Ich warf mir die Lichtbringerin auf die Schulter, und verlaß diesen nebelverfluchten Ort so schnell ich konnte.

—> Zur Zusammenfassung
—> Zurück

View
Die Schenke zum singenden Schwert, Kapitel 5
Gebrochenes Licht, Teil 2

LUX TRIUMPHAT!! LUX ETERNA!”. Mein Schrei hallte in der Gruft nach. Wir hatten dem unheiliigen Nekromanten nach erbittertem Kampf den Gar ausgemacht. “Rondra, du stolze Löwin unter den Göttern, dir zu ehren kämpfe ich gegen die Siebtsphärischen. Firun, gib mir die Kälte, um meine Feinde zu erlösen, und allen Waffen und Wunden zu wiederstehen, die sie mir zuzufügen vermögen. Praios, du gerechtester aller Götter, lass mich sehen auch in Dunkelheit, denn dein Licht währt ewig, deine Gerechtigkeit möchte ich nach Dere bringen!”, ich rezitierte die 12 Lobpreisungen forwährend, denn mein Körper war schwach geworden, doch Stolz erfüllte meine Brust, als ich durch meinen Glauben das Lichte Praios sogar an diesen götterverlassenen Ort rufen konnte, und die Skelette des Nekromanten in seiner Herrlichkeit zu Staub zerfielen.
Die Entrückung war mir mit Sicherheit an zu sehen. Eine solch hochrangige Liturige forderte die Aufgabe des eigenen Bewusstsein, und so legte ich mich bereitwillig in das Licht, dass mir Praios geboten hatte, und bereitete mich darauf vor, in die Tempel Alverans ein zu ziehen. Mit Stolz.

Doch es sollte anders kommen, und mein Werk auf Dere war scheinbar noch nicht erfüllt. Und ausgerechnet eine Elfe heilte meine Verwundungen, als ich wieder zu mir kam.
Die Halle war von Knochen übersäht und ich spührte noch das nachhallende Blut, dass zu den Verletzungen in Oberschenkel und Wade strömen wollte, doch da waren keine Wunden mehr…. Magie – fuhr es mir durch den Kopf und sofort wolle sich mein Geist dagegen wehren, dass ich noch am Leben war. Magie hatte mich gerettet. Dumpf hallte der Vorsatz der Praioskirche in meinem Kopf nach, Magie käme immer zu einem Preis daher, doch etwas anderes in mir, schalt mich einen Narren und war dankbar am Leben zu sein. Praios würde schon wissen, was er mir zumutete.
Ich richtete mich auf und bedankte mich bei der Elfe für die Heilung. Wie viel Zeit war vergangen? Ein paar Minuten? Stunden? Mehr?
Ich spürte in meinen Körper, Hunger hatte ich keinen, es konnte also nicht all zu lang her sein.
Die anderen schienen auch bei guter Gesundheit. Die Wirtstochter und die Adelige waren ohnmächtig, aber das war mir nur Recht.
Dann versuchte ich auf zu stehen – es ging ganz gut – und bewegte mich langsam zum Altar, auf dem noch immer der zerfleischte Händler lag. Ich schlug ein Boronrad über ihn und schloss seine Augen. Man sollte den Leichnahm nach oben schaffen und begraben. “Ich empfehle deine Seele den Göttern an. Du wirst bei ihnen in Alveran thronen”, murmelte ich und bat Praios, sich seiner Seele an zu nehmen.

“Wir sollten noch das restliche Gemäuer sichern.”, merkte der Magier an. Typisch Magier, aber er hatte Recht, wer wusste schon, ob es noch mehr Sklette und Ghule gab. Ein Teil der Gruppe blieb hier um auf zu passen, ein Teil, mich eingeschlossen, ging zurück in den Vorraum der Gruft und nahm den Weg nach Westen, den wir vorher passiert hatten.

