Die Rudelchroniken

Alte Wunden

Sowie sein Bewusstsein ihn nach und nach verlassen hatte, kommt es nun auch wieder zu ihm zurück. Sein Verstand ist benommen, die Gedanken unklar. Sinneseindrücke, mit denen er nichts anzufangen weiß, prasseln auf ihn ein. Der Geruch von Rauch in seiner Nase, unbekannte Stimmen, die sich leise in einer unverständlichen Sprache unterhalten, der kalte und harte Boden unter ihm. Ein gleichmäßiger, pochender Schmerz durchdringt seinen Körper. Als Irion die Augen öffnet, ist es dunkel, nur ein sanfter Lichtschimmer scheint ein Stück neben ihm. Unsicher, was passiert ist oder wo er ist, versucht er sich aufzurichten, aber eine Hand drückt ihn sanft zurück auf den Boden. Zu erschöpft, um sich dagegen zu wehren, bleibt er liegen. Mit jeder Minute erholt sich seine Wahrnehmung, wird wieder besser, schärfer. Die vorerst noch schemenhafte Umgebung gibt sich schon bald als Höhle zu erkennen und die Stimmen kann er als die von Amariel und Vivi ausmachen. Wo sind Hinnerk und Torkin? “Ruh’ dich noch einen Moment aus, zumindest solange, bis die anderen hier sind”, sagt Amariel, als er erneut versucht sich aufzurichten. Den anderen scheint es gut zu gehen. Beruhigt und verwirrt bleibt er liegen, während seine Gedanken versuchen, Ordnung zu finden. Das schöne Lichterspiel der Pilze, die Sporen, die sich im dichten Rauch versteckt in den Gang gelegt hatten. Was hatte mich nur zu der Annahme gebracht, dass es sicher wäre, einfach so durch diesen Nebel zu laufen? Rückblickend kann er seine Gedankengänge nur noch schwer nachvollziehen, was aber auch an den Schmerzen liegt, die das Gefühl in seinen Beinen weitestgehend ersetzt haben. Mit Hilfe seiner Arme drückt er sich hoch, diesmal lässt Amariel es zu, und sieht sich seine Beine an. Hastig angebrachte Verbände werden vorsichtig gelöst, sodass er nun erstmals das Ausmaß seiner Fehleinschätzung zu Gesicht bekommt. Kein schöner Anblick. Bis etwas über Kniehöhe ist die Haut stark gerötet, stellenweise sogar leicht schwarz, außerdem haben sich Blasen gebildet. Unbehandelt werden sich auf jeden Fall Narben bilden. Kaum vorzustellen, dass es vorher noch schlimmer aussah. Bei dem Versuch, das Bein zu bewegen, wird der Schmerz schlagartig stärker. So werde ich kaum anständig weiterreisen können. Er schließt die Augen und horcht in sich hinein, versucht einzuschätzen, ob seine verbleibende Kraft noch ausreicht, um das Schlimmste wieder zu beheben. Es könnte reichen. Während seine Hände sich auf seine Beine legen, versucht er, sich zu konzentrieren und den Schmerz auszublenden. Innerlich lässt er nun all seine übrige Energie in das Muster des Balsam fließen. Schon bald setzt die heilende Wirkung ein und auch dieses Mal fesselt es ihn wieder, dabei zuzusehen. Wunden werden mit frischer Haut überzogen, Blasen werden immer kleiner, bis sie schließlich ganz verschwinden. Vorher fast schwarze Haut ist nun nicht mehr als nur leicht gerötet. Das Pochen in den Beinen lässt ebenfalls nach. Manchmal vergesse ich fast, wie mächtig dieser Zauber ist. Als die Wirkung sich ihrem Ende neigt, geht es ihm körperlich bereits merklich besser, die noch verbliebenen Wunden verbindet er wieder, sie werden innerhalb weniger Tage von alleine heilen. Dafür fühlt es sich nun leer. Erschöpft und kraftlos, als ob ein Teil von ihm fehlen würde. An der Akademie hat er selten so empfunden, dafür immer öfter, seit er mit den anderen zusammen reist. Dieses Gefühl kann er nicht ausstehen, was nicht zuletzt daran liegt, dass er sich ohne seine Magie machtlos fühlt. Schließlich hat ihnen der Balsam schon oft das Leben gerettet oder zumindest Schlimmeres verhindert. Weitaus öfter, als mir liebt ist. Wunden, die normalerweise tödlich sind, lassen sich gerade noch schnell genug behandeln. Und doch hat auch dieser Zauber seine Grenzen. Nicht jede Wunde lässt sich mit Magie heilen, dass hatte Refardeon mir einmal gesagt. Für einen Moment verliert er sich in Erinnerungen an eine Zeit, die schon so lange vergangen scheint.

Es war ein ungewöhnlich warmer Tag, dafür, dass es bereits Travia war. Die Akademie in Donnerbach scheint von außen nicht anders als sonst, doch im Moment herrscht hier deutlich weniger Treiben als üblich. Es ist Ferienzeit, die letzten Prüfungen liegen weniger als eine Woche zurück, und viele der Scholaren haben sich in die nahe Heimat begeben, schließlich ist dies die einzige Zeit des Jahres, in der diese Möglichkeit besteht. Aber nicht jeder hat die Akademie verlassen. Magister forschen weiter, Kranke werden versorgt. Ein nicht unwesentlicher Teil der Scholaren ist auf dem Seminargelände verblieben, sei es, um den Stoff für verpatze Prüfungen zu wiederholen oder weil die eigene Familie nicht nah genug wohnt, als dass die Zeit einen Besuch erlauben würde. Irion ist ebenfalls noch an der Akademie, so wie jedes Jahr. Wo sollte er auch hin? Die Prüfungen hat er alle erfolgreich hinter sich gebracht und nun wartet er. Wie immer weiß er nicht, ob oder wann Refardeon kommen wird. Letztes Jahr hatte er Irion versprochen, dieses Mal zur Ferienzeit zu kommen. Aber er hatte auch gesagt, dass er nie sicher weiß, ob er sein Versprechen halten kann. Dabei gibt es so viel, über die Irion reden möchte. So viele Sachen, die er ihn Fragen möchte. Die erste Woche vergeht, doch Refardeon kommt nicht. Irion verbringt die Zeit mit Hobbies, für die er sonst nur wenig Zeit hat, meditiert im Meditationsgarten der Akademie oder wiederholt Gelerntes aus dem vergangen Jahr.
Als er gerade einmal wieder mit Blick auf den Neunaugensee in Ufernähe sitzt und zeichnet, tippt ihn eine Gestalt von hinten an. Ein großer, kräftiger Mann steht hinter ihm, die Haare ergraut, nur wenige Strähnen lassen ihre ehemalige Schwärze erahnen. Wortlos lässt Irion die Zeichensachen fallen, springt auf und umarmt ihn, mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. “Da bist du ja endlich! Ich dachte schon, du kommt nicht mehr.” Fast klingt es wie ein Vorwurf, aber der mehr als freudige Ton in seiner Stimme sagt etwas anderes. “Tut mir Leid, dass es später als Versprochen geworden ist.” Seit sie sich das letzte Mal gesehen haben, ist fast ein Jahr vergangen. Irion war ein gutes Stück gewachsen und reicht ihm jetzt schon fast bis auf Brusthöhe. Refardeon setzt sich und die beiden beginnen zu reden. Irion erzählt vom letzten Jahr an der Akademie, und wie froh er ist, das Elevium, also die ersten drei Jahre seiner Ausbildung, hinter sich zu haben. Und seine erste große Prüfung. “Ich habe die letzten zwei Monate nichts gemacht außer zu lernen. Wenigstents habe ich dafür alles auf Anhieb geschafft.” Erleichterung in der Stimme. “Aber vergiss nicht alles wieder. Das sind schließlich die Grundlagen, die du für dein weiteres Studium brauchst”, merkt Refardeon fast beiläufig an. “So oft, wie ich das alles gesehen, gelesen und wiederholt habe, könnte ich es wohl nicht mal vergessen, selbst wenn ich wollte.” Später sollte Irion feststellen, dass er die Sachen sehr wohl wieder vergessen konnte.
Im Verlauf des Tages sitzen sie zusammen und Refardeon erzählt wie immer Geschichten von seinen Reisen, während Irion gespannt zuhört. Irion ist sich nie ganz sicher, was davon stimmt und was erfunden ist, eigentlich ist es ihm aber auch egal. Hin und wieder genießen sie die Stille. Schauen auf das Wasser des schier endlos scheinenden Neunaugensees, während die Praiosscheibe zu verschwinden beginnt. In der Ferne sieht man Blitze vom Himmel hinabzucken. “Darf ich dich was fragen?” Refardeon nickt. “Wir hatten dieses Jahr einen Gastdozenten hier, der unter anderem ein wenig etwas über den Balsam Salabunde erzählt hat. Die ganzen Details über Zauber-Matrixe hab’ ich zwar nicht verstanden, aber er hat gesagt, dass ein guter Magier mit diesem Zauber sooo”, und streckt dabei seine Arme auseinander, “viel tun kann. Wenn man sehr gut darin ist, dann gibt es fast keine Wunde, die man nicht heilen kann. Knochenbrüche, Verstümmelungen, sogar tödliche Verletzungen.” Eine Pause. Mit abwartendem Blick sieht Refardeon ihn an. “Es heißt Zauber-Matrizen. Und was wolltest du fragen?” Irion sieht weiter aufs Wasser, dann langsam zurück zu Refardeon, erst in sein Gesicht, dann wandert der Blick runter auf seinen Oberkörper. “Naja, er hat auch gesagt, dass man damit Narben behandlen könnte, auch noch lange nachdem man verletzt wurde.” Irion sieht ihm jetzt ins Gesicht. “Du bist doch ein guter Heilmagier, oder? Und beherrscht den Balsam auch sehr gut.” Wieder eine Pause. “Woher hast du dann diese Narbe? Und warum hast du sie nicht weggemacht?” Refardeon’s Hand bewegt sich vom Boden zu seinem Oberkörper. “Sähe es nicht schöner ohne aus?” Neugierde spricht aus den Augen des jungen Magiers. Danach folgt einen Moment lang nichts als Stille. Keine unangenehme, lediglich eine nachdenkliche Stille, die nur hin und wieder durch die Geräusche der umliegenden Natur durchbrochen wird. “Ich kann gut nachvollziehen, wie du auf diesen Gedanken kommst. Aber ich habe mich damals freiwillig dazu entschieden, diese Narbe zu behalten. Für mich ist sie eine Art Andenken.” Während Refardeon redet starrt er in die Ferne. “Ein Andenken wofür?” Mit einem Lächeln dreht er sich zu Irion um. “Das erzähl’ ich dir ein anderes Mal, es ist schon spät, meine Reise war lang und ich hätte nichts gegen etwas Schlaf.” “Erzähl’ sie jetzt, ich würde die Geschichte so gerne hören.” “Ich werde sie dir Morgen erzählen, versprochen. Aber für heute habe ich noch ein kleines Rätsel für dich. Etwas, worüber du dir einmal Gedanken machen solltest.” Während Irion zuhört, sieht er Refardeon beleidigt an. “Welche Wunde lässt sich auch mit dem Balsam Salabunde nicht heilen? Denk die Nacht darüber nach und sag’ mir morgen, ob du eine Antwort gefunden hast.” Irion runzelt die Stirn. Was für eine Wunde soll der Balsam denn nicht heilen können? “Ich werd’s versuchen. Und Morgen erzählst du dann die Geschichte, ja?” Refardeon nickt. “Versprochen.” Danach gehen beide zurück zum Seminargelände in ihre Zimmer. Während Irion wie gewohnt schnell einschläft, ahnt er nicht, dass Refardeon noch eine Zeit lang wach liegt.
“Lass uns doch heute ein wenig ihn der Umgebung wandern gehen, ich war lange nicht hier.” Nach dem gemeinsamen Frühstück, hatten die beiden das Seminargelände verlassen und sie in Richtung Wald aufgemacht. “Und dabei erzählst du die Geschichte.” Vorfreudige Augen funkeln Refardeon an. “Erst, nachdem du mir sagst, welche Antwort du auf mein Rätsel gefunden hast.” Das war nicht die Antwort, auf die Irion gehofft hatte. Während sie also umherwandern, ohne ein Ziel, dass es zu erreichen gilt, denk Irion weiter nach. Aber ihm will einfach keine Antwort einfallen. Nach stundenlangem Wandern und Nachdenken, als sie gerade an einem schönen, ruhigen Ort inmitten der Natur sitzen, gibt er auf. “Ist das so ein Rätsel ohne Lösung, damit du die Geschichte nicht erzählen muss? Ich weiß wirklich nicht, was du meinst.” Refardeon lacht herzlich, während der Wind sanft durch die Bäume weht. “Ich hätte nicht gedacht, dass du so lange nachdenken würdest, wenn dir keine Lösung einfällt. Dabei dachte ich, dass gerade du das wissen solltest.” Sein Ton war herausfordernd. Jetzt war Irion mehr als verwundert. Und verärgert, weil es sich so anhörte, als ob die Lösung für ihn offensichtlich sein sollte. “Verrätst du es mir? Ich hab keine Lust, mir weiter den Kopf darüber zu zerbrechen.” Körperlich und geistig erschöpft, lässt Irion sich auf den Boden sinken. “Zuerst werde ich dir die Geschichte erzählen, vielleicht kommst du danach ja doch selbst darauf.” Refardeon setzt sich ebenfalls. Gespannt lauscht Irion der Erzählung von einer Zeit, als Refardeon noch selbst mit anderen umherreiste.
Zwar änderte sich die Zussamenstellung der Truppe je nach Umstand, denn mal waren sie als Geleitschutz für einen reisenden Händler, mal in eigener Mission unterwegs. Eine Person jedoch begleitete ihn stets. “Wo ist er jetzt? Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen?” Irion drängt ihn, weiter zu erzählen. Refardeon atmet für wenige Atemzüge tief ein und aus, bevor er seine Erzählung fortsetzt. Sie waren auf einer Erkundungsreise, er hatte die Gegend ausgekundschaftet und war auf etwas gestoßen, dass seine Neugier geweckt hatte. Sein Freund hatte ihm abgeraten, weiter danach zu suchen, aber er hatte nicht gehört. Statt in mit den anderen zusammen zu suchen, ging Refardeon alleine los. “Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich oftmals viel Glück auf meinen Reisen gehabt, was mir aber erst später bewusst wurde.” Immer weiter suchend war er vorgedrungen, hatte er scheinbar eine historische Stätte gefunden. “Vor Neugier blind ging ich einfach immer weiter, es gab so vieles, dass mein Interesse auf sich zog.” Bis er schließlich eine Falle auslöste. Etwas traf ihn an der Brust und schon bald schwanden seine Kräfte. “Vermutlich war es ein Gift, dass aufgrund seines Alters an Stärke verloren hatte. Frisch hätte es mich wohl sofort getötet, denn noch immer schwächte es mich genug, um selbst nicht mehr wirklich voran zu kommen. Glücklicherweise war mein Freund mir aber gefolgt und fand mich. Half mir auf, stützte mich, um diesen Ort gemeinsam wieder zu verlassen. Ich schaffte es sogar, was auch immer mich getroffen hatte, mit Hilfe meiner Magie wieder aus meinen Körper zu bekommen. Nun galt es, den Weg heraus zu finden. Dass es hier Fallen gab, wussten wir nun, aber nicht wo oder was sie auslöste.” Die Anspannung in seinen Worten wurde immer stärker." Wir hatten es fast geschafft. Aber die Götter waren nicht mit uns. Eine Falle löste aus und ein Pfeil traf ihn. Ich selbst war noch zu schwach, um ihn zu tragen, und meine Magie hatte ich erschöpft. Also ging ich so schnell wie möglich zurück zum Lager, um Hilfe zu holen. Als wir zurück kamen, war er bereits tot. Nichts konnte ihm jetzt noch helfen." Die Freude auf die Geschichte ist aus Irion’s Gesicht schon lange gewichen. “Ich habe mich auf eine Situation eingelassen, der ich nicht gewachsen war, und ihn mit hinein gezogen. Mich überschätzt. Er hat dafür mit seinem Leben bezahlt, nur um meines zu retten.” Den letzten Satz bringt Refardeon nur mit zittriger Stimme hervor. Der Wind, der bis gerade noch sanft durch die Blätter strich, heult nun für wenige Momente auf. Eine Wolke zieht über sie hinweg und das Licht schwindet. Der Ort, der bis gerade noch so idylisch war, wirkt nun düster. Als hätte er seine Harmonie verloren.
“Ich ließ die Wunde vernarben, sollte sie mich fortan stets daran erinnern, damit ich weder ihn noch meinen Übermut je vergessen möge. Und diesen Fehler kein zweites Mal begehe.” Irion ist sichtlich mitgenommen. Lange Zeit sitzen beide nur dort und schweigen. “Und, weißt du nun eine Antwort auf die Frage?”, durchbricht Refardeon die Stille. Irion schüttelt den Kopf. Refardeon nimmt seine Hand und legt sie auf Irions Brust, an die Stelle, wo sein Herz schlägt. “Sein Tod hat eine Wunde in mir hinterlassen. Und diese Wunde vermag auch kein Balsam zu heilen, denn es ist nicht mein Körper, der verletzt wurde. Nur die Zeit vermag zu helfen.” Der Alte sieht den Jungen an, umfasst und behütet ihn. Denn er sieht, dass er verstanden hat. Besser, als jeder andere es könnte. Keiner sagt etwas, doch beide sind froh, den anderen jetzt bei sich zu haben. Schließlich teilen sie das, was für das schmerzende Pochen in Irion’s Herzen verantwortlich ist. Auf dem Weg zurück bleiben sie still, dafür denkt Irion umso mehr nach.
Auch in den folgenden Tagen unternehmen sie viel gemeinsam, gewähren sich jedoch auch, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Es vergeht fast eine ganze Woche, bis Irion das Thema erneut anfängt. “Gibt es denn keine Möglichkeit, dagegen etwas zu tun?” Er hatte die Hand auf sein Herz gelegt. Der Schmerz war in den letzten Tagen abgeklungen, aber er wusste, dass er nie ganz verschwinden würde. “Eines musst du verstehen. Wenn jemand körperliche Wunden trägt, dann muss du lediglich wissen, wie sie zu behandeln sind. Das ist bei seelischen Wunden aber nicht so einfach. Es braucht viel Vertrauen, um über solche Sachen zu reden. Und Vertrauen widerum braucht Zeit.” Irion sieht enttäuscht aus, hatte sich etwas anderes erhofft. “Deine Mutter war eine der Wenigen, der ich das alles erzählen konnte.” Sie sehen beide niedergeschlagen aus. “Aber zu lernen, wie du Menschen dabei helfen kannst, mit solchen Wunden umzugehen, auch das ist Teil deiner Ausbildung.”

Irion steht auf und geht zu Amariel, um sich noch einmal bei ihr zu bedanken. “Du solltest dich bei Vivi bedanken. Schließlich ist sie direkt herüber gerannt, als du das Bewusstsein verloren hast.” Deswegen die hastig angebrachten Verbände. Erst jetzt bemerkt er, dass auch sie Verbände an den Beinen trägt. “Vivi, deine Beine. Was hast du…?” Sie ist ebenfalls durch den Nebel gerannt und hat sich dabei verletzt. “Ach, alles halb so schlimm”, sagt sie und sieht ihn lächelnd an. Dann steht sie auf, lässt sich dabei den Schmerz in ihren Beinen fast nicht anmerken. Viriea, du bleibst mir ein Rätsel. So oft habe ich das Gefühl, dass du unter der Kleidung nicht nur dein Äußeres, sondern auch einen Teil deiner Selbst versteckt hältst. Es ist nicht das erste Mal, dass er von ihrer Fürsorge überrascht ist. Vielleicht erlaubst du mir ja irgendwann, diesen Teil von dir kennenzulernen. Und wenn es Wunden gibt, die du alleine nicht heilen kannst, dann würde ich dir gerne dabei helfen. Dir und den anderen.
“Wir sollten weiter, irgendetwas beobachtet uns schon seit geraumer Zeit.” Amariel sieht nach wie vor in den dunklen Gang, der vor ihnen liegt. Irion selbst kann nichts erkennen, weiß aber auch, dass ihre Augen in dieser Dunkelheit weitaus mehr wahrnehmen als seine. Bevor er aufsteht, sieht er ein letztes Mal auf seine Beine. Bis auf kleine Wunden, die jetzt von Verbänden verdeckt werden, ist von diesem Zwischenfall nicht mehr viel zu sehen. Zumindest nicht bei ihm. Vor ihm stehen seine Freunde, bereit, durch diese unterirdischen Gänge weiter zu gehen. Keiner von ihnen weiß, was sie noch alles erwarten wird. Als wir losgegangen sind, dachte ich, dass Kyrdaar und der schwarze Pass die Herausforderungen auf dieser Reise werden. Ich habe den Weg unterschätzt und deshalb wurde Vivi verletzt. Das wird mir von jetzt an nicht mehr passieren. Refardeon hatte ihm einst erzählt, welchen Preis Übermut und Unvorsicht haben kann. Gerade deswegen ist er froh, noch einmal so glimpflich davon gekommen zu sein. Ich werde alles mir Mögliche tun, damit wir dieses Abenteuer gemeinsam überstehen. Wir kennen uns noch nicht lange, und doch seid ihr alle für mich längst mehr als nur Freunde. Fest entschlossen steht er auf, nun ebenfalls bereit diesen Weg weiter zu gehen.

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Kyrdaar's Esse - Der Anfang

„Falls es in euch etwas gibt, das denkt, Ideale seien etwas, dessen es wert ist zu kämpfen, dann gibt es etwas, dass ihr tun könnt. Es gibt einen Verbündeten Grautanns, den die Hohen nicht mehr kennen, weil er älter ist als die Stadt, doch ihn zu finden ist nicht leicht. Der Ort, an dem er lebt, heißt „Kyrdaar’s Esse“ und liegt tief unter der Graukuppe. Ihr erreicht diesen Ort, wenn ihr dem schwarzen Pass folgt. Es gibt eine Wildzwergensiedlung östlich des Berges. Die Zwerge kennen den Weg aber sie sind nicht mit Hesindes Gaben gesegnet. Sie lassen sich von allem beeindrucken, was sie nicht verstehen, ich bin sicher, ihr würdet keine Probleme mit ihnen haben. Der Verbündete von dem ich sprach, jedoch, so bin ich sicher, kann eine entscheidende Rolle spielen, wenn es zum Krieg kommt."
Das war das erste Mal, dass wir von Kyrdaar erfahren hatten. Wir waren nach Helmark gereist und hatten den Mantler aufgesucht, welcher uns in einem Brief mitgeteilt hatte, dass Grautann wohl sehr bald in den Krieg ziehen würde. Angeblich würde es an Holz mangeln und der Herzwald sollte als neue Quelle dienen. Das aber würde eine Auseinandersetzung mit den Bewohnern unausweichlich machen. Aber es steckte mehr dahinter, dass hatten uns die Prophezeiungen und Orkalesprüche deutlich gemacht. Nur was genau, dass wussten wir leider noch nicht. Eins jedoch wussten wir alle. Falls es einen Weg gäbe, all das zu verhindern, dann würden wir es versuchen. Und eine der Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, was das Aufsuchen von Kyrdaar, einem Wesen, das unter der Graukuppe lebte und allem Anschein nach extrem mächtig war, lebte es doch schon seit sehr langer Zeit.
Die Reise ging weiter in den Herzwald, nach einem Treffen mit den Druiden wussten nun auch die Bewohner des Waldes, was der Rat der Stadt zu tun gedachte. Und wollte man zu Anfang nicht von dem Wesen, das sich Kyrdaar nennt, erzählen, so erfuhren wir letztlich doch von Vulka, dass der Weg sehr gefährlich ist, Wesen, die am Geist zerren und in ihn eindringen, lebten dort, und Kyrdaar selbst bevorzuge es, alleine zu bleiben. Er riet uns, diese Begegnung lieber zu vermeiden, den selbst wenn wir es bis zu Kyrdaar schaffen würden, wer weiß schon, was dann passieren würde. Und doch halfen uns die Druiden, Olkrator versuchte so gut er konnte, in nur drei Tagen, unseren Geist ein wenig zu stärken. Auf das wir auf das, was noch vor uns liegt, vorbereitet seien.
Im Herzwald war soweit alles erledigt und so ging es erneut nach Grautann. Von nun an verging fast ein ganzer Monat, doch letztlich wurde in Grautann auf Geheiß des Rates der Kriegszustand ausgerufen. Hier konnten wir nicht mehr bleiben und nach reichlichem überlegen fiel die Entscheidung, nach Kyrdaar zu suchen. Wir hatte nicht viel herausfinden können, kannten kaum den Weg, der uns dorthin führen sollte. Keiner wusste, was uns dort wohl erwartete. So began unsere Reise Richtung Kyrdaar’s Esse am Mittag des 8. Rahja.