Nun, wo die unmittelbare Gefahr gebannt war, erlaubte mir mein Geist, sich wieder den Umständen Jener zu widmen. Und mir fielen die Runen wieder ein, die wir gesehen hatten, als wir die Wendeltreppe in die zweite Ebene genommen hatten. Es waren Sonnenrunen gewesen. Runen in einer alten Sprache, die zur Zeit der Priesterkaiser genutzt wurden, um Praios Gerechtigkeit zu preisen. Doch was suchten sie hier unten? Ich verstand, dass dies einmal eine Einrichtung gewesen sein musste, die die Priesterkaiser genutzt hatten, vermutlich um Schwarzmagier wie den Nekromanten fest zu setzen, doch mein ungutes Gefühl wollte bei dieser Feststellung nicht weichen.

Wir fanden Kerker mit Skeletten darin, jedoch schienen die Knochen nun, mit dem Verschwinden des Nekromanten, auch ihren Frieden gefunden zu haben. Wir öffneten die Tür zu einem weiteren Raum. Das Licht war schummrig, denn nur der schwache Schein unser Facheln, ließ uns die Einrichtung erkennen.
.
—> Zur Zusammenfassung
—> Weiter

View
Die Schenke zum singenden Schwert, Kapitel 4
Gebrochenes Licht

Wir waren bereits in die zweite Ebene vorgedrungen. Im Weinkeller von dem, was ich für eine einfache Schänke gehalten hatte, fanden wir einen Geheimgang. Praios bewahre – ausgerechnet unschuldiges Blut brachte uns diese Entdeckung. Die Wirtstochter, die von den unheiligen Kreaturen, geraubt worden war, hatte uns durch ihr Blut den entscheidenen Hinweis gegeben. Ich hoffte sehr, dass ihr Opfer nicht das eigene Leben war. Vorsichtig leuchtet ich nach vorne, die anderen dicht hinter mir. Wir standen an einer Weggabelung. Der Boden war hier überall mit Wasser bedeckt, dass sich über die Jahre angesammelt haben musste. Ich versuchte mich auf den Beistand meines Herrn zu besinnen, doch die Dunkelheit dieses Ortes, schien auch sein Licht verdrängt zu haben. Ich entschied mich für den rechten Pfad, wie der Herr es mich gelehrt hatte. Der Magier und der Zwerg jedoch wollten nach links gehen, und so teilten wir uns auf…