Das Wetter ist heute erstaunlich klar. Kaum eine Wolke ist am Himmel zu sehen, in unserem Rücken liegt das östliche Stadttor Grautann’s. Wir haben zwar erst ein kleines Stück geschafft, dafür aber schon ordentlich an Höhe gewonnen, sodass man Helmark und einen guten Teil der Graumark überblicken kann. Nachdem wir noch bis zum Abend weiterlaufen, schlagen wir unser erstes Lager auf dieser Reise auf und schlafen. Am nächsten Tag führt uns die Reise kurze Zeit über den Bergkamm, doch schon bald geht es wieder hinab. Einen kurzen Teil des Abhangs rolle ich, statt zu laufen, der steinige Boden hat mir den Halt genommen. Schließlich kommen wir an ein Schild, das kaum mehr lesbar ist, so man denn die Sprache kennt. Hinnerk vermutet irgendetwas auf Rogolan. Dahinter führt der Weg weiter, von hier an jedoch ins Innere des Berges. Der Gang ist breit genug, sodass wir sogar zu fünft nebeneinander laufen können. Hin und wieder ziehen sich “Steinfäden” von der einen zur anderen Seite, ein sehr beeindruckender Anblick. Und um so tiefer wir vordringen, desto mehr schwindet das ohnehin schon schwache Licht. Der Boden ist größtenteils steinig, ab und zu jedoch fast schon sandig, die Luft kühl aber frisch. Es dauert nicht lange bis wir an die erste Abzweigung kommen. Einstimmig beschließen wir, fortan immer Richtung Nord-Osten zu gehen, Praios sei dank, dass Hinnerk immer einen Kompass bei sich trägt. Vivi bemüht sich, an jeder Abzweigung Zeichen in den Stein zu ritzen, damit wir den Weg zurück finden und merken, sollten wir uns einmal im Kreis bewegen. Wir laufen und laufen, das einzige Licht, das uns jetzt noch begleitet, ist das unserer Laternen und das meines Stabes. Die Dunkelheit macht es schwer zu sagen, wie die Zeit vergeht. Wege und Abzweigungen gibt es mehr als mir lieb ist, gerade noch in einem Gang, so wird der Raum plötzlich weiter als unser Licht ihn zu erhellen vermag, mit Schluchten am Wegesrand, die nur tiefer in die Dunkelheit führen und kein Ende zu haben scheinen. An manchen Stellen sind kreisrunde, kleine Vertiefungen auf verschiedenen Höhen im Stein zu erkennen, die nicht so aussehen, als hätten sie einen natürlichen Ursprung. Und trotzdem haben wir bislang kein Wesen in diesem Berg zu Gesicht bekommen. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Den was auch immer es schafft, hier unten zu leben, dem möchte ich nicht begegnen.
Für mich, der in seinem Leben noch nicht allzu viele Höhlen bewandert hat, sieht hier unten alles gleich aus, weshalb es um so mehr auffällt, als wir an einen Gang kommen, an dem Pilze wachsen. Aber nicht nur ein oder zwei, der Boden und die Wände sind fast komplett voll, wie einen Teppich, den man ausgerollt hat. Mir gefallen diese Pilze nicht. Die letzte unterirdische Pflanze, die wir in Grautann unter der Kanalisation gefunden haben, hat schließlich versucht, uns umzubringen. Deshalb überrascht es mich umso mehr, als Amariel einen Stein auf die Pilze wirft. Kleine Partikel werden in die Luft abgegeben und fangen an zu leuchten, in dieser Umgebung aus Dunkelheit sieht es erstaunlich schön aus. Als Torkin dann beschließt, an einem dieser Pilze zu riechen, fängt er schlagartig an zu erbrechen. Was auch immer es ist, dass diese Pilze ausstoßen, seien es Sporen oder was auch immer, wir sollten ihm wohl besser nicht zu nahe kommen. Sollten wir also diesen Weg weitergehen, man kann nicht einmal erkennen, wie weit sich der Pilzteppich erstreckt, würde es uns vermutlich ähnlich wie Torkin ergehen. Und bei so dichtem Bewuchs ist es wohl auch nicht möglich, die Pilze unberührt zu lassen, immerhin scheinen sie auf Berührung zu reagieren. Eine Sackgasse also. Es ist das erste Mal, dass wir umdrehen und einen anderen Weg suchen müssen. Zurück an der letzten Abzweigung markiert Vivi, dass dieser Weg nicht weiter führt und wir nehmen einen der anderen Gänge. Zeit vergeht, und schließlich sehen wir etwas, mit dem ich hier unten nicht gerechnet hätte. Licht! Es ist nicht viel, aber es ist definitv Licht. Woher es auch kommen mag, wir beschließen, uns vorsichtig zu nähern. Amariel und Torkin horchen, können aber keine ungewöhnlichen Geräusche ausmachen. Und so kommen wir an einen kleinen Alkoven mit einem Schrein, auf dem Symbole zu erkennen sind, höchstwahrscheinlich zwergisch, mit einem Feuer, dass ohne erkennbaren Grund brennt, und einer Schale in der 7 Silbertaler zu finden sind. Wir verweilen hier kurz, Vivi legt sogar selbst ein wenig Geld in die Schale. Ein kleines Stück weiter gehen wir an diesem Tag noch (wenn man überhaupt von Tagen sprechen kann, alles woran wir uns halten können, ist unsere eigene Erschöpfung), da wir aber keinen geeigeneten Schlafplatz finden, führt es uns letztlich doch zurück zum Schrein. Wie immer werden Nachtwachen gehalten, glücklicherweise verläuft die zweite Nacht unserer Reise aber ereignislos. Am Morgen (oder Mittag, Abend?) stehen wir auf, füllen unsere Schläuche wieder auf, und beginnen den dritten Tag. Stunden vergehen bevor wir an eine Stelle kommen, wo die Decke niedriger und niedriger wird, bis sie am Ende nur etwa 1-1,5 Schritt Abstand zum Boden hat. Ist der Gang zwar nach wie vor recht breit, müssen wir doch die meiste Strecke eher kriechen als laufen, was mit den Rucksäcken nicht wenig anstrengend ist. Endlich wird aber die Decke wieder höher, im Gegenzug dafür der Gang bedeutend schmaler, und endet an einer Stelle, die kaum mehr als 1 Schritt Breite haben dürfte. Und erneut stehen wir vor einem Teppich aus Pilzen, sodass auch dieser Durchgang versperrt bleibt. Schließlich ist der Durchgang so schmal, dass es schwierig sein dürfte, die Pilze an den Seiten nicht zu berühren. Aber den ganzen Weg zur letzten Abzweigung zurück gehen? Ich weiß zwar nicht, wie lange genau wir gelaufen sind, aber es ist doch ein ganz schönes Stück gewesen. Und woher wissen wir, dass nicht auch jeder andere Gang hier irgendwann in Pilzen endet? Meine Stimmung sinkt langsam aber stetig, und auch den anderen scheint die dauerhafte Dunkelheit spätestens jetzt an der Laune zu zehren. Man könnte zwar versuchen die Pilze zu verbrennen, aber dafür müssten wir wahrscheinlich etwas von unserem Lampenöl nehmen, zumindest glaube ich nicht, dass die Pilze das Feuer von alleine ausbreiten würden. Und, von der Mondlaterne abgesehen, ist unser Vorrat an Licht begrenzt. Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Weg, der weiter führt. Immerhin sind wir diesen Gang an einer der Seiten entlang gekrochen, die andere Seite war zu weit weg, um sie sehen zu können. Der Gang wird also wieder breiter, die Decke wieder niedriger, aber keine andere Abzweigung offenbart sich uns, lediglich wieder eines dieser kleinen, kreisrunden Löcher im Stein. Aus Neugierde halte ich meinen brennenden Stab hinein. Der weiße Schleim, den ich zuvor noch nicht gesehen hatte, verbrennt und ein wenig Rauch ensteht. Verdammt, das hilft uns auch nicht weiter. Also doch wieder zurück zu den Pilzen, vielleicht ist die Idee mit dem Verbrennen gar nicht so schlecht.
Ich bin nach wie vor dafür, das Lampenöl zu benutzen, Vivi sieht das aber völlig anders, und so kommen wir wieder nicht weiter, werden uns einfach nicht einig. Nicht nur ich, auch die anderen wirken immer mitgenommener von dieser allumfassenden Dunkelheit. Und weil mir nichts anderes einfällt und ich gerne wüsste, wie die Pilze auf Feuer reagieren, versuche ich einen der Pilze am Stiel abzuschneiden. Das Messer hat nur begonnen, den Stiel zu durchtrennen, da bekomme ich eine Ladung der Sporen ab. Zwar schaffe ich es gerade noch, den Arm weg zu ziehen, merke ich doch sehr deutlich ein schmerzhaftes Brennen auf dem Arm. Dabei habe ich nur einen kleinen Teil dieser Sporen auf die Haut bekommen. Jetzt weiß ich auch sofort, warum Torkin so stark erbrechen musste, als er dieses Zeug eingeatmet hat. Sollte irgendwer durch diesen Gang gehen und dabei die Sporen all dieser Pilze abbekommen, wäre das mit Sicherheit nicht nur extrem schmerzhaft, sondern möglicherweise auch tödlich. Also nehme ich stattdessen meinen brennenden Stab und halte ihn an den angeschnittenen Pilz, versuche aber gleichzeitig so viel Abstand wie irgend möglich zu wahren. Erst fängt er nur an zu rauchen, dann verpufft er auf einmal, die Sporen fliegen in die Luft und fangen ebenfalls Feuer, sodass das Ganze an Funkenflug erinnert. Danach sinken die Sporen langsam zu Boden, wobei sie meist schon aufgehört haben zu glühen, bevor sie den Boden überhaupt erreicht haben. Wieder verwirrt es mich, wie schön es aussieht, wenn gleich es doch so gefährlich ist. Aber immerhin wissen wir jetzt, das verbrennen tatsächlich eine Möglichkeit wäre. Wenn wir wenigestens wüssten, wie weit sich dieser Pilzteppich zieht, könnten wir auch besser entscheiden, ob es sich lohnt, einen Weg frei zu brennen und vielleicht sogar ein wenig Öl zu verbrauchen. Verfluchte Dunkelheit! Und im selben Moment, als mir dieser Gedanke kommt, habe ich das Gefühl, dass die Dunkelheit mir nicht nur Stimmung sondern auch Verstand langsam entreißt. Ein Flim Flam! Warum bin ich nicht schon viel eher darauf gekommen? Damit könnten wir nachsehen, wie lang dieser Gang ist und was sich dahinter verbirgt. Sofort mache ich mich daran, den Zauber zu wirken und lösche im selben Zug meinen Stab wieder. Nur wenig später erscheint eine Lichtkugel, die es nicht nur schafft, den Gang zu erhellen, sondern auch meinen Geist wieder etwas zu klären. Ich führe die Kugel langsam in den Gang und freue mich über das, was ich zu sehen kriege. Die Pilze bewachsen gerade einmal die ersten zwei Schritt des Ganges, danach fällt der Bewuchs so stark wieder ab wie er anfängt. Als ich das Licht nun noch weiter in den Gang führe, meine ich für einen Moment etwas weghuschen zu sehen. Unsicher darüber, ob mir meine Sinne nur einen Streich spielen, schweige ich vorerst darüber. Wir alle sehen weiter in den Gang, Amariel bemerkt etwas, das hier nicht hinzugehören scheint. Etwas steinernes liegt auf der anderen Seite, aber es ist zu weit weg, um sagen zu können was. Am Ende des Ganges werden die Wände auch wieder breiter, das hier scheint also nur ein Durchgang zu sein. Komisch, dass diese Pilze nur hier zu wachsen scheinen. Wie als ob sie meine Gedanken lesen könnte, sagt Amariel:" Ich habe fast das Gefühl, jemand pflanzt diese Pilze hier an. Sie brauchen sicherlich Wasser, um so zu wachsen, und sie breiten sich nur genau hier aus, in diesem schmalen Gang, als ob jemand verhindern wollte, dass man hierdurch kommt." Einvernehmliche Zustimmung. Auch wenn wir bisher keinerlei Lebewesen direkt begegnet sind, wir sind hier unten nicht alleine. “Ich glaube, dass sich auf der anderen Seite etwas bewegt hat, als wir den Gang ausgeleuchtet haben.”, äußere ich nun doch. Danach beginnt wie schon vorher wieder eine kleine Diskussion darüber, ob wir nun Öl verwenden sollen oder nicht. Immer noch uneinig, fange ich einfach an einzelne Pilze mit meinem Stab zu entzünden. Wie schon vorher ist dasselbe Spektakel zu beobachten, ein verpuffen, Sporen, dann verglühen. Es dauert nicht lange, bis langsam aber sicher eine Kettenreaktion entsteht. Die glühenden Sporen entzünden wieder neue Pilze und das Ganze wiederholt sich. Fast zwanzig Minuten dauert das Schauspiel, das wohl am ehesten an ein Lichterspiel oder Feuerwerk erinnert. So länger es dauert, desto mehr füllt sich der Gang mit Rauch, während wir nur dastehen und zusehen. Ungewöhnlich ist auch, dass der Rauch, statt an der Decke zu kleben, einfach wieder zu Boden sinkt und letztlich hüfthoch steht und den Boden fast vollständig verdeckt. Da hier keinerlei Wind herrscht, um den Rauch wegzuwehen, versuchen wir es vorerst mit warten und damit, selbst Wind zu erzeugen, beides aber unerfolgreich. Ich gehe ein Stück Richtung Gang und erleuchte den Eingang mit meinem Stab. Dort, wo vorher noch Pilze an den Wänden waren, sind nun nicht mehr als schwarze Flecken zu sehen. Scheinbar sind sie alle verbrannt, und da die Sporen in einem großen Schauspiel verglüht sind, beschließe ich, einfach loszugehen. Ohne Pilze und Sporen sollte der Weg zur anderen Seite nun ja endlich frei sein. Ich gehe behutsam, aber nicht langsam los. Schon nach den ersten zwei Schritten merke ich einen leichten Schmerz in meine Beine fahren, der mit jedem weiteren stärker und stärker wird. Als ich auf der anderen Seite angekommen bin, ist der Schmerz schon fast damit fertig, meinen Verstand zu verdunkeln. Meine Sicht wird schwarz und ich falle zu Boden, woraufhin mein Stab erlischt und die anderen nicht mehr als das dumpfe Aufprallen meines Körpers auf denBoden vernehmen. Kurz bevor mein Bewusstsein endgültig schwindet, kommt mir ein Gedanke, den ich erst vor kurzem hatte: “Sollte irgendwer durch diesen Gang gehen und dabei die Sporen all dieser Pilze abbekommen, wäre das mit Sicherheit nicht nur extrem schmerzhaft, sondern möglicherweise auch tödlich.”