Ich erinnere mich noch genau an die Kälte, die mir den Rücken hoch kroch, kurz bevor sie da waren. Und Dann: Überall – Ghule. Wir wussten nicht mal, wie viele es waren, sie kamen aus der Dunkelheit um uns zu holen. Ich atmete tief durch, nahm mein Sonnenzepter in die rechte Hand und verlagerte mein Gewicht leicht nach vorne. “Für die Sonne, für den Herrn, für Praios!” und ich machte einen Satz nach vorne, wo ich grade einen Ghul in die Schatten hatte verschwinden sehen. Mein Sonnenzepter hinterließ einen gleißenden Schnitt, der die Dunkelheit zerteilte. “Lux triumphat!”, donnerte ich den Siegesschrei der Praioskirche. “Lux eterna!”, ein weiterer Schlag machte dem Schattenwesen den Gar aus. Aus dem Augenwinkel hatte ich weitere gesehen.. Ich probierte mir einen Überblick über das Kampfgeschehen zu verschaffen: Ich war eigentlich vorgehechtet um möglichst viele Gegner auf mich zu ziehen, doch ich hatte nur einen erwischt- Die anderen hatten mich umrundet und trieben nun die Gäste der Schänke in die Enge. Wiederliche Kreaturen. “Vergreift euch nicht an den Schwachen! Komm zu mir und fahrt zurück in die Niederhöllen!” Ich stürmte erneut auf die Kreaturen zu, diesmal von hinten..
Ich fiel und etwas bohrte mir lange, kalte Krallen in den Rücken. ich stürtze und versuchte mich abzurollen, was durch das Wasser auf dem Boden allerdings erheblich erschwert wurde. Ich versuchte mein Gleichgewicht wiederzuerlangen und herauszufinden was mich umgehauen hatte. Ein huschen an der Decke. Konnten sie etwa so gut klettern? Ich starrte angestrengt in die Dunkelheit. Da wieder!, ich nahm mein Sonnenzepter, und warf es entschlossen nach Oben. Ein zischen und der Geruch vonverbranntem Fleisch verriet mir, dass es getroffen hatte. Die Kreatur fiel von der Decke, verbrannt von meiner geweihten Waffe. Ich schaute nach den anderen. Doch diese waren erstaunlich gut selbst klar gekommen, der letze Ghul röchelte grade sein Unleben aus. Ich atmete erleichtert aus. Doch dann schon wieder Schritte. Der kurze Entspannungsmoment verflog, wie er gekommen war. Ich zog mein Sonnenzepter aus dem Haufen Fleisch und Asche. Waren es noch mehr Ghule? Nein, es war die andere Gruppe, die den linken Gang auskundschaftet hatte. Und sie waren noch vollzählig. Gut. “Irgendwas gefunden?”, rief die Elfe ihnen zu. “Irgend so ein schleimiges Etwas hat versucht meinen Stab zu essen!!” – der Magier war völlig aufgelöst. “Versteht ihr? Nur Wesen äußerster Mächtigkeit können meinen Stab essen!”. Er klang leicht weinerlich,und ich überlegte mir, welche Wesen tatsächlich das Bedürfniss verspüren würden einen Holzstab zu essen, und ob das wohl für ihre Mächtigkeit sprach… “Weiter jetzt”. Irgendetwas sagte mir, dass das hier erst der Anfang gewesen war…

Und ich sollte Recht behalten. Nachdem wir einen weiteren dunklen Gang durchquert hatten, kamen wir in einen Raum mit quadratischen Grundmaßen, im Ostteil des Raumes jedoch, war eine Wand eingebrochen und hinter der Wand befand sich eine Steinplatte, voll gekritzelt mit Runen, die nichts Gutes verheißen konnten. So sehr ich Magie verabscheute, so sehr brauchte man manchmal den Sachverstand eines Magiers, um andere Magie zu bekämpfen – in dem Fall heiligte der Zweck die Mittel.
“Heh Magier, sehr euch das hier mal genauer an. Kennt ihr diese Runen?”
Doch der Magier schien sie nicht zu kennen, was mich noch mehr beunruhigte.

Dann sah ich, dass hinter der Platte eine Wendeltreppe in den Stein gehauen war, die alswieder tiefer in den Berg führte. Von unten wehte der Hauch des Todes herauf. Und dann sah ich noch etwas: Es waren wieder Runen, doch diesmal kannte ich ihre Bedeutung nur zu gut. Es waren alte Bosparano-Runen der Praioskirche… Beim Herrn der Götter, was hatte das zu bedeuten?
Mein Herz pochte laut in meiner Brust und mir wurde heiß und kalt. Ich rezitierte das ‘Lux eterna’ um nicht das Bewusstsein zu verlieren doch die Stimmen der Toten hatten angefangen in meinen Geist einzudringen und forderten Rache. Doch wofür? War dies ein Fluch dieses Ortes? Der gleiche Fluch, der die Ghule erweckt hatte? Ich versuchte die Gedanken abzuschütteln und mich wieder zu konzentrieren. Doch ich schien trotzdem einen Moment abwensend gewirkt zu haben, denn der Nordmann mit den Tatoos blickte mich besorgt an. ich winkte ab und ging nun auf die Wendeltreppe zu. Schließlich war es meine Aufgabe voraus zu gehen.

- aus Erzählungen Antissa Daralos

—> Weiter zu Kapitel 5

View

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.