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Wenn Wölfe Beten

„Vater Praios, der Licht und Wahrheit gebietet. Wir sehen deine Stärke und erkennen sie an. Wir sehen deine Weisheit und erkennen sie an.
Wir sehen deine Tugenden und versuchen ihnen zu folgen, wir sehen deine Diener und versuchen sie zu schützen.
Schenke uns Stärke wo deine Feinde unsere Feinde sind, gewähre uns Gnade wo deine Feinde nicht die unseren sind.
Hilf uns die Feinde der Götter zu zerschlagen, zeige uns wo wir sie finden mögen.
Gib uns Weisung, Zeige uns den Weg, Gewähre uns Stärke, Und wir schwören den Tod der Übel.“


„Das war knapp. Und sehr genial, gute Arbeit Bruder.“ „Wir hatten Glück, scheinbar kannte niemand Mondträne persönlich. Aber danke.“ „Glück? Hm…“

„Herr der Listen dieser Länder, wir danken das du die List meines Bruders hast gewähren lassen.“ „Und wir danken für die Unwissenheit unserer Feinde, die sich haben täuschen lassen.“


„Eine Nachricht an seinem Bruder?“ „Hm. Macht aber Sinn.“ „?“ „Wenn er über Wahrheit gebietet, dann macht es auch Sinn das er über Nachrichten wacht. Briefe mit seinen Zeichen könnten keine Lügen enthalten, Übel kann keine Boten unter seinem Schutz fressen. Vermutlich.“ „Hm. Nun gut, wenn es hier nur 12 gibt…“

„Herre Praios, der Worte an seine Geschwister trägt. Wir sehen deine Feinde und schlagen sie. Wir sehen deine Diener und stärken sie. Gib unsere Worten an deinen Bruder, der über Geheimnisse wacht, und Handel gewährt:

Vater der Schatten, Wächter der Diebe. Wir kennen ein Geheimnis und hüten es. Wir suchen deine Gebote, und hören sie.
Wir spüren deinen Schutz, und sind dankbar. Wir sehen deine Forderung, und versuchen sie zu erfüllen. Gibt uns Weisung, wie wir dir dienen mögen. Zeige uns deine Verbündeten, und wir stärken sie.

Das Übel in dieser Stadt lauert in jedem Schatten. Doch auch die deinen Wandern im Dunkeln. Hilf uns, ihnen zu helfen. Sende sie zu uns, damit wir an ihrer Seite gegen das Übel kämpfen können. Zeige uns verborgene Wege zu deinen Feinden, und wir werden sie zerschmettern. Entreiße den Paktieren deine Schatten, damit wir sie zerreißen können.
Gib meinem Bruder die List, um jene die uns jagen zu täuschen. Verhülle die Geheimnisse die mein Bruder hütet.“
„Und wir schwören deiner Feinde Tod.“


„Vater. Die Stadt liegt hinter uns, wir wandern wieder durch deine Wälder. Noch immer liegt eine Ahnung des Übels in der Luft, noch immer ist es zu still hier. Seit Monden haben wir keine von unseren Geschwistern gesehen, sind keinen deiner Weisungen gefolgt.
Wir hoffen das du uns noch nicht verloren glaubst. Wir sind sicher, du siehst unseren Willen auch deine Kinder zu schützen, wenn wir alle Übel jagen gehen. Es ist schwer einen klaren Pfad zu gehen, wenn es so viele Feinde der Nachtschwarzen gibt, die alle anders handeln. Wir versuchen zu vermitteln, aber wir sind niemals als Mittler geboren worden.
Vater, wir machen uns Sorgen. Das Übel ist ein Unkraut, kaum dass wir eine Hand abgeschlagen haben, wachsen zwei neue nach. Während wir uns um Andrasch gekümmert haben,
(Haben wir dir schon das Neuste vom ihm erzählt? Er ist wohl ein Prinz? So etwas wie ein Brenchî-Dur-Brênchi, nur über alle Stämme der Zwerge hinweg. Denke ich.) hat sich in Grautann das Übel tief verwurzelt. Die Menschen wollen in den Krieg ziehen, diesmal gegen den Wald selbst. Die Nachtschwarze will wohl ein Tor für ihre Brut in diese Welt öffnen.
(Oder ein Tor selbst will ihre Kinder an sich binden.)Wir hoffen das es nicht passieren wird, aber fürchten es.
Bitte, gib uns Rat. Wir kämpfen mit deinen Weisungen. Wir mussten einen Bruder erschlagen, vom Übel kontrolliert. Wir nahmen was wir von ihm konnten, das sein Tod nicht ohne Nutzen ist. Aber unsere wilde Schwester, Amariel, sie will nicht von ihm. Das Fell nicht tragen, die Knochen nicht nutzen. Wir tragen ihm mit uns, und harren einer Not, damit er noch einmal helfen kann. Aber wir fürchten das sie nie kommen wird.
Schlimmer noch, wir verletzen einen der unseren. Tairach war wütend,
(so glauben wir) und gab uns eine Warnung. Irion, der vor Tod bewahrt, war gebrochen und krank als wir wieder zu uns kamen.
Wir haben viele Versprechungen gemacht, und es wird schwierig sie alle einzuhalten. Bitte, vergib und wenn wir deine Worten wieder missachten. Und vertraue uns das wir wieder zu dir zurück kehren werden.“


„Hüter dieser Stätte, wir danken für sicheren Ort in fremden Ländern.“ „Für Licht und für Wasser, das uns erhält. Wir erbitten, falls in deiner Macht und Gnade, Weisung durch diese verirrenden Wege, und sicheren Schritt in diesem dunklen Ort.“

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Das Spiegellabirinth des Irrbar

Das Spiegellabirinth des Irrbar

Rot, Blau, Lila, Rot. Zum Donnergrummel mit diesen Farben! Da wird doch kein Zwerg schlau draus!
Rot… Zwei mal Rot – wie wärs wenn wir einfach immer die Farbe nehmen, die am öftesten vorkommt?

Andrasch war sichtlich genervt. Denken war nicht grade eine seiner Lieblingsbeschäftigungen – vor allem wenn es um Rätsel ging.

Wisst ihr warum es so wenige Geschichten gibt, in denen Rätsel vorkommen? Weil sie allesamt stinklangweilig sind!

Jetzt übertreibste aber. Es gibt ne Menge Geschichten in denen Rätsel vorkommen: Die Nixe und das Biest, Tsapunzel, die rote Braut des toten Matrosen…

Martellus fiel Hinnerk ins Wort:
Könnten wir uns vielleicht wieder aufs Wesentliche konzentrieren? Einige von uns versuchen hier ein Rätsel zu lösen.

Man konnte ihm deutlich ansehen, dass der Ort ihm zu schaffen machte. Möglicherweise fühlte er sich als Hesindegeweihter auch einfach für das Lösen von Rätseln zuständig, und war frustriert, dass keine seiner Theorien bisher aufgegangen waren.

Ich hab doch grad nen Vorschlag gemacht”, nörgelte Andrasch.

Ja, aber hättet ihr auch darüber nachgedacht, was ihr gesagt habt, wäre euch aufgefallen, dass euer Vorschlag in keinster Weise hilfreich ist, denn wie sollen wir denn dann eurer Meinung nach entscheiden welche der Türen wir nehmen sollen, wenn wir uns grade für die Farbe entscheiden, die es am HÄUFIGSTEN gibt?

Martellus atmete einmal tief durch.

Verzeiht, das wollte ich nicht. Womöglich ist euer Vorschlag ja doch bedenkenswert

Martelus guckte sich in der Runde um. Amariell war anzusehen, dass sie sich in den engen, immer gleich aufgebauten Räumen nicht wohl fühlte, Torkin versuchte wohl auf seine Art eine Lösung zu finden und schnupperte an den Türen, Vivi betrachtete interessiert die Schlösser.

Ich frag mich echt, wie das funktioniert, dass wir immer nur durch eine Tür gehen können. Irgendwie müssen die Schlößer ja miteinander verbunden sein..”,
murmelte Vivi vor sich hin und schaute auf einmal mit leuchtenden Augen auf:
Ich habs!

Alle sahen sie an.

Es muss Magie sein!

Martellus und Irions Gesicht verzogen sich gleichzeitig auf die Art und Weise, wie wenn jemand vergeblich versucht einem Kind beizubringen, wie man eine Schleife bindet, ohne seine Enttäuschung zu zeigen, wenn es auch beim zehnten Versuch noch den Knoten vermasselt, damit das Kind bloß nicht aufhört zu üben.

Irion setzte an: “Wir wissen doch bereits, dass das hier magisch ...”.

Doch Martellus gab ihm mit einem Zeichen zu verstehen, dass die Erklärung nicht hilfreich gewesen wäre. Dann jedoch stockte er:
Natürlich! Du hast Recht Vivi!

Vivis Gesicht vereinte eine Mischung aus Überraschung und unverhofftem Erfolg:
Echt? .. äh ich meine.. Natürlich! Was dachtet ihr denn?”,
sie guckte herausfordern zu Irion herüber, der wiederum verunsichert und verwirrt zu Martellus guckte.

Es ist genau was Vivi gesagt hat! Warum bin ich da nicht schon früher drauf gekommen? Es IST Magie. Aber dämonische Magie. Ich habe schon die ganze Zeit eine solche Präsenz gespürt die mich verwirrt hat, dieser Ort muss ein Unheiligtum sein, deswegen kann es auch keine Lösung für dieses Rätsel geben. Es IST kein Rätsel!

Torkin verstand was zu tun war.
Seine Axt traf mit voller Wucht die Wand.

Andraschs Augen leuchteten nun ebenfalls:
Ich hab zwar kein Wort verstanden aber ich mag was ihr tut”, und er machte ebenfalls seine Axt bereit.

Ein Schlag folgte auf den Nächsten und tatsächlich, bald sah man erste Risse. Erst nur in der Wand, dann auch in der Realität, bis schließlich unter Torkins Axtblatt die Welt vor den Augen der Heden zersprang.

HAHA, jetzt ham wir das Erzdämonensöhnchen an den Eiern!
Der nächste Schlag des Zwerges zerstörte die Illusion endgültig.

Ein letzter Blick ging zurück, wo Martellus bester Freund zurückgeblieben war, doch er kam nicht.
Dann gingen die Helden nach vorne.

Fortsetzung folgt….

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Inhaltszusammenfassung Schlangenberg

[Stichpunktartige Zusammenfassung des Inhalts, für eine grobe Orientierung und damit ich an anderen Stellen weiter schreiben kann, auf die ich mehr Bock habe].

Die Helden gehen in den Schlangenberg, Athovar opfert sich um den Helden und Martellus den Rücken gegen einen Haufen Goblins (Gründe für den Angriff der Goblins sind unbekannt?) frei zu halten und ist seit dem nicht wieder gesehen.

Die Helden öffnen einen Geheimgang ins innere eines alten Konstruktes und landen nach einigen Gängen, Hallen und Räumen in einem dämonischen Spiegellabyrinth des Irrbar, das versucht sie in die Irre zu führen und verrückt zu machen, denn es ist ein Farbrätsel ohne Lösung.

s. Das Labyrinth des Irrbar

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Wahrheit
Grautann. In Martellus Haus.

„Vivi, du hast kein Fieber.“, Martellus zog mit einem Lächeln seine Hand von ihrer Stirn zurück. Die Thorwalerin sank auf dem Holzstuhl zusammen und überprüfte ihre Temperatur selbst. Erneut. Sie stöhnte wehleidig. „Aber mein Schädel fühlt sich an, als würde er gleich bersten!“ Quengelnd vergrub sie ihr Gesicht in den Handflächen.
Als der Hesindegeweihte sich wieder ihr gegenüber am Tisch niedergelassen und sein Buch aufgeschlagen hatte, betrachtete Viriea missmutig die Schreibfeder in ihrer Hand. Ächzend führte sie sie zum kleinen Tintenfass neben sich und setzte ihre Arbeit fort. Das Pergament vor ihr war mit Tintenklecksen übersät, doch bei genauerem Hinsehen konnte man ein paar schiefe Reihen von Buchstaben erkennen. Keine Worte, lediglich eines der Kusliker Zeichen schmückte das Blatt von links nach rechts und wurde so lange wiederholt, bis der Rand erreicht war. Darunter folgte ein weiteres. Über dem Pergament lag ein aufgeschlagenes Buch. Die linke Seite zeigte groß ein „D“ und ein „d“, daneben waren einige Zeichnungen, die mit Worten versehen waren. Viriea erkannte einen Dolch, einen Delfin, einen kleinen, feuerspeienden Drachen, den Umriss einer Hand, auf dessen Daumen ein Pfeil deutete und so weiter. Umständlich kratzte Vivi mit der Federspitze die zwei Linien des Zeichens auf das Pergament. Je öfter sie diese mit der Vorlage verglich, desto frustrierter wurde sie. Ihre hakeligen Symbole hatten nur mit viel Fantasie etwas mit den schwungvollen Buchstaben aus dem Buch gemein.
Ihr Blick blieb nach nur wenigen neuen Strichen an der Feder selbst hängen. Sie war braun und hatte zur Spitze hin dunklere Flecken. Den Vogel, von dem sie stammen mochte, kannte Viriea nicht. Langsam fuhr sie mit einer Fingerspitze den Rand der Feder nach oben hin nach. Noch nie waren die Fasern einer Feder ihr so interessant vorgekommen. Sie verbanden sich irgendwie zu einer einzigen Fläche, selbst wenn man leicht dagegen drückte, waren sie wie aneinandergeklebt.
„Ich höre ja gar nichts.“, sagte Martellus. Vor Schreck zuckte die Thorwalerin ein wenig zusammen, der linke Rand der Feder riss ein. Sofort senkte sie das Schreibwerkzeug wieder zum Pergament und linste zum Geweihten herüber. Er hatte den Blick nicht von seinem Buch erhoben, grinste aber ein wenig verschmitzt, wie so oft. Viriea unterdrückte einen knurrenden Laut, stattdessen begann sie leise vor sich hinzumurmeln. „D wie … Drache.“ Ihr Blick wanderte einige Male entnervt zwischen dem Buch vor ihr und Martellus hin und her, doch dieser grinste lediglich stumm, in sein Buch vertieft. „D … wie Dolch.“ Lustlos kratzte der Kiel wieder auf dem Blatt herum, während sie ihre Wange auf der linken Faust abstützte. „D wie …“, Viriea stöhnte und leierte dann im selben Tonfall, „D wie das ist doch schwachsinnig.“ Martellus blätterte eine Seite in seinem Buch um. „Gut! ‘Das’ beginnt ebenfalls mit dem Buchstaben D. Ganz richtig.“ Er sah sie immer noch nicht an, sodass ihm ihre zusammengezogenen Augenbrauen und ihr ungläubiger Blick entgingen.
Bis die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hatte, wies Martellus sie an, die Übung fortzuführen. Unbewegt und auf eine Sache konzentriert von Sonnenaufgang an dazusitzen kam ihr anstrengender vor, als jeder Marsch, den sie bislang hatte bestreiten müssen. Dann kochten und aßen sie zusammen und anschließend ging er in den Tempel. Die Zeit bis zum frühen Abend sollte die junge Thorwalerin nutzen, um „den Kopf frei zu bekommen.“, wie Martellus es nannte. Also verließ sie den Garten des Hesindetempels und erkundete Grautann und seine Bewohner. Wenn sie zurückkam, sprach sie ein wenig mit der alten Marta Magistra, die wie immer auf der Bank saß. Bei Tee und Brot erzählte Martellus ihr dann in seinem Haus von den unterschiedlichsten Dingen. Er war ein guter Erzähler. Und er wusste viel. Er berichtete gerade noch von seinen Forschungen an den Halberanfragmenten, da redete er im nächsten Moment schon von einer bestimmten Sternenkonstruktion oder der schwarzen Kugel, die sie im Schlangenberg gefunden hatten. Kaum hatte Viriea einen Moment über einen Satz von ihm nachgedacht, erzählte er auch schon von hervorragenden Rezepten mit Pfeffer und bestimmten Pilzen hier aus der Gegend.
Vor dem zu Bett gehen brachte er sie noch einmal dazu, widerwillig das Lehrbuch und das verschmierte Pergament hervorzukramen. Sie versuchte weiter, sich die Form der bisherigen Zeichen zu merken, wobei er neben ihr sitzend vorsichtige Hinweise und Ratschläge zur Handhabung des für sie ganz neuen Werkzeugs, der Schreibfeder, gab. Er hatte nicht lange gebraucht, um zu verstehen, wie leicht es war eine Thorwalerin, die sich ihre eigene Unfähigkeit eingestehen musste, mit harmlosen Sticheleien zur Weißglut zu bringen. Schnell verkniff er sich die Späße und gab ausschließlich ernst gemeinte Tipps und wohlwollende Kommentare von sich.
Einige Tage vergingen so. Schnell gewöhnte sich Viriea daran, zu Martellus Haus zurückzukehren, an den Geruch von Büchern, Tinte und Tee, das Knistern des Ofens und den Klang der Begeisterung in seiner Stimme, wenn der junge Hesindegeweihte einer plötzlichen Eingebung folgend seine Überlegungen laut aussprach.
An einem Abend nannte er geduldig einige der Kusliker Zeichen beim Namen und Viriea sollte sie aus dem Gedächtnis zu Papier bringen. Die Vokale hatte sie sich schnell einprägen können. Zu seiner Überraschung äußerte sie sogar bei ‘A’ und ‘G’, dass ihr diese beiden Buchstaben gefielen. Sie sähen schön aus. Bei ‘J’ und ‘V’ hingegen schlug sie mit der Faust auf den Tisch. „Das ist doch- Argh!“, rief sie aufgebracht. „J! Jot! I und J klingen doch fast genau gleich, also in Worten. Jjjjeder, iiirgendwie. Oder?“ Hilfesuchend sah sie zu Martellus, der mit ein wenig verkniffenem Gesicht, aber immernoch lächelnd, mit den Schultern zuckte. „Na ja, es ist ähnlich aber eben nicht gleich. Du bekommst den Bogen schon noch raus.“ Viriea schnaufte wütend. „Und ‘V’. Wozu brauch man das? Warum nimmt man nicht ‘F’ oder ‘W’, wenn das die einzigen beiden Aussprachen des Buchstabens sind? Die gibt es doch schon! Das muss man sich nur zusätzlich merken, sowas Blödes!“ Die beiden debattierten eine Weile über den Sinn und Unsinn eines Buchstabensystems wie den Kusliker Zeichen, wobei Viriea schnell der Wind aus den Segeln genommen wurde. Martellus schaffte es, ihr klarzumachen, dass, nur weil sie das System nicht nachvollziehen konnte, es nicht bedeutete, dass es schlecht oder falsch sei, dass dahinter sehr viel mehr Gedanken stecken mochten, als sie im Augenblick begreifen könne, schließlich habe es sehr lange Zeit gedauert, bis es sich so entwickelt hatte, wie es heute aussah. Tatsächlich war er in der Lage, ihr nicht das Gefühl zu vermitteln, dass sie deswegen weniger clever war oder er sie mit seinen Worten angreifen wollte, was bei Viriea durchaus beachtlich war.
Nachdem sie sich weiter über den Buchstaben V ausgelassen hatte, was Martellus durchaus amüsierte, gestand er ihr zu, dass es tatsächlich verwirrend sein kann. „Sag mal“, begann er nach einer Weile, „Hast du schon einmal deinen Namen geschrieben? Oder gesehen?“ Viriea hatte sich gerade wieder in Rage reden wollen, als sie innehielt und über seine Frage nachdachte. „Hm, ich glaube es gab da mal einen Stein.“, sie kratzte sich am Kopf. „Da standen alle aus der Ottajasko drauf. Aber nicht in … so.“ Viriea deutete auf die kusliker Zeichen, oder das, was mal Kusliker Zeichen aus ihrer Feder hatten werden sollen. „Es waren Runen. Aber die konnte ich auch nicht lesen.“ Martellus musterte die Weißhaarige einen Augenblick. Sie dachte angestrengt nach, doch schien dem nichts mehr hinzuzufügen zu haben. „Na dann, fangen wir doch damit an.“, schlug er vor. Er zog eine lange, schwarz-glänzende Feder mit metallener Spitze am Kiel aus der Innentasche seines grünen Gewandes und nahm ein frisches Blatt Pergament zur Hand. Er schaute wieder mit dieser ihr unbegreiflichen Begeisterung zur ihr herüber. Sie betrachtete einen Augenblick das leere Pergament. „Wartet.“, sagte sie leise, stand auf und kramte in ihrem Rucksack herum. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie mit einem braunen Streifen Stoff in der Hand zum Tisch zurückkehrte.
Sie legte das Stück Stoff vor Martellus auf den Holztisch und versuchte, es mit den Händen an den völlig ausgefransten Rändern Straff zu ziehen. Es war nicht größer als ihre Faust. Der Geweihte beugte sich ein wenig über den Tisch. „Was ist das?“ Sein Blick war nachdenklich, ernst. Die Thorwalerin betrachtete es ebenfalls eine Weile, bevor sie antwortete. „Mein Name. Glaube ich. Ich habe ihn mir ein mal Aufschreiben lassen.“ Erst jetzt erkannte Martellus einige dunklere Striemen innerhalb der Fasern, die er vorerst für einen einfachen Fleck gehalten hatte. Er zog in Konzentration die Brauen zusammen. „Ist lange her.“, sagte Viriea in entschuldigendem Tonfall. Sie setzte sich auf den Stuhl neben Martellus und beide musterten den Stoffstreifen. Martellus nahm ihn in die Hand, hielt ihn hoch, brachte ihn näher an das Licht der Laterne auf dem Tisch heran, drehte ihn um. „Das ist kaum noch zu erkennen.“, gab er mit einem leichten Lachen von sich.
Viriea besah sich den Fetzen ebenfalls genauer. Es war ein mal ein Wort so lang wie ihr kleiner Finger darauf zu erkennen gewesen. Nicht, dass sie es hätte lesen können, aber dennoch hatte sie es aufbewahrt. „Da war ein Mann. Er saß in einer Taverne, vermutlich ein Gelehrter.“, sagte sie, deutlich leiser als Martellus es von ihr gewohnt war. Sofort wurde seine Miene wieder ernst und er hörte ihr aufmerksam zu. Niedergeschlagen fuhr sie mit dem Finger wahllos einigen der Schlieren nach, die ein mal Linien gewesen sein mochten. Oder nur verlaufene Tintenflecken. „Er war ziemlich betrunken … und er redete komisch.“ Sie drehte das Stoffstück in diese und jene Richtung. Dann legte sie es auf die Rückseite. Man erkannte nach wie vor nicht wirklich etwas. „Er hatte so einen Spruch immer wieder gesagt. Irgendetwas mit Wein. Und Wahrheit. Ich fragte ihn nach diesem Wort. Wahrheit.“ Sie machte eine kurze Pause und ließ den Fetzen in Frieden. „Am nächsten Tag fragte ich jemandem, ob er mir das Wort aufschreiben könnte.“ Sie schaute zu Martellus wachsamen Augen auf, konnte ihnen aber nicht lange standhalten, dann senkte sich ihr Blick vielsagend auf den Fleckigen Stoff. Schweigen legte sich über die beiden. Das Kaminfeuer knisterte leise, sonst war nichts zu hören. „Viriea.“, sagte sie schließlich matt.
Martellus fragte weder, ob diese Geschichte bedeutete, dass sie sich diesen Namen selbst gegeben hatte, noch wie ihr ursprüngliche Name lauten mochte. Er nickte nur verstehend. Nach einigen Augenblicken nahm er erneut das beschriftete Stück Stoff und suchte nach Linienandeutungen, die die Zeichen beschrieben, die er in dem Wort vermutete. „Viriea.“, wiederholte er und sprach dabei jede Silbe deutlich und gedehnt aus. Währenddessen grübelte er nach den ihm bekannten Worten für Wahrheit. „Sprach der Mann vielleicht Bosperano?“, fragte er. Viriea wusste nicht, ob die Frage an sie gerichtet war, denn sie konnte sie ohnehin nicht beantworten, oder ob er nur laut dachte. Sie schwieg. „Wahrheit …“, murmelte er, den Blick weiter auf die Tinte gerichtet. „Das Wort, das ich dafür kenne, vor allem, da du den Spruch mit dem Wein erwähntest. Es lautet ‘Veritas’.“ Er blickte zu ihr, als erwartete er eine Reaktion. Viriea grübelte und wiederholte im Geiste das Wort einige Male. Veritas. Veritas. „Hm.“, machte sie. „Klingt nicht sehr ähnlich.“, schloss sie kleinlaut.
Martellus musterte sie abermals, dann wandte er sich wieder den Schlieren zu. „Je länger ich es mir ansehe …“, er kniff die Augen zusammen, und hielt den braunen Streifen direkt vor sein Gesicht. „Das Wort muss mit ‘V’ begonnen haben. Hier könnte der Haken unten gewesen sein und danach folgt eine Lücke.“, er zeigte Viriea die besagte Stelle. „Siehst du?“ Plötzlich grinste er wieder. „Kein ‘W’, obwohl es, wie du sagtest, wie eines klang, seltsam, oder?“ Viriea sah zu ihm und ihr Mundwinkel zuckte, aber ein Lächeln konnte sie sich nicht abringen. „Ihr habt es euch also gemerkt und seid zu jemanden gegangen, der es aufschreibt. Wer war denn derjenige?“, fragte er weiter. Viriea hob abwehrend die Hände. „War es auch ein Gelehrter?“ Sie dachte nach. „Kann sein. Er konnte jedenfalls schreiben. Ich hatte auch ihn in einer Taverne gefunden. Allerdings am Morgen. War noch jünger.“, sie grübelte ein Weile. „Könnte sogar ein Magier gewesen sein. Glaube ich. Ist lange her.“ Martellus legte seinen Ellenbogen auf dem Tisch ab und stützte sein Kinn mit der Hand, während er an die Decke starrte. Dann nahm er seine gezückte Schreibfeder und das leere Pergament. Elegant ließ er die Feder tanzen, gleich darauf schmückten zwei Worte untereinander das Blatt. Viriea bestaunte den feinen Schwung in den Linien. Ihr Geschriebenes lag links neben ihr und kam ihr noch viel schrecklicher vor, als vorher. „Was steht da?“, fragte sie schließlich. Der Geweihte schob ihr die frisch geschriebenen Zeichen hin und lächelte aufmunternd. „Versuch es selbst.“, sagte er, woraufhin die Thorwalerin einen resignierten laut von sich gab. Sie bemühte sich wirklich, laß einzelne Buchstaben, die sie wiedererkennen konnte laut vor, aber es ergab sich einfach kein Zusammenhang. Außerdem hatte sie mehr als die Hälfte der Zeichen nicht wiedererkennen können. Nachdem sie mit in den Haaren verkrallten Fingern ihre Stirn gestützt hatte, schob sie das Blatt wieder zu Martellus herüber. Sie stöhnte und schüttelte unmerklich den Kopf. „Keine Sorge, das wird schon.“, sagte der Geweihte und sie hörte sein Lächeln, ohne ihn anzusehen. „Es war auch gemein von mir. Das ist Bosperano.“ Viriea sah nur deprimiert zu ihm herüber. „Bosperano nutzt die selben Schriftzeichen wie Garethi, was wir jetzt sprechen. Und was du sicher meistern wirst.“, er zwinkerte ihr zu. Ihre Miene veränderte sich nicht. Er deutete auf das obere Wort. „Das hier ist ‘Veritas’.“, er fuhr beim sprechen die Buchstaben entlang, damit sie erkennen konnte, welches Zeichen welchen laut beschrieb. Er wiederholte es noch ein mal langsamer und wartete ab, bis sie nickte. Dann legte er das Stück Stoff direkt unter das Wort, sodass es das andere Geschriebene vorerst verdeckte. Er hatte wohl versucht, es ungefähr so groß zu schreiben, wie auch der Schriftzug auf dem Stoff gewesen sein mochte. „Wenn du aber die einzelnen Umrisse vergleichst … Hier. ‘Veritas’, das ‘t’, es müsste hervorstechen. Oder der Punkt auf dem ‘i’. Esseidenn, all das ist völlig verblasst nach der ganzen Zeit. Wenn du aber genau hinschaust…“, Martellus Fingerspitze zeichnete eine unsichtbare Linie vom obersten erkennbaren Teil des ersten Buchstabens bis zum letzten. „Die Spuren, die noch da sind, weisen darauf hin, dass die folgenden Buchstaben alle kleiner waren, als das ‘V’ zu Beginn. Denkst du nicht auch?“ Viriea betrachtete das Geschriebene und den Stofffetzen noch ein mal eingehend. „Möglich.“, antwortete sie. „Das einzige Wort, was mir noch in den Sinn gekommen ist, wieder auf Bosperano, da Schriftgelehrte, insbesondere Magier, in dieser Gegend überwiegend diese Sprache lesen und schreiben lernen …“, er schob das Stoffstück ein wenig weiter zu sich, sodass über diesem nun das zweite geschriebene Wort zu erkennen war. „’Veream’. Oder wahrscheinlich eher ‘Vereas’. Das hier könnte tatsächlich ein ‘s’ gewesen sein, nicht wahr?“, er deutete auf den Schluss der verlaufenen Zeichen auf dem Stofffetzen. Wieder stimmte die Weißhaarige ihm zu. „’E’ lässt sich leicht mit ‘I’ verwechseln, wenn man es nur hört. Und der Sprecher betrunken ist. Aber dieses ‘ea’ … das ‘s’ lässt sich auch leicht verschlucken.“ Martellus schaute wieder an die Decke. „’Vereas’. ‘Vereiea’. ’Viriea’“, sagte er vor sich hin. Er wiederholte und variierte das Wort einige Male. Je öfter die Thorwalerin sich das Wort durch den Kopf gehen ließ, desto einleuchtender wurde es für sie. Dass sie sich verhört hatte war gar nicht so unwahrscheinlich, auch wenn sie es sich nicht gerne eingestand. Und der Mann, der das Wort aufgeschrieben hatte, hatte das eigentliche Wort nicht gekannt. Er hatte nur gehört, was sie geglaubt hatte, verstanden zu haben. Dass es ‘Wahrheit’ bedeuten sollte, hatte sie dummerweise nicht erwähnt. Sie hing einer weile ihren Gedanken nach.
Sie hatte es sich zwar aufschreiben lassen, doch lesen konnte sie es nie. Vielleicht hatte sie es sich mit der Zeit einfach falsch eingeprägt. So war Viriea entstanden.
„Und was bedeutet das?“, brachte sie schließlich hervor und deutete auf das untere der beiden von Martellus geschriebenen Wörter. Sein Blick folgte ihrem Fingerzeig. „’Vereas’.“, wiederholte er. „Es bedeutet, ‘Du scheust’ oder ‘Du fürchtest’.“ Viriea spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Martellus schob den Stoff samt des Pergaments zu ihr herüber. „Hier. Zum Weiterüben.“ Die Thorwalerin zog abwesend beides ein wenig zu sich.
Sie seufzte leise. „’Wahrheit’ gefällt mir besser.“, sagte sie, mit leichtem Trotz in der Stimme. Martellus lachte wieder sein verständnisvolles Lachen. „Ja, mir auch.“
Sie griff nach dem Stoffetzen und knüllte ihn achtlos in der Hand zusammen. Sie stand auf und stopfte ihn wieder in ihren Rucksack zurück. Martellus folgte ihr mit dem Blick, bis sie sich wieder auf den Platz ihm gegenüber gesetzt hatte. „Du hast einfach beides vermischt. Vereint, vielleicht.“, schlug er vor. Viriea zog ihr beschmiertes Blatt wieder zu sich, ohne dem Geweihten noch einen Blick zuzuwerfen. Stöhnend betrachtete sie das noch aufgeschlagene Lehrbuch und nahm die angerissene Schreibfeder in die Hand. „Mh.“, machte sie. „Oder es ist einfach meine Wahrheit.“
Martellus nickte stumm. Er nahm sich wieder sein Buch und Viriea führte ihre Übung fort. Mittlerweile hatte sie das ‘V’ als eigenständiges Zeichen akzeptiert.

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Virieas betrunkene Monologe - Teil 3
- bitte mit ordentlichem Lallen lesen -

Grautann. Nachts. In der ‘Grube’

„Ganz richtich – verschwinden, um zu echschj-… egsistieren. Nein! – Um Stück für Stück wieder zu erscheinen und neu in die Welt zu tauch’n. Genau. Ers’ dann wisst ihr, was es bedeutet zu exischj-… existier’n!“
Die glasigen, halboffenen Augen des Händlers auf dem Schemel ihr gegenüber musterten ihren erhobenen Weinkrug, der so sehr schwankte, dass der Inhalt nur um ein Haar nicht über den Rand schwappte. Der Mann rülpste zustimmend. „So is’ recht! Glaubt mir, hab’ dem Tod schon oft in sein fw-…vielfältiges Gesicht gsehen! Ers’ vor kurzem! In seine kalte, blasse Schädelfratze! Schweigsamer Geselle – und wer’s wagt, ihn zu stör’n, der wird emfalls sum Schweig’n gebracht…!“ Langsam bewegte die junge Philosophin ihren Zeigefinger an ihre Lippen und beugte sich verschwörerisch über den Tisch. „Schhh-hick-hhhh…!“, raunte sie vielsagend.
Ein ehrfürchtiges Murmeln ging durch Traube von Menschen, die überwiegend aus Männern mittleren Alters bestand und sich um den Rundtisch in der Ecke versammelt hatte, an dem sie saß. Alle Augen waren auf die Weißhaarige gerichtet. Ihr Gesicht lag zur Hälfte im Schatten ihrer dunklen Kapuze, die andere wurde von einer flackernden Talgkerze beleuchtet. Sie nahm einen großen Schluck aus dem Krug, verzog das Gesicht, als sie ihn mit einem hohlen Laut wieder auf den Holztisch knallte und murmelte etwas in einer befremdlichen Sprache. Für die Umstehenden ein weiteres Indiz dafür, dass sie es hier mit einer Seherin zu tun hatten. Dass Viriea sich auf Thorwalsch über das Gesöff beschwerte, ahnte niemand.
Die vermummte Frau sah sich ein mal im Raum um. Jeder, auf dem ihr Blick ruhte, schien die Luft anzuhalten, bis sie den nächsten musterte oder ihr Blick zu einem unbestimmten Punkt in der Luft wanderte. Ruckartig hob sie ihren Krug wieder in die Luft. „Eh! Noch ein’!“, rief sie, wobei ihr der Weinkrug aus den Fingern glitt und über den Boden rollte, bis er zwischen den Füßen der Zuhörer verschwand. Sie blickte nach einigen Sekunden verblüfft auf ihre leere Hand. Ein besonders mutiger Recke aus ihrer Mitte tat einen Schritt auf die junge Frau zu. „W-Werde ich bis zum Winter die versprochenen 8 Heller mehr jeden Mond bekommen? Meine Frau hängt mir schon in den Ohren, das Haus muss dringend repariert werden, die Tür is’ marode, das Dach … U-und mein Sohn, hat sich wohl falsche Freunde angelacht, wie wird’s um ihn stehen?“, fragte er mit ängstlichem Blick. Eine Schankmaid mit fleckiger Schürze huschte zum Rundtisch und brachte einen neuen, gefüllten Weinkrug, der ihr sofort von der Verhüllten abgenommen wurde. „Sowieso ham’ meine Frau und ich Probleme, Tag ein Tag aus nörgelt sie herum. ‘Sammel du doch dein hereingetragenes Viechzeug aus dem Wald wieder aus den Laken, Es gibt Leute im Haus, die auch von dem Geld essen wollen und nicht nur saufen, prügel dich nicht ständig mit de-“ Die mystische Frau räusperte sich geräuschvoll, eine Faust vor den Mund erhoben. Anschließend öffnete sie diese wieder und machte eine ausschweifende Geste in die Runde, sah aber eher an die Decke als in jemandes Gesicht. „Wenn der elende Drache dir dein Zeug stiehlt, tu’ gut daran-“, sie erhob den Zeigefinger, „ihm nicht alles su glauben! Das Mistding kann nichmal richtig fliegn.“ Die Versammelten tauschten Blicke aus. Einen Augenblick lang musterte sie den Inhalt des Kruges äußerst angestrengt, bis sie offenbar eine Eingebung hatte. „Die Küche! Die Küche die’s Futter von selbs’ kocht – weg! Nich’ mit in die Welt gefolgt! … Schande aber auch!“, postulierte sie, aufrichtig klagend. Sie zog ihren ausgestreckten Arm zu sich und drückte ihre Faust auf ihren Brustkorb. Einige der Männer nickten verstehend. Dann senkte sie den Blick auf die Tischplatte vor sich und strich mit der freien Hand langsam über die Holzoberfläche. Leiser fuhr sie fort. „Der blaue Pelz is’ verdammt weich, besser als jedes Daunenkissen …“, sie hielt in der streichelnden Bewegung inne und sah verschwörerisch zu dem Mann auf, „Führt aber nur durch speergespickte Fallen …“, Sie nahm einen Schluck aus ihrem Krug, hickste und verschluckte sich daraufhin. „ … und Gärten, die einen hüpfen lassen.“, krächzte sie, sobald sie wieder zu Atem gekommen war.
Die meisten blinzelten schweigend einige Male. „Ich wusste es!“, lallte schließlich derjenige, der seine Fragen vorgetragen hatte und stürmte entschlossen aus der Taverne. Einige blickten ihm verwirrt nach, andere riefen ihm Unverständliches ermutigend hinterher. Die Frau mit der Kapuze nickte wissend und leerte den Krug. Rötliche Rinnsale flossen an ihrem Kinn herab. Sie knallte den Becher mit dem selben hohlen Klang auf den Tisch, zog wieder eine Grimasse und wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. Erneut murmelte sie Unverständliches. Die ihr nahestehenden meinten vielleicht „…-ldreck“ hören zu können, aber wer wusste das schon, die Frau sprach in Rätseln. „Wie sieht es mit der Arbeit in den Mienen aus? Was muss ich meinem Chef unterjubeln, damit er mir meine freien Tage zugesteht?“, traute sich ein weiterer Geselle. Ungläubig lugte die Weißhaarige in den Krug, das eine Auge zugekniffen, wobei sie sich immer weiter nach hinten beugte, bis sie mit dem Schemel halb in der Luft hing. Polternd landeten die Hockerbeine wieder vollständig auf dem Boden, genauso wie der nächste Weinkrug. „Waldreck!“, blaffte sie dem Fragenden entgegen. Der Mann weitete die Augen. Einige Umstehende lachten kurz auf, wurden aber schnell von ehrfürchtigem Zischen zum Verstummen gebracht. Murmelnd tauschte sich die Gruppe aus. Mit der Zeit sprach Erkenntnis aus dem Gesicht des Fragenden. Wieso war er nicht selbst darauf gekommen! Er schwankte auf dem Weg zur Schenkentür so sehr, dass er drei Gäste anrempelte und einen Stuhl umwarf.
„So ein Blödsinn!“, keifte eine Frau mit Kopftuch und hohlen Wangen. „Alles Humbug, hört denn keiner zu, was dieses Weibsbild von sich gibt?“ Alle Augen richteten sich erst auf sie, dann wieder auf die Frau mit der tiefhängenden Kapuze. Diese drückte gerade mit der Fingerspitze in dem wachsenden Wachshaufen um die Kerze herum. Ein leises Kichern ließ ihre Schultern beben.
„Rauswerfen sollte man die!“, stimmte ein jüngerer Mann seiner Vorrednerin zu, wobei er durch den Schwung seines Arms die Hälfte seines Bierkrugs verschüttete, um seine Aussage zu untermauern. Er war eben erst von seinem Nickerchen mit dem Gesicht in einer Suppenschüssel aufgeschreckt. „Wen soll ich zusamm’ schlagen?“, gröhlte es aus der anderen Ecke der Taverne.„Wer weiß was für Zaubertricks diese Ziege mit Hautbildern und Metall im Gesicht wirken kann, aber eure Zukunft werdet ihr von der sicher nicht erfahren!“, empörte sich die Frau mit Kopftuch weiter lautstark. Einige schauten daraufhin verdrießlich drein, wussten aber offenbar keine handfesten Erwiderungen auf den Vorwurf, außer verärgerte „Eh!“ „Ja gar nich’!“ „Ach, Klappe!“-Rufe. Die anderen schienen sich nach und nach der Meinung der Frau anzuschließen und begannen, wahllose Flüche kundzutun. Die Weißhaarige am Tisch hatte sich eben noch neugierig nach der erwähnten Ziege in der Schaluppe umgeschaut, zog aber die Brauen zusammen, als die Leute um sie herum lauter wurden und musterte sie blinzelnd. Irgendwann dämmerte ihr, dass die Leute ihr unschöne Dinge zuriefen. Ihre Augen verengten sich. Diejenigen, die ihr am nächsten standen schwiegen wieder, sobald sie sie anfunkelte, doch die meisten hatten sich schnell von der wachsenden Verärgerung anstecken lassen, auch wenn viele von ihnen gar nicht wussten, weswegen genau sie brüllten. „Scher dich fort mit deinem Blendwerk!“, rief eine faltige Dame, die sich nach vorn gedrängelt hatte, um der vermeintlichen Seherin vor die Füße zu spucken. Ihr Atem stank schlimmer nach Brannt als die ganze Taverne.
„He! Ich hab’ nur mei’m Tischkumpanen hier“, wankend deutete die Frau mit Kapuze auf den Händler, der schnarchend auf seinem Schemel ihr gegenüber zusammengesackt war „’N paar gute Ratschläge gegeb’n!“ Ein hölzerner Krug flog in ihre Richtung, unter dem sie sich gerade noch rechtzeitig wegducken konnte. Er prallte an der Wand hinter ihr ab und traf einen kräftigen Kerl, der sich wutentbrannt in ihre Richtung drehte. Die Weißhaarige stand auf, kämpfte kurz um einen festen Stand, und stellte sich den aufgebrachten Leuten. „Und für euch’ Haufen hab’ ich auch ‘nen Rat!“, drohend hob sie ihren Zeigefinger, schien aber kurz den Faden verloren zu haben. Bevor die Leute sich wieder trauten, lauter gegen sie zu wettern, begann sie erneut. „Der Rat! Genau! Dem kann man nich’ trau’n! Hier is’n Krieg im Gange!“, eine Schale verfehlte sie nur knapp und zerschellte an der Wand hinter ihr. Die Rufe der Umstehenden waren zu einem einzigen Johlen verschmolzen. „Das is’ verdammt wichtig, ihr-…hick ihr Quallenhirne!“ Sie musste sich am Tisch abstützen, um nicht über ihre eigenen Füße zu stolpern. Ein Mann griff nach ihrem Oberarm und zerrte daran. „Erzähl deine Märchen wo anders, Hexe!“, die Weißhaarige riss sich loß, während sie irgendetwas von Wäldern, Elfen, Dämonen und Feuerfällen brüllte. Bei dem Versuch, nach ihr zu schlagen oder sie fortzustoßen, gerieten die Tavernenbesucher mehr und mehr unter sich aneinander. Einige wenige, die ihr noch versucht hatten, zuzuhören, sahen tatsächlich sehr beunruhigt aus.
Als auch ein Schemel durch die Luft flog, schob sie sich fluchend durch die wütende Meute richtung Ausgang. Am schweren, stinkenden Vorhang des Eingangs angekommen, drehte sie sich noch ein mal um. „Möge der Wal einen stinkenden Haufen auf euch setzen!“, brüllte sie aus Leibeskräften, dann wandte sie sich mit stampfenden Schritten, die in Schlangenlinien verliefen, zum Gehen. Auch von Draußen war der Tumult noch deutlich zu hören, aber niemand schien ihr zu folgen. „Und wer darf dies’m undankbaren Pack die Kehrseite rett’n ..! Sollen die doch sehen wo se bleib’n..!“ Einige Schatten von Wachen waren für ihre wachsamen Augen auch im Dunkeln zu erkennen. Ob es nun eine oder drei waren, da war sie sich nicht sicher, was machte das schon. „Alle korrupter als jeder Plünderfahrer..! Hranngarverfluchte Gierschj- hick..schlünde! Die ganze Stadt..!“, zischte sie in ihren Schal. Sie wechselte auf Thorwalsch. Somit gingen ihr die Flüche den ganzen Weg über bis zum Hesindetempel nicht aus.

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Von Sonnentagen und Stärke

Musik!

Es ist ein leichter, sonniger Tag. Der Wolf und der Mensch sind vorangegangen, den Weg und die Umgebung auskundschaften.

„Wie wäre es mit: Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren ?“ Fragt der Mensch.

„Eh. Dafür gibt es schon mehr als genug Geschichten. Und nach der letzten hab ich mehr Lust auf was leichtes, hoffnungsvolles. Etwas in die Richtung: Geteiltes Leid ist halbes Leid. aber mit weniger Leid.“

„Hm…“

Mensch und Wolf schweigen, sehen sich die Spuren in der Nähe an. Einige wenige sind wohl in den letzten Tagen auf der gleichen Straße entlang gelaufen, die meisten aber weg von Grautann, Richtung Helmark. Sie sollten keine Bedrohung sein.

„Vielleicht:…„

Zeit vergeht.

Dieser Ort, etwas abseits vom Weg, könnte später ein guter Rastplatz sein. Mensch und Wolf werden kurz mehr Wolf als Mensch, sagen „ Hier. Meins.“ Aber sie sagen auch „ Stress. Wenig Ruhe und viel Angst.“ Sie rümpfen ihre Nase, als sie ihre eigene Botschaft riechen.

„Bruder…“

[Kurzes Schweigen]

Wie wäre es mit folgenden Lektionen: Ohne Ruhe keine Kraft. Atme, wenn du kannst, damit du Luft hast,
wenn nicht. Geteilte Last ist halbe Last
.

„Aber vor allem: Der einsame Wolf stirbt.

„Wahr.“

„Bruder… Tairach gab mir eine Warnung, und seine Warnung hat fast einen von uns getötet. Wie kann ich ruhen, wenn ruhen zögern und fliehen bedeutet, und ich nicht mehr fliehen darf. Wir haben unsere Pflicht, und unsere Pflicht zu lange vernachlässigt.“

„Wir haben Pflichten, ja, aber nicht nur die eine. Wir haben den Dienst unserer Ältern vernachlässigt, ja, aber wir haben dafür den Dienst an den unseren vollzogen, etwas das wir die Jahre zuvor verloren. Und, im Dienst an den unseren stärken wir die, die gegen die Feinde unserer Ältern vorgehen.“

„Wahr. Aber was tun wir wenn die unseren Rasten wollen, und wir noch lange nicht rasten können? Es stehen noch viele kämpfe bevor, und für diese Kämpfe müssen wir stark und bereit sein. Ein Tag Ruhe kann einen Tod morgen bedeuten. Wir wäre das als Lektion?“

„Hrrrn. Nun gut, wenig Ruhe für uns. Aber gib den Anderen die Ruhe die sie suchen, sie werden selber wissen was am besten für sie ist. Vertraue den deinen, ihre eigene Schlachten zu schlagen.

„Nun gut.“

Eine Weile Schweigen und Wandern.

„Wenn wir uns schon Sorgen über den Vater der Wahrheit machen… Wann hast du vor den unseren von deinem Versprechen zu erzählen?“

Ein Seufzer.

„Am liebsten garnicht. Wenn wir uns auf den Weg zur der Graukuppe machen, sollte sich das von selbst lösen. Den Schwarzen Stein sollte ich finden, und Magdalena sollte ihn erkennen können.“

Das ist dein Plan? Das, mein Bruder, ist selbst für deine Verhältnisse dumm.

„Was soll ich sonst tun? Ich kann ihnen nicht sagen das ich mit meiner Hast uns noch mehr Probleme bereitet habe, nicht wenn ich es auch selbst lösen kann.“

Hrrrn. Torheit. Wie du willst. Aber als Absicherung: Wenn du es nicht alleine schaffst, werde ich es ihnen sagen.

„ ? Wirklich, Bruder? Dir ist bewusst…“

… das ich dafür ihre Sprache sprechen muss? Ja. Aber ich denke, es ist an der Zeit das auch ich beginne, mit ihnen zu reden. Immerhin, es sind die unseren.


Kaum das das Nachtlager aufgestellt war, begannen Wolf und Mensch mit ihrer Meditation.

Torkin macht sich gleich daran, Gareti sprechen und Verstehen von seinen Aspekten etwas zu lösen, um sie mit Bren teilen zu können, während Bren die abendlichen Routinen durchgeht. Die Bande von Kampf, Gnadenlosigkeit, Wille und Drang sind stärker denn je an sie beide gewoben, aber das scheint angemessen. Mit einem leisen Knurren trennt er die Bande zwischen Ruhe und Torkin, die bereits mit dem verrotten begonnen haben, und stärkt die wenigen die noch halten. Täuschung, Schläue, List, Schauspiel, Aspekte die an ihm schon immer hingen, werden bestärkt in Vorbereitung auf die Stadt. Torkins Spott über Fuchsnaturen und rote Felle ist schon ein fester Teil des Rituals. Götter/Ältern, ein Aspekt den sie beide Teil als ihrer Selbst betrachten, ist in den letzten Wochen stark gewachsen. Bren überlegt, ob die Bande derzeit nicht zu stark sind, kann sich aber nicht dazu bringen sie zu schwächen. Einsamkeit, stabil seit sie gemeinsam Reisen, Angst, unnatürlich stark seit sie mit dem Druiden ihren Willen übten, Wut, Frust, Freude, Freundschaft, Empathie, und hier stockt Bren. Bande die schon lange fest an Torkin hingen und ihn unberührt ließen, haben sich von seinem Bruder gelöst und sind zu ihm gewachsen. Seit sie den Heiler verletzen? Oder seit er selbst vom den ihren zum Reden gezwungen wurde? Torkin bemerkt sein Zögern, bestärkt ihn darin die Bande zu belassen. Wenn Torkin die Ruhe nicht hat um auf die Anderen zu achten, dann ist es nur gut, wenn Bren Acht haben kann. Bestärkt, aber auch beunruhigt geht Bren die anderen Bande durch. Als Torkin bereit ist, sein Gareti mit Bren zu teilen, spürt er ihn vor den Banden seines Rudels stehen. Ohne das Bren es merkte, haben sie sich mit seinem Selbst verknüpft, wo er nur allen gegenüber Duldung empfandt, hängt jetzt zu jedem Einzelnen ein eigenes Band, mit eigenen Aspekten darin verwoben. Er verschließt sich gegenüber Torkins mildem Lächeln, empfängt wortlos Gareti und beginnt ein Band zu seinem Selbst zu weben. Seine neuen Banden sind eine Frage, mit der er sich heute nicht beschäftigen wird.

Und hier ist das Problem: Beobachten bedeutet sehen. Und ich bin kein Stein, so heißt sehen fühlen. Und fühlen, fühlen führt unweigerlich zu handeln.

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Virieas Brief
- auf der Reise von Helmark nach Grautann. Nachts. -

Musik: https://www.youtube.com/watch?v=Ol3MPe5kggw

Lieber Kieran,

es ist nebelig, sogar hier im Wald. Ich bin weit fort von zu Hause. Aber der Nebel scheint mir überall hin zu folgen. Weißt du, auch ich ging fort, wenn auch einige Jahre später.
Es war … schwer. Alles verschwand. Nach und nach löste sich alles auf. Sogar meine Erinnerungen schwinden.

Neues tritt an ihre Stelle. Orte, Menschen, Feinde und Freunde kreuzen meinen Weg.
Ich habe lange niemanden mehr singen hören.
Eine Elfe spielt hin und wieder Flöte. Es ist wunderschön. Ich würde gerne mal wieder eines deiner Lieder hören. Eine Geschichte aus deinem Leben.

- -

Du sagtest, der Wal wird dich ebenso in sein Heer aufnehmen, wie all die anderen stolzen Krieger, denn du trägst ihre Saga in die Welt hinaus. Ehrst sie mit deinem Spiel und deiner Stimme. Sag mir, Kieran, sangst du jemals von den Schatten?

Von seinen Gefahren? Von den Schritten, die dort wandeln, sich aber nicht ans Licht trauen? Ich floh vor langer Zeit dort hin. Irgendwann flackerte ein Licht, dem ich folgte. Aber nun drängt mein Pfad wieder zurück ins Dunkel. Und andere folgen mir.

- -

Ich hoffe, dass dein Stern dich leiten konnte. Dass du all die Reisen erlebst, von denen du damals geträumt hast. Dass dir Ruhm und Ehre zuteil werden, wie den Schlachten, über die du vielleicht singst.
Vergiss nur deine Wurzeln nicht. Den felsigen Norden, das eisige Meer. Deine Familie.

Ich habe zu schreiben gelernt, was du vermutlich nicht lesen kannst. Diese Zeilen werden dich nie erreichen.
Ich übergebe meine Gedanken dem Feuer, auf dass sie mit dem Nebel reisen, weit über das Meer. Vielleicht ja auch zu dir.

Kieran, Ich habe Angst zu verschwinden. Nicht nur aus meinem Körper, sondern aus dieser Welt. In den Schatten wird niemand nach Spuren suchen.
Verschwunden. Vergessen.
Wirst du auch ein Lied über mich singen, eines Tages?

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Der Schlangenberg - Die Feste des Wahnsinns

Die Nacht zuvor

Mit mehr Glück als Verstand waren die Helden aus den Herzwaldgrotten entkommen. Doch sie hatten etwas wichtiges gewonnen: Thyvar, der Geist und ehmalige Geliebte Argelias begleitete sie auf ihrer Queste. Nachdem ihre Wunden so weit wie möglich versorgt waren, machten sie sich zunächst auf den Weg zurück nach Mirantha. Leider war Minathriel im Dorf nicht mehr anzutreffen, als sie dort ankamen, doch Mandavar Feuerlied war mitlerweile genesen und bedankte sich gebührlich bei den Helden, für seine Rettung. Thyrvar hatte sich die meiste Reise über ruhig verhalten, doch in Mirantha konnte er nicht anders:

“Ich hätte nie gedacht, dies hier wiedersehen zu dürfen…
Schade dass Minathiriel nicht hier ist. Bei Swafnir, es wäre schön eine alte Kampfgefährtin wiederzusehen“.

Martellus jedoch drängte zum Aufbruch, also wurde nur noch eine Nacht in Mirantha verbracht um sich auszuruhen. Am nächsten morgen sollte Glimmer die Helden dann zum Schlangenberg führen…

Man merkte deutlich, dass Martellus aufgeregt war. Zwar hatten seine Karten ihm im Herzwald den Dienst versagt und sein Kompass sie im Kreis geführt, doch schließlich hatten sie alle es doch noch irgendwie zum Schlangenberg geschafft.

Athovar legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter.
Bleib wachsam, alter Freund

Martellus nickte.
Du hast recht. Wir wissen nicht was uns erwartet. Wir sollten auf alles vorbereitet sein.

Athovar schärfte seine Klinge abends am Lagerfeuer und blickte in die Flamme. Seine Augen waren dunkel und seine Gedanken schienen weit in die Ferne zu reichen in diesem Moment.

Hey Athovar. Kennt ihr nicht nen guten Witz?”,
wollte Andrasch wissen.

Athovar guckte mit undeutbarem Gesicht in seine Richtung.
Wie wurde der Kupferdraht erfunden?” , frage er dann unverwandt.

Andrasch war verwirrt:
Öhhm keine Ahnung, was weiß ich denn, also Ich nehme an, dass ein Mechanikus, vermutlich ein Zwerg, irgendwann einmal auf die Idee kam…

Er wurde von Athovar unterbrochen:
Zwei Zwerge fanden gleichzeitig den selben Heller

Goblins

Niemand der Anwesenden konnte sich den genauen Weg merken, den Glimmer der kleinen Gruppe zeigte. Nicht einmal Amariel, die den Wald kannte wie ihre Westentasche. Zu konfus und scheinbar zufällig wirkten die Abbiegungen und zu sehr veränderte sich der Wald um sie herum während der vergleichsweise kurzen Reise. Schließlich jedoch lag vor den Helden ein weit ausladenes Tal.Die Gruppe machte sich sogleich an den Abstieg. Schon jetzt bemerkte Torkin beunruhigende Spuren. Goblins, wie er zuzuordnen wusste. Doch die Spuren waren nicht vom gleichen Tag, also dachte er sich nichts weiter dabei – ein Fehler wie sich später herausstellen sollte.

Bei Hesinde” entfuhr es Martellus, als die Gruppe hinter einem kleinen Hügel hervortrat und tatsächlich den Eingang zum Schlangenberg vor sich liegen hatte.Gesäumt war der vergleichsweise kleine Eingang vonvier Statuen, die hier schon so lange stehen mochten wie der Berg selbst. Sie zeigten vermutlich Humanuide, jedoch waren keine Details mehr zu erkennen. Die Zeit und die Natur, hatten den Stein zurückgefordert. Einzig in den Sockeln der Vier riesigen Statuen waren Glyphen noch teilweise zu erkennen. Martellus machte sich sogleich an die Analyse.

“Hier lasse ich euch alleine” verkündete Glimmer glockenhell. “Gebt auf euch acht, und wartet nicht zu lange an einem Fleck. Etwas sieht uns.”

Die Helden bedankten sich herzlich bei allem was die Fee für sie getan hatte, und diese machte sich auf den Rückweg. Nach einer Weile des Staunens musste auch Martellus zugestehen, dass die Glyphen auf den Sockeln zu verwaist waren um sie anständig zu rekonstruieren. Nicht das er es nicht trotzdem versucht hätte, doch es war unratsam die Erkundung des Berges weiter aufzuschieben, also trat die Gruppe durch den Höhleneingang und ließen damit auch das Tageslicht hinter sich. Der Eingang war kaum groß genug, um die ersten paar Meter der Höhle, die sie betraten, auszuleuchten. Die Fackeln der Helden konnte nicht einmal ansatzweise von Wand zu Wand leuchten. Also wurde erst einmal die Eingangshöhle in Zweierteams erkundet. Es waren Hinnerk und Vivi, die als erstes auf etwas stießen.

“Hey Leute, kommt mal hier rüber. Hier ist irgendwas.” Die anderen bewegten sich in ihre Richtung.
“Scheint ne Statue oder sowas zu sein. Aber hier ist auch noch nen Buchstabenfeld davor. Und es steht auch etwas drauf”

Plötzlich waren Laute aus Richtung des Eingangs zu hören. Viele Laute… Dutzende

Fortsetzung folgt

